Chris Jahn demonstriert am Grenzübergang in Johanngeorgenstadt, wie er über eine schiefe Ebene ohne fremde Hilfe in den Linienbus kommt. Allerdings muss der Busfahrer die Rampe zuvor per Hand ausklappen.
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Barrierefreiheit: Teufel steckt oft im Detail
Uneingeschränkte Mobilität ist Zukunftsmusik
Aue-Schwarzenberg. 20 bis 25 Busse schafft die Regionalverkehr Erzgebirge (RVE) GmbH jedes Jahr an. "Etwa 60 Prozent unserer Fahrzeuge sind barrierefrei ausgestattet. Dieser Anteil wird sich erhöhen, denn wir werden künftig ausschließlich solche Fahrzeuge beschaffen", sagt Prokurist David Joram.
Barrierefrei heißt, dass sie eine geringe Einstiegshöhe sowie optische und akustische Einrichtungen für Seh- und Hörbehinderte haben. Dazu gehören laut Joram auch kontrastreiche Farben in den Fahrzeugen, in entsprechender Höhe angebrachte Haltestellen-Wunschtasten und ergonomische Sitzformen. "Seit 2001 gilt die EU-Busrichtlinie. Demnach soll jeder neue Bus im Stadtlinienbereich einen Rollstuhlfahrerplatz aufweisen, und in der Nähe des Busfahrers sollte ein Sitz mit 15 Prozent größerer Sitz- und Lehnfläche für behinderte Kunden sein."
Allerdings stellen Fernreisebusse wegen der hohen Einstiegsstufen für Rollstuhlfahrer oft noch eine unüberwindbare Hürde dar. "Wir besitzen drei Hochbodenfahrzeuge mit Lift. Die werden eingesetzt, wenn sich Rollstuhlfahrer zuvor bei uns anmelden", versichert RVE-Geschäftsführer Roland Richter. "Eben diese Sonderbehandlung möchten behinderte Menschen aber meist nicht. Und es geht ja auch um andere in ihrer Beweglichkeit eingeschränkte Menschen, etwa Mütter oder Väter mit Kinderwagen und ältere Menschen mit Rollator", sagt Helga Dittrich, Senioren- und Behindertenbeauftragte des Erzgebirgskreises.
Gemeinsam mit Mitgliedern des Beirats für Menschen mit Behinderungen kümmert sie sich um eine verbesserte Integration behinderter Menschen in die Gesellschaft. Doch bis zu der von der Europäischen Union mit der Behindertenrechtskonvention angestrebten Inklusion, die eine Nutzbarkeit sämtlicher Lebensbereiche für alle Menschen anstrebt, ist es noch ein weiter Weg. Oft stecke der Teufel im Detail, wie Renate Müller vom Blinden- und Sehbehindertenverband weiß:
"Blinde sind auf die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel angewiesen. Ich fahre öfter von Aue nach Schönheide oder Rodewisch. Die modernen Busse mit Haltestellenansage sind perfekt, aber leider ist der Lautsprecher manchmal ausgeschaltet oder so leise eingestellt, dass ich nichts verstehen kann bei den vielen Umgebungsgeräuschen. Außerdem werden im Linienverkehr auch Fernreisebusse eingesetzt, die nicht behindertenfreundlich ausgestattet sind. Viele Fahrer sind zwargern behilflich, aber ich muss immer extra darum bitten, mir zu sagen, wenn mein Ziel erreicht ist", schildert die 57-Jährige.
Manchmal stellen nicht die Busse, sondern die Bushaltestellen ein Problem dar. Wo sich kein Fußweg mit Bordsteinkante befindet, ist für Rollstuhlfahrer ein selbstständiges Einsteigen sogar in Niederflurfahrzeuge kaum möglich. Nur manche Busse haben ausklappbare Rampen.
Zwischen 2006 und 2010 hat der Freistaat Sachsen im Erzgebirgskreis den Ausbau von 31 Bushaltestellen und zentralen Busbahnhöfen finanziell unterstützt. Zschopau bekam kürzlich eine elektronische Fahrtzielanzeige für 38.000 Euro. "Unser neu gestalteter Busbahnhof in Annaberg wird bald fertig. Elektronische Fahrgastinformationen an den Busbahnhöfen Aue, Schwarzenberg und Stollberg folgen", kündigt Roland Richter an. Geplant sind hierfür Investitionen von 300.000 Euro.


