Am Samstag gaben sich Katrin und Joachim Rothweiler aus Messel in Hessen im Markus-Röhling-Stolln der Kreisstadt das Jawort. Die Braut ist gebürtige Annabergerin und das Paar eines von etwa einem Dutzend pro Jahr, die im "Bauch des Berges" heiraten.
Foto: Brigitte Streek
Zur Trauung wird in den Berg eingefahren
Ausgefallene Hochzeitsorte werden immer beliebter - Nur in gewidmeten Räumen darf offizielle Zeremonie ausgerichtet werden
Annaberg-Buchholz. Annaberg-Buchholz. Ungewöhnliche Hochzeitsorte sind ein neuer Trend in der Region. Immer mehr Paare wollen sich nicht mehr nur traditionell im Standesamt trauen lassen, sondern suchen das Extravagante. Um den Bund fürs Lebens zu besiegeln, fahren sie ins Besucherbergwerk Markus-Röhling-Stolln in Frohnau, steigen die zahlreichen Stufen des Wachtturms von Geyer hinauf oder erleben alten Fürsten-Glanz im Schlettauer Schloss.
Doch der Bedarf an ungewöhnlichen Trauungsorten ist noch größer. Oberwiesenthals Bürgermeister Mirko Ernst (FDP) sagt: "Wir haben jährlich mehrere Anfragen von Gästen, ob es möglich ist, an bestimmten Stellen im Ort zu heiraten. Etwa in den Hotels, der Schwebebahn oder direkt auf dem Fichtelberg."
Jährlich geben sich in Deutschlands höchst gelegener Stadt etwa zwanzig Paare das Jawort. Der Großteil von ihnen sind Touristen, die Urlaub in Oberwiesenthal machen. Zahlreiche "Gäste-Trauungen" zählt auch Ina Oberhardt. Die Standesbeamtin betreut verliebte Paare, die in Geyer, Thum oder Ehrenfriedersdorf heiraten wollen. "In diesem Jahr haben sich bei uns bisher etwa 50 Paare die ewige Liebe geschworen." Besonderer Höhepunkt seien die Trauungen in der Heimatstube des 42 Meter hohen Wehr- und Wachtturms von Geyer. In Sehmatal hat die Suppenlandlinie Neudorf angefragt, ob Trauungen in ihren Oldtimerbussen möglich wären
Auch in Annaberg-Buchholz, wo sich Verliebte im geschichtsträchtigen Berghauptmannszimmer des Rathauses oder unter Tage im Röhling-Stolln trauen lassen können, sagen nicht nur Einheimische "Ja", wie Standesbeamtin Ramona Vießmann erläutert: "Viele unserer mehr als 100 Paare im Jahr sind Gäste. Manche Eheleute sind in der Region geboren, arbeiten nun woanders und wollen die Zeremonie in ihrer alten Heimat mit Freunden und Verwandten begehen. Und manche von ihnen suchen dabei das Besondere."
Der Gesetzgeber hat jedoch eindeutige Regeln aufgestellt, wo geheiratet werden darf. Erlaubt ist nicht alles, was gefällt. Denn eine Trauung ist ein rechtsverbindlicher Akt, für den klare Normen gelten, wie Ramona Vießmann erklärt: "Der Ort muss zuallererst eine, der Zeremonie angemessene Würde ausstrahlen. Des weiteren verlangen die Gesetze, dass der Raum der Trauungszeremonie abgeschlossen ist. Damit soll eine private Atmosphäre gewährleistet werden." Ferner dürften nicht die wirtschaftlichen Interessen bei der Wahl eines Hochzeitsortes im Vordergrund stehen.


