Cranach-Altar Für diese stimmungsfeindlichen und kunstwerkschädigenden Baustrahler hat das letzte Stündlein geschlagen. Pfarrer Frank Meinel (links) und der Vorsitzende des Kirchenbauvereins, Thomas Schramm, können die neue Beleuchtung in St. Wolfgang kaum erwarten.

Foto: Lars Rosenkranz

Cranach-Altar erstrahlt bald in neuem Glanz

Bergmannsdom erhält bis Juni elegante Leuchtstelen

Schneeberg. Schneeberg. Wo jetzt noch rustikale Baustrahler stehen, sollen bald elegante Leuchtstelen den Cranach-Altar in der Schneeberger Sankt-Wolfgangs-Kirche in neuem Glanz erstrahlen lassen. "Das jetzige Licht ist furchtbar", klagt Thomas Schramm, Vorsitzender des Kirchenbauvereins. Der harsche Schein sei Gift für den 1539 von Lucas Cranach d. Ä. vollendeten Altar, der zu den bedeutendsten der Reformation zählt. Von der Stimmung ganz zu schweigen. "Das ist wahrlich nicht im Sinne des weltbekannten Kunstwerks", sagt auch Pfarrer Frank Meinel.

Pünktlich zum internationalen Cranach-Symposium am ersten Juni-Wochenende soll zumindest der erste Teil der neuen Beleuchtungsanlage fertig sein. Unter dem Motto "Cranach in neuem Licht" werden zu der vom Fachbereich Angewandte Kunst Schneeberg der Westsächsischen Hochschule Zwickau organisierten wissenschaftlichen Tagung etwa 30 Fachleute erwartet.

Ausgetüftelt hat das Beleuchtungskonzept das Ingenieurbüro Bamberger aus Pfünz in Oberbayern. Der Spezialist für sakrale Beleuchtung hat bereits den Kölner Dom und die Dresdner Frauenkirche ins rechte Licht gerückt. Weil Leuchten in einer gotischen Halle immer stören, habe er sich streng an der Funktionalität orientiert, erklärt Seniorchef Walter Bamberger. Dabei spielten sowohl die Entstehungsgeschichte als auch die heutige Nutzung eine Rolle. "Mit Licht müssen beide Welten zusammengebracht werden."

Um den Raum "vorsichtig mit Licht zu füllen", will er da, wo noch alte Wismut-Baulampen von der Decke baumeln, zehn schlanke Pendelleuchten mit verstellbaren Lichtköpfen für unterschiedliche Abstrahlwinkel anbringen. Am Altar sind zusätzlich vier Metallstelen vorgesehen. Diese sollen das Licht auch in flache Zonen bringen, um Schatten zu vermeiden. Weil sich die über 100 möglichen Einstellungen mittels Schaltern gar nicht mehr bewältigen lassen, werden Lichtszenen voreingestellt. Über einen Tastschirm lasse sich dann per Fingerzeig die passende Stimmung für Gottesdienste, Konzerte oder Führungen zaubern.

Finanziert wird die Anlage durch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung, die Kreissparkasse Aue-Schwarzenberg und die Kirchgemeinde. Die genauen Kosten will Schramm nicht nennen, nur, dass es sich um "eine größere fünfstellige Summe" handele. Von der neuen Ausleuchtung erhofft sich der Bergmannsdom auch einen Schub für die Bekanntheit des Cranach-Altars. "Bis jetzt nimmt ihn die Kunstwelt noch nicht so zur Kenntnis, wie er es verdient", ist Meinel überzeugt. Doch es kommen immerhin 80.000 bis 100.000 Besucher im Jahr. "Es dürfen aber gern mehr werden." Neben dem kunsthistorischen Wert, wonach der reformatorische Gedanke der Freiheit erstmals bildnerisch umgesetzt wurde, liegt dem Geistlichen auch eine persönliche Deutung am Herzen. "Dort hat die Farbe gekocht", sagt Meinel und deutet auf matte Stellen, die bei der 1996 abgeschlossenen Restaurierung bewusst so belassen wurden. "Wir wollen diese Verwundung zeigen" - und gleichzeitig die Opferbereitschaft der Menschen, die das im Krieg fast zerstörte Gemälde gerettet haben.

 
erschienen am 17.03.2010 ( Von Susann Oertel )
 
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