Auf Ex-Bahnstrecken sollen wieder Züge rollen
Gemeinden in Erzgebirge und Vogtland stellen Weichen für 22 Millionen Euro schweres Projekt
Schönheide. Wo ausgediente Gleise seit mehr als 30 Jahren überwuchert werden, sollen in absehbarer Zeit wieder Züge rollen. So lautet das Ziel eines landkreisübergreifenden Projekts, das die Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft (VSW) am Dienstag mit Bürgermeistern der angrenzenden Gemeinden am Bahnhof Schönheide-Süd vorgestellt hat.
In vier Etappen sollen ehemalige Bahnstrecken von Schönheide über Carlsfeld bis Muldenberg wiederbelebt werden. Historische Loks aber auch beispielsweise Triebwagen der Vogtlandbahn könnten dann touristische Magneten verbinden und so mehr Gäste in die Region holen.
"Eisenbahnfahren ist der Renner", sagte Schönheides Bürgermeister Kai Wilhelm (SPD). So werde die Museumsbahn zwischen Schönheide-Mitte und Stützengrün sehr gut angenommen. VSW-Chef Andreas Winkler, zugleich Vorsitzender des Vereins zur Förderung Sächsischer Schmalspurbahnen, erklärte den Boom so: "Die Zeit wird immer schnelllebiger. Da besinnen sich viele auf Nostalgie und Urlaub daheim."
Mit im Boot sind neben Schönheide auch Eibenstock und Stützengrün sowie die vogtländischen Nachbarn Morgenröthe-Rautenkranz, Steinberg, Tannenbergsthal, Hammerbrücke, Grünbach, Schöneck und Klingenthal. "Wir arbeiten schon lange grenzübergreifend", sagte der Bürgermeister von Morgenröthe-Rautenkranz, Konrad Stahl (CDU). Schließlich seien überall "Leuchttürme" wie die Deutsche Raumfahrtausstellung entstanden.
Um das ehrgeizige Projekt zu koordinieren, wollen die Kommunen so bald wie möglich einen Zweckverband gründen, der unter anderem einen Betreiber suchen sowie Förderanträge stellen soll. Immerhin werden für das gesamte Vorhaben rund 22 Millionen Euro veranschlagt, erklärte Wilhelm. Der Großteil könne gefördert werden.
Auftakt für die erste Etappe ist bereits in der kommenden Woche. Dem Spatenstich am Dienstag wohnt ein ganz besonderes Dampfross bei. Dann macht der Nachbau der ersten sächsischen Schmalspurlok I K auf seiner Willkommenstour in Muldenberg Station. In den nächsten Wochen soll der Bahnhof Muldenberg wieder an die bestehende Regelspur-Strecke zwischen Zwickau und Klingenthal angeschlossen werden. "Dort fehlt nur eine Weiche", sagte Winkler.
In einem zweiten Schritt könnten die Züge wieder zwischen Schönheide und Wilzschhaus verkehren. In Phase 3 soll der Abschnitt zwischen Wilzschhaus und Carlsfeld reaktiviert werden. Dafür müssten teilweise neue Gleise verlegt werden, erklärte Winkler. Der große Vorteil: Die Bahnrechte sind überall vorhanden, ebenso wie die mal mehr, mal weniger gut erhaltenen Schotterbetten. Die letzte Etappe sei die anspruchsvollste: So soll eine neue Trasse von der Bürstenfabrik in Stützengrün bis zum Brauereigasthof Wernesgrün führen.


