Buch zur Kriegsforschung in Schlema erscheint noch 2010
Radon-Dokumentationszentrum will Tagungsband bis Jahresende veröffentlichen - Konrad Barth: "Eckardt macht sich selbst verrückt"
Bad Schlema. Bad Schlema. Der Tagungsband zu Kriegsforschungsaufträgen des Biophysikalischen Instituts Oberschlema während des Zweiten Weltkriegs soll noch in diesem Jahr erscheinen. Das kündigte am Donnerstag Katrin Dörfelt vom Radon-Dokumentations- und Informationszentrum (Radiz) Bad Schlema an. Zwei Jahre, nachdem sich eine Konferenz mit den am Institut in den 1940er Jahren vorgenommenen Menschenversuchen befasst hat, werden damit die Beiträge der beteiligten Wissenschaftler der Öffentlichkeit im vollen Wortlaut zugänglich gemacht. Zuletzt hatte es Kritik gegeben, weil der Band noch immer auf sich warten lässt.
Die Konferenz sollte Dokumente bewerten, auf die der Schneeberger Heimatforscher Günter Eckardt vor drei Jahren gestoßen ist. Eckardts eigene Theorie besagt, dass am Biophysikalischen Institut Oberschlema Grundlagenforschung für ein deutsches Atomprogramm betrieben wurde und dass Menschen dabei zu Tode kamen. Als gesichert gilt heute, dass es die Menschenversuche gab. Am Institut wurde im Auftrag des Oberkommandos des Heeres die Wirkung radioaktiver Strahlen als Kampfmittel erforscht. Dafür, dass Versuchspersonen erkrankten oder starben, gibt es jedoch keine Belege.
Die Physiker Alexander Kaul und Dietrich Harder legten auf der Konferenz dar, dass die von den Wissenschaftlern unter Leitung von Boris Rajewsky verwendeten Dosen zu niedrig waren, um jemanden zu schädigen. Die Historiker Alexander von Schwerin und Rainer Karlsch beurteilten die Vorgänge kritisch. Ihr Beitrag enthält Details, die am sauberen Ruf Rajewskys kratzen, der in Schlema als integrer Wissenschaftler und Wegbereiter der Radonkuren gilt. Dennoch distanzieren auch sie sich von Eckardts Todes-These.
Konrad Barth, der zweite Vorsitzende des Vereins Radiz und frühere Bürgermeister von Bad Schlema, nannte dessen Theorie am Donnerstag "totalen Unsinn". Eckardt recherchiere fleißig, steigere sich dann jedoch häufig in etwas hinein und mache sich selbst verrückt. "Die frühere wissenschaftliche Assistentin des Instituts war eine gute Freundin von mir", sagte Barth. "Hätte sie etwas über gesundheitsschädliche Experimente gewusst oder vermutet, hätte sie es mir erzählt." Man müsse historische Ereignisse auch immer in ihre Zeit einordnen, betonte Barth, der ein schlechtes Image für das heutige Bad Schlema fürchtet.


