Hüter der Herde in Habachtstellung: Der Pyrenäenberghund von Schäfer Jan Raupach beschützt 140 Schafe 365 Tage im Jahr - wie hier kürzlich nahe des Eisenbahnmuseums in Schwarzenberg.
Foto: Nils Bergauer
Aue/Schwarzenberg: Hüter der Herde hört auf keinen Namen
Pyrenäenberghund beschützt Herde von Schäfer Jan Raupach 365 Tage im Jahr
Aue/Schwarzenberg. Auf leisen Sohlen pirscht sich der Fotograf an und bleibt einen halben Meter vor dem Elektrozaun stehen. Der Hund hat ihn längst erspäht und prescht den Hügel herunter. Die Schafe grasen friedlich. Selbst, als nur noch der knapp hüfthohe Zaun und wenige Zentimeter Fotograf und Vierbeiner trennen. Der Hund geht in Habachtstellung und bellt los. Da sich der Mann mit der Kamera nicht rührt, steht auch sein Gegenüber still. Nur mit Bellen steckt der Hund sein Revier - die umzäunte Fläche mit rund 140 Schafen - lautstark ab.
Jan Raupach beobachtet die Szene, wirkt ruhig. Selbst, wenn er wollte: Er könnte nicht viel tun. "Der Hund trägt nicht einmal einen Namen", sagt der Schäfer aus Aue. Sein neuer "Mitarbeiter" auf vier Pfoten ist nach Raupachs Wissen der erste seiner Art im Erzgebirge und hat alles richtig gemacht: Gefahr erkannt, Revier verteidigt - mit lautem Bellen. Angriff und Verteidigung würden laut Raupach erst folgen, wenn etwa ein Raubtier den Zaun überwindet. Pyrenäenberghunde besitzen einen Beschützerinstinkt.
"Meiner lebt 365 Tage im Jahr bei den Schafen. Auch im Stall im Winter", so Raupach, der seinen Schützling nicht umsonst vor einigen Monaten zu sich holte. "In der Lausitz, wo der Wolf nachgewiesen ist, gibt es viele seiner Art bei Schäfern. Das wird finanziell gefördert." Weil der Auer davon ausgeht, dass der Wolf früher oder später das Erzgebirge erreicht, beugt er vor. Mit einem Hüter ohne Namen. Auf Kommandos hört der Vierbeiner nicht, läuft dennoch voll in der Spur. "Er integriert sich in die Herde. Nur beim Füttern kommen wir uns kurz ein bisschen näher."
Dass es für solche Tiere im Erzgebirge noch keine Förderung gibt, versteht Raupach nicht. "Ich brauche Monate, um Hund und Herde aneinander zu gewöhnen. Da kann ich nicht erst einen anschaffen, wenn der Wolf das erste Schaf gerissen hat." Solange wollte der 43-jährige Familienvater nicht warten, ist sicher: "Der Wolf wird sich ausbreiten." Deshalb will er seinen Pyrenäenberghund nicht mehr missen, trotz des Mehraufwands. "Ich fahre täglich zur Herde, um ihn zu füttern, kontrolliere den Zaun, muss Tierarztkosten sowie Geld für eine besondere Versicherung einkalkulieren." Und viel über die Rasse lesen.
Der Pyrenäenberghund, der mit seinem hellen Fell unter den Schafen kaum auffällt, fühle sich mehr als Teil der Herde, nicht als Begleiter des Hirten wie Raupachs andere Vierbeiner. Diese Hütehunde halten die Herde von außen zusammen, treiben sie voran. Der "Neue" indes bewacht die Huftiere. Nimmt ihn der 43-Jährige aus der Herde heraus, um ein verletztes Schaf zu versorgen, kostet das Fingerspitzengefühl. "Ein langer Lernprozess für beide."
In der Schweiz, in Österreich und Osteuropa ist die Rasse häufiger vertreten, hierzulande indes noch Aufklärung nötig. "Ich informiere Anwohner, dass ein Hund in der Herde lebt. Keiner muss ihn fürchten. Wer das Revier nicht betritt, wird nur bellend gewarnt." Im Herbst verlegt der Auer die Herde samt vierbeinigem Wächter wie jedes Jahr nach Zwönitz und Kühnhaide. "Dort habe ich ihn dann auch erstmals dabei."
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