Obermonteur Matthias Weigel Obermonteur der Envia NSG.

Foto: Brigitte Streek

Sonnenbrand und kalte Füße inklusive

Unterwegs mit Obermonteur Matthias Weigel vom Stromversorger Envia M - Er kontrolliert bei Wind und Wetter Freileitungen und Trafostationen

Sehma. Sehma. Freitagmorgen, 9 Uhr an der Karlsbader Straße in Sehma. Es schneit. Das Thermometer zeigt minus 2,5 Grad Celsius an. Gefühlt ist es mindestens doppelt so kalt. Matthias Weigel interessiert das Wetter wenig. Erstens kann er es sowieso nicht ändern und zweitens muss er seiner Arbeit nachgehen - egal ob es regnet, schneit oder die Sonne brennt. Und die Aufgaben, die ihm für den Tag von der Schwarzenberger Zentrale der Envia Netzservice GmbH - sie ist unter anderem für die Wartung, den Netzbau und den Entstördienst zuständig - per Funk auf eine Art Bordcomputer in den allradgetriebenen Firmen-Transporter übermittelt wurden, können nun einmal nur unter freiem Himmel erledigt werden.

Festes Schuhwerk vonnöten

Der Obermonteur soll eine Inspektionsbegehung der 10 Kilovolt Freileitung Sehma Waldhaus bis zur Trafostation Sehma Badeanstalt vornehmen. Dazu ist festes Schuhwerk vonnöten. Nicht nur, weil der Raschauer dafür mehrere 100Meter über freies Feld laufen muss, von Mast zu Mast. Sondern auch, um beim Stapfen durch den Schnee kalte Füße zu vermeiden. Dennoch ist es an diesem Morgen kein wirkliches Vergnügen, die einzelnen Komponenten des Stromnetzes nacheinander unter die Lupe zu nehmen. Doch es muss sein. "Turnusmäßig passiert das aller sechs Jahre", erzählt Matthias Weigel. Sein Augenmerk gilt dabei etwa 15 verschiedenen Dingen, deren Zustand er ganz akribisch protokollieren muss. Das passiert aber nicht auf einem Stück Papier, sondern gleich in einem Tablet-PC. Das ist ein tragbarer, mit einem speziellen Stift zu bedienender Computer, der wie ein Notizblock verwendet werden kann.

Kein Porzellan zerstört

Beinahe wie ein Detektiv inspiziert der 40-Jährige die Anlagen. Er beginnt ganz unten beim Betonsockel beziehungsweise dem Fundament. Gibt es Risse? Nein, diesbezüglich ist alles in Ordnung. Auch die Mastbeschilderung mit den zwei Warnhinweisen - der rote Blitz auf gelbem Untergrund sowie der Schriftzug "Vorsicht Hochspannung" - ist vorschriftsmäßig angebracht. Das Umfeld gibt ebenfalls kaum Anlass zum Handeln. Große Bäume, die auf den 1965 errichteten Mast oder die Leitung fallen könnten, gibt es nicht. Lediglich ein noch kleines "angeflogenes" Bäumchen, beginnt sich zu entwickeln. Jetzt zückt Matthias Weigel ein Fernglas. Seine Blicke richten sich nach oben, gelten unter anderem den Isolatoren. Ist bei denen Porzellan abgeplatzt, könnte das ein Indiz für einen Blitzschaden sein. Aber auch das ist in dem Fall nur Theorie. In der Praxis ist alles in Ordnung.

Und so kann der Raschauer nach rund zehnminütiger Kontrolle 15-mal "Keine Mängel" in seinen Tablet-PC eintragen. Wäre dem Raschauer ein Schaden untergekommen, hätte er diesen im Bild festhalten und das Foto auf seinen "elektronischen Notizblock" übertragen müssen. Beides - Prüfprotokoll und Bild - werden dann einmal pro Woche in der Zentrale in Schwarzenberg ausgeladen. Noch ist es aber nicht soweit.

Mast für Mast wird untersucht, dabei auch ein Blick auf die Leitung geworfen. An einer Stelle entdeckt der 40-Jährige so genannte Pressverbindungen. "Sie sind ein Zeichen dafür, dass dort irgendwann einmal das Kabel gerissen sein muss", erklärt Matthias Weigel, ehe es weiter zum Endpunkt für diesen Tag geht, die Trafostation Badeanstalt in Sehma.

Die Kontrollen von Nieder-, Mittel- und Hochspannungsleitungen, Trafostationen sowie Hausanschlüssen machen noch etwa rund 50 Prozent der Arbeit der insgesamt zehn Monteure aus, die für das Servicecenter Schwarzenberg tätig sind. Ihr Einzugsbereich umfasst das Territorium Steinbach, Gelenau, Zwönitz bis hinüber nach Schönheide. In Zukunft könnten sich diese Kontrollgänge verringern, da weitere Erdverkabelungen vorgesehen sind. Bei den Mittelspannungsleitungen gibt es aktuell noch etwa zwölf Prozent Freileitung. 2012 sollen es nur noch acht Prozent sein, sagt Jens Krug, Gruppenleiter Anlagenmanagement Mittel- und Niederspannungsleitung.

Nächtlicher Einsatz

Aller vier Wochen hat Matthias Weigel Bereitschaft. Das bedeutet, auch mal mitten in der Nacht aufstehen, wenn ein Störfall gemeldet wird. "Passiert das während der ersten Schlafphase, ist das nicht gerade sehr angenehm", sagt er.

 
erschienen am 12.03.2010 ( Von Thomas Wittig )
 
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