"Einmalige Chance für Schönheide"
Bei Bürgerversammlung zeichnet sich Mehrheit für Vorhaben ab - Kritische Stimmen diesmal dünn gesät
Schönheide. Zwar gibt es in Schönheide scharfe Kritik am ambitionierten Schmalspurbahn-Projekt - doch anscheinend sieht eine Mehrheit vor allem die Chancen für den Tourismus. So stellte es sich zumindest auf der Bürgerversammlung dar, die am Mittwochabend in der Aula der Schönheider Mittelschule stattfand. Rund 80 Besucher waren der Einladung von Bürgermeister Kai Wilhelm (SPD) gefolgt, sich über das Projekt zu informieren und zu debattieren. Im Vorfeld hatte es heftige Einwände aus Schönheide gegeben, doch in der Aula musste ein Anwohner nachdrücklich gebeten werden, seine Bedenken vorzutragen. Er fürchte durch die Bahnstrecke vor seinem Haus massiv um die Wohnqualität, erklärte er: "Eine Dampflok gehört nicht in den Ort, wir wollen nicht das ganzes Wochenende Qualm haben."
Die Mehrheit der Redner, zu denen allerdings auch etliche Auswärtige zählten, betonte dagegen das touristische Potenzial durch den Ausbau des Bahn-Netzes. Zum Vergleich wurde mehrfach die Brockenbahn angeführt, die trotz heftiger Fahrpreise massenhaft Besucher anzieht - ein Drittel kommt angeblich nur wegen der Bahn selbst. Von einer "einmaligen Chance" war die Rede - angesichts der demografischen Entwicklung werde es ohne Touristen schwierig, die Infrastruktur zu erhalten. Betont wurde, dass eine Wiederbelebung des Schmalspurbahn-Netzes allein nicht ausreiche: Ein Ausbau von Fuß- und Radwegen in der Region sei ebenso unerlässlich. "Doch irgendwann müssen wir die Ärmel hochkrempeln - es kann nicht so weitergehen, dass 60 bis 80 Prozent aller Auszubildenden in den Westen gehen", forderte ein Redner. "Wir müssen aufwachen! Die Jugend braucht hier Arbeit. " Ein anderer hieb in die gleiche Kerbe: "Ja oder Nein zur Bahn - das heißt Ja oder Nein zum Tourismus." Gemeinderat Eberhard Mädler bekräftigte, die Bahn könne dem Ort etwas bringen. Man müsse jedoch die Ängste der Anwohner ernst nehmen.
Erläuterungen zu den Plänen für die Wiederbelebung der Schmalspurstrecken im Grenzgebiet zwischen Erzgebirge und Vogtland gab Thomas Moldenhauer, der sowohl in der Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft (VSW) als auch im Verein zur Förderung Sächsischer Schmalspurbahnen (VSSB) aktiv ist. Nach seinen Angaben sind 22,5 Millionen Euro für das Projekt veranschlagt, von denen bis zu 90 Prozent über Fördermittel finanziert werden könnten. Das Vorhaben setzt sich aus vier Etappen zusammen. Die geringsten Probleme dürfte Etappe 1 bereiten, mit der per Weiche die Verbindung zwischen dem Netz der Vogtlandbahn in Muldenberg und Schönheide-Ost geschaffen würde. Die meisten Schwierigkeiten gibt es mit der nur 800 Meter langen Etappe 2: Sie soll von Schönheide Mitte bis Schönheide Süd weitgehend auf der alten Trasse errichtet werden und tangiert am stärksten die Wohnbebauung. Etappe 3 soll die Verbindung von Schönheide Süd (Wilzschhaus) nach Carlsfeld schlagen, Etappe 4 umfasst den Neubau der Gleise von der Bürstenfabrik Stützengrün zum Brauereigasthof Wernesgrün.
Eingebunden in die Pläne sind Erzgebirgs- und Vogtlandkreis sowie außer Schönheide die Kommunen Stützengrün, Eibenstock, Muldenhammer, Grünbach und Steinberg. Bürgermeister Wilhelm will die deutlich gewordenen Standpunkte in die Diskussion im Rat und anderen Gremien einfließen lassen. Einen Bürgerentscheid über das Projekt schloss er nicht aus.


