Die Hitze aus der Tiefe
Region bewirbt sich um erstes geothermisches Kraftwerk im Freistaat
Schneeberg/Aue. Schneeberg/Aue. Geht es nach den Wünschen von Gunar Friedrich, Geschäftsführer der Stadtwerke Schneeberg GmbH, soll bis 2015 im Industriegebiet am Gerichtsberg das erste geothermische Kraftwerk im Freistaat entstehen. Für das ehrgeizige Projekt des sächsischen Umweltministeriums sind zurzeit die Gebiete um Freiberg, Annaberg-Buchholz, Königsstein und der Raum Aue-Schneeberg im Rennen.
"Bis zum Spätsommer sollen Vorschläge erarbeitet werden, wo das Projekt umgesetzt wird", sagte am Mittwoch Manfred Felix vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Die Chancen für das Erzgebirge stehen nicht schlecht. Zum einen findet sich in der Tiefe unter anderem junges Granitgestein. "In diesem befinden sich relativ viele radioaktive Isotope der Elemente Kalium, Uran und Thorium", erläutert Felix. Diese zerfallen und setzten dabei Wärme frei. Außerdem sind durch die jahrhundertealte Bergbautradition die geologischen Bedingungen bis in eine Tiefe von zwei Kilometern vergleichsweise gut erforscht. Drittens verlaufen unter der Region Stressfelder wie die Tiefenstörungszone Finne-Gera-Jáchymov. In diesen wird auf das Gestein seitlich Druck ausgeübt. Dies ist mit entscheidend, damit ein geothermisches Kraftwerk überhaupt funktionieren kann.
Das Grundprinzip ist eigentlich recht simpel: Zunächst werden zwei Löcher gebohrt. Durch das eine wird kaltes Wasser nach unten gepresst. Dort wird es durch das heiße Gestein erwärmt und fließt mit bis zu 130 Grad Celsius durch das andere Loch wieder nach oben. Allerdings frisst sich der Bohrer rund fünf Kilometer in den Untergrund. Dies ist technisch sehr anspruchsvoll. Außerdem muss man das Wasser dazu bewegen, brav von einem Loch zum anderen zu fließen. Dies soll der Druck in der Finne-Gera-Jáchymov-Zone steuern.
Das klappt allerdings nur dann, wenn das Gestein in diesem Bereich vorher bearbeitet wurde. Massiver Granit ist absolut dicht. "Deshalb pressen wir mit hohem Druck Wasser nach unten, damit das Gestein aufreißt und hydraulisch durchlässig wird", erläutert Manfred Felix. 50MillionenEuro soll das Projekt kosten. Ein Teil wird über Fördermittel finanziert.
Die Stadtwerke der Region sind ebenfalls mit ins Boot geholt. Denn die erzeugte Energie muss in das öffentliche Netz eingespeist werden. Rund drei Megawatt Strom und sieben Megawatt Fernwärme sind angepeilt. Gunar Friedrich, Chef der Schneeberger Stadtwerke, setzt große Hoffnungen in die Geothermie. "Wenn dieses Verfahren serienreif ist, könnte dies der sächsischen Industrie Auftrieb geben", schätzt er ein. "Außerdem würde eine solche Pilotanlage das Image der Region verbessern."
Wenn das Kraftwerk tatsächlich in der Region Aue-Schwarzenberg gebaut wird, will es Günter Spielvogel, Geschäftsführer der Stadtwerke Aue GmbH, seinem Schneeberger Kollegen nicht ohne weiteres überlassen. Er möchte es in die Große Kreisstadt holen. Wohin genau, verrät er aber nicht. Damit in dieser Gegend die Immobilienpreise nicht plötzlich in die Höhe schnellen.


