Jörg Richter Nur noch ein Stumpf ist übrig. Jörg Richter von der Grünen Aktion Westerzgebirge an den Resten einer stattlichen Stieleiche, die auf dem Areal Waldhausen in Eibenstock der Säge zum Opfer fiel.

Foto: Nils Bergauer

Baum gefällt - doch von Bau keine Spur

Alte Stieleiche umgesägt - Naturschützer sind außer sich

Eibenstock. Christoph Irmisch ist entsetzt. "Mitten in der Vegetationsperiode verschwindet dieser wunderbare Baum für immer. Das ist dramatisch", sagt er. Was von dem einst stattlichen Holzgewächs blieb, ist ein Stumpf mit einem Durchmesser von rund 1,40 Meter. "Das war die größte Stieleiche, die es rund um Eibenstock gab", so Irmisch. Das bestätigt Jörg Richter, Vorsitzender der Grünen Aktion Westerzgebirge. Der Baum stand direkt am alten Landhotel "Waldhausen" zwischen Eibenstock und Wildenthal, wo ein kasachischer Investor ein chinesisches Gesundheitszentrum bauen will.

"Ich glaube, das Umsägen geschah illegal", sagt Jörg Richter. Zum einen dürfen Bäume während der Vegetationsperiode zwischen dem 1. März und 30. September nicht ohne Ausnahmegenehmigung gefällt werden. "Zum anderen greifen die Baumschutzsatzung und das Naturschutzgesetz." Bei Behörden habe er im besagten Fall nachgefragt. "Weder in der Stadt noch in der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamt wusste man von der Eiche", so Richter, der das Alter des Baums auf etwa 80 Jahre schätzt. "Mindestens, eher sogar etwas älter."

Landratsamt wusste nichts

Doch wer muss das Verschwinden des hölzernen Riesens verantworten? Richter: "Entweder hat sie der Eigentümer des Grundstücks eigenmächtig gefällt. Oder die Stadt hat - aus meiner Sicht unverständlicherweise - tatsächlich eine Genehmigung gegeben. Noch dazu mitten in der Vegetationszeit."

Genau dies ist geschehen, wie Bürgermeister Uwe Staab (CDU) bestätigte. "Ich fürchte, das ist unsere Hochzeit", so das Stadtoberhaupt. Von der Fällung hatte die Naturschutzbehörde im Landratsamt keine Kenntnis. Pressesprecher Oliver Reinhardt teilte mit: "Fürs Fällen eines Baums ist eine Genehmigung der Stadt nötig. Auch in der Vegetationsperiode und ohne weitere behördliche Prüfung - sofern eine gesetzlich zulässige Ausnahme vom Fällverbot während der Vegetation geltend gemacht werden kann und keine anderen Belange wie Artenschutz dagegensprechen."

Winterlinde Dieser Winterlinde wurden mitten in der Blüte alle Äste genommen.

Foto: Nils Bergauer

Fakt ist: Die Eiche unterlag der Baum- und Gehölzschutzsatzung. Zwar wusste das Landratsamt nichts von einer Genehmigung der Stadt, den Baum umzusägen. Jedoch: "In Vorbereitung der Bauarbeiten für das Heilzentrum, das in Waldhausen geplant ist, sollte der Baum weichen", erklärt Staab. "Vielleicht haben wir zu voreilig gehandelt."

Weiteres Drama im Zentrum

Das befürchtet auch Eibenstocks Hauptamtsleiterin Annelie Schreier. "Dem Eigentümer lag eine Genehmigung von uns vor. Eigentlich hätten wir die Naturschutzbehörde ins Boot holen müssen, da Stieleichen extravagant sind. Das haben wir in diesem Fall aber nicht gemacht." Eines ärgert Annelie Schreier besonders: "Nun ist der Baum im Zuge von Bauvorbereitungen gewichen - doch gebaut wird nach wie vor nicht."

Irmisch hofft, dass dieses Schuldeingeständnis keine Schule macht. "Das ist doch einfach für die Stadt: Sie nimmt den schwarzen Peter auf sich - zack, erledigt. Aber den Baum bringt das nicht zurück." Dabei sei das Drama um die Stieleiche nur ein Beispiel. Ein weiteres steht laut Irmisch im Stadtzentrum: eine Winterlinde, die nach seinen Worten "brachial" beschnitten wurde. "Das zeigt, dass die Menschen keinen Respekt mehr vor der Natur haben." Nur noch ein kahler Torso ist von der drei Meter hohen Linde übrig. Alle Äste wurden gekappt. "Wahnsinn. Das hat mit normalem Beschneiden gar nichts zu tun", sagt Jörg Richter. Er appelliert, sorgsamer mit Bäumen umzugehen. "Gerade wenn die blühen, ist es ein Frevel, sie auf diese Weise zuzurichten."

 
erschienen am 06.08.2012 ( Von Anna Neef )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
4
(Anmeldung erforderlich)
  • 09.08.2012
    16:11 Uhr

    Landvogt: Die Städte sollten ja eigentlich Vorbild sein und sich an die gesetzlichen Regelungen halten, vor allem in Sachen Natur. Leider machen sie viel zu oft das Gegenteil und sind damit ein schlechtes Vorbild.
    BITTE RETTET UNSERE BÄUME ! - seid nicht so dumm und macht sie einfach um.

    0 1
     
  • 09.08.2012
    14:01 Uhr

    Nixe: Wenn ich mir diesen Stamm der Eiche anschaue, und bedenke wie langsam die wachsen, würde sagen, sie war auf jeden Fall älter, mindestens 100 Jahre -200, 300 Jahre (jenachdem wie sie in echt aussieht ohne Perspektive des Fotos).
    Im Erzgebirge ist man auch noch etwas sehr eigensinnig, und macht seine eigenen sprich keine Regeln.
    Bei der Linde das ist genau solcher Unfug. Von Menschen gemacht, die keinen Bezug mehr zur Natur finden, armselige Konsummaschinen!!
    Die Gesetzgebung ist aber hierzulande auch mit großteilig schuld! In einer Marktwirtschaft muss immer jemand zum zahlen verantwortlich gemacht werden. Ein Passus für freie Natur und natürliche Umstände könnte viel mehr untermauert werden, in der Hoffnung das sich unsere Gesellschaft wieder etwas natürlicher verhalten würde. Dazu kommt der teuere Besitz; wäre es hingegen nur der alte Trabi, worauf der Ast fällt; oder mit dem Nachbarn verstand man sich früher auch besser, heute macht jeder sein Ding schirmt sich ab, und wehe ein Ast oder Blatt von Nachbars Baum guckt mal herüber! Und dann noch das Baumarktklischee, das jeder erfüllen will, alles kurz und rein; - steril und kleinlich unsere Gesellschaft heute, wie uns damals schon der Westen vorkam.

    0 2
     
  • 08.08.2012
    19:30 Uhr

    finnas: Hier noch die Antwort des Ägypters: "Die Bäume !"
    Wir sollten mehr Ägypter ins Land holen und dafür Baumfrevler in die Wüste schicken.

    0 2
     
  • 08.08.2012
    10:46 Uhr

    finnas: Wenn ein Bürger gegen Baumschutzsatzung oder Naturschutzgesetz verstößt, was passiert da ? Richtig, er wird zur Kasse gebeten. Ein Verantwortlicher einer Behörde braucht sich nur ein bißchen Sand aufs Haupt zu streuen, wenn er beides ignoriert.
    Der verantwortungs- und ehrfurchtslose Umgang mit alten Bäumen hat Tradition. Vor Jahren hat der Kreistag des Altlandkreises Aue-Schwarzenberg den Schutzstatus einer Rotbuche aufgehoben, damit die einem Parkplatz für einen Supermarkt weichen konnte.
    Man muß sich nur umsehen, wie viele Bäume im Laufe der Jahre gefällt oder total verstümmelt wurden, aus Angst, es könnten darunter abgestellte Autos von herabfallenden Früchten oder Ästen beschädigt werden (ich spreche nicht von Gefahr für Menschen im Verzug) oder weil das Laub stört. Ich bin einmal zum Tag des Baumes mit geschärftem Blick durch unseren Landkreis gefahren. Da empfand ich die Berichtserstattung über diesen Tag wie Hohn.
    Ein Ägypter wurde einmal gefragt, was ihm an Deutschland am meisten gefällt. Antwort:

    0 3
     

 
 
 
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