Hartplatz Er weiß, dass es immens teuer wird. Und doch hofft Ulrich Richter, der Vorsitzende des ESV Zschorlau, den Umbau des Hartplatzes zum Kunstrasenplatz über Spenden finanzieren zu können.

Foto: Publicpix

Ausgemachte Optimisten wollen Grau in Grün verwandeln

Spendenaktion soll dem ESV Zschorlau helfen, den Hartplatz mit Kunstrasen zu überziehen

Zschorlau. Zschorlau. Zu anderen Jahreszeiten kickt der Nachwuchs über Zschorlaus Dächern. Übt Kopfbälle, setzt Sprints an, schlägt Flanken. Jetzt im Winter sind die Jungfußballer in die Sporthalle unten im Tal gezogen. Die schwarzgraue Schlackemasse liegt tiefgefroren unter einem dicken Mantel aus Schnee. Geht es nach den Zschorlauern, soll diese Schlacke bald ganz verschwinden - allerdings unter einem Mantel aus Kunststoff.

Sie müssen ausgemachte Optimisten sein, die Verantwortlichen beim Erzgebirgischen Sportverein. Denn sie wollen nichts weniger als mittels Spendenaktion mehrere hunderttausend Euro auftreiben, die der Bau so eines Kunstrasenplatzes inzwischen kostet.

Schon 2004 hatten die Zschorlauer damit geliebäugelt, den ungeliebten Untergrund in Kunstrasen zu verwandeln. Doch sie ließen davon ab: Es erschien zu teuer. Bürgermeister Wolfgang Leonhardt (CDU) lacht sarkastisch. Denn seitdem sind die Preise in die Höhe geschossen. Damals wäre so ein Umbau für 440.000 Euro zu haben gewesen. Das aktuelle Angebot nennt einen Preis von knapp 600.000 Euro. Und die Fördersätze sind gegenüber früheren Zeiten massiv gesunken.

Verjüngungskur verordnet

Das ärgert Ulrich Richter, den Vorsitzenden des Vereins. Wo es doch die Kinder sind, die profitieren. Der Verein will helfen, dass Familien in Zschorlau bleiben. Er hat sich eine Verjüngungskur verordnet. "Zuvor war unser Durchschnittsalter jahrelang stetig gestiegen." Die Sportler suchten die Zusammenarbeit mit Schule und Kindergärten. Ein Gedanke: Eine Sportgruppe für Vorschulkinder. "Wir wurden quasi überrannt", sagt Richter. Eine Gruppe war geplant, zwei sind es geworden, eine Warteliste ist schon gut gefüllt. Auch eine E-Jugend-Mannschaft im Handball gibt es wieder.

"Wir haben so im Jahr 2010 insgesamt 35 neue Mitglieder im Alter zwischen vier und zehn Jahren gewonnen", bilanziert der Vereinschef. Immerhin knapp zehn Prozent. Den jüngsten soll der Kunstrasen dienen. So der Verein das Geld zusammenbekommt. 5000 Euro hat die Sparkasse schon gegeben. Und die Fußballer der ersten und zweiten Mannschaft haben auf ihre Verzehrbons zur Weihnachtsfeier verzichtet. Das brachte 400 Euro. Richter rechnet damit, dass der ESV 300.000 Euro Spenden eintreiben muss. Zum Vergleich: Der Jahresetat des Vereins schwankt meist um die 20.000 Euro. Und doch träumt der Verein, den Platz 2013 zu Zschorlaus 800-Jahr-Feier einweihen zu können.

Der Nachwuchs brennt

Der Vereinschef verhehlt nicht, dass sich auch Skepsis breitmachte, als bei der Jahreshauptversammlung die Zahlen vorgestellt worden. Und er verhehlt ebenso wenig, dass mancher nach dem Sinn des Baus fragt, ohne den zu anderen Zeiten die Jugend auch gut klargekommen ist.

Dennoch stehen die Vereinsmitglieder zum Projekt. Richter hat Argumente wie Fürsprecher auf seiner Seite. "Auf dem Hartplatz ist die Verletzungsgefahr einfach größer", sagt Jugendtrainer René Leuoth. "In der Umgebung gibt es längst viele Kunstrasenplätze", ergänzt Richter, "da schicken manche Eltern ihre Kinder lieber zu diesen Vereinen."

Der Fußball-Nachwuchs selbst brennt sowieso längst für den Bau. Wenn's regnet, sagt Benito Hahn (11) aus Zschorlau, gleicht der Hartplatz einem Meer. Jonathan Markus (12): "Als wir das eine Mal nach Hause kamen, haben unsere Mütter gesagt: Euch können wir gleich mit in die Waschmaschine stecken."

 

Kontakt

Infos und Spendenkonto-Daten gibt es telefonisch unter 03771 478901.

 
erschienen am 27.01.2011 ( Von Frank Hommel )
 
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