Bergbau-Geothermie - so funktioniert's: Über die Bohrlöcher 1 und 2 wird das warme Grubenwasser zum Wärmetauscher im Keller der Schillerschule gepumpt. Dort wird die Wärme entzogen und über eine Wärmepumpe der Zulauf zu den Heizkörpern auf 60 Grad Celsius angehoben. Danach läuft das kältere Wasser über die Bohrlöcher 6 und 7 wieder in die Grube. Damit sich zu- und ablaufendes Wasser nicht vermischen, wird der Grubenbau über die Löcher 3 bis 5 durch einen Packer mit Beton abgesperrt.

Grubenwasser soll Kindern einheizen

An der Schillerschule in Bad Schlema läuft ein Dauerpumpversuch

Bad Schlema. Bad Schlema. Friedrich Schiller blickt auf dicke Metallrohre. Vor den Augen der Dichter-Büste in Bad Schlema spielt sich derzeit ein naturwissenschaftliches Experiment ab: In einem Dauerpumpversuch wird seit Anfang der Woche warmes Grubenwasser nach oben gesaugt, auf Temperatur und Zusammensetzung kontrolliert und wieder in die Grube geleitet.

Schon ab kommendem Jahr könnte die Schillerschule mit warmem Wasser aus ehemaligen Wismutstollen beheizt werden, ist Bürgermeister Jens Müller zuversichtlich. Schließlich schlummert unter der Erde ein Riesenpotenzial: 36 Millionen geflutete Kubikmeter, um genau zu sein. Bei einem Arbeitstreffen im Kulturhaus "Aktivist" haben sich am Donnerstag Wissenschaftler aus ganz Europa vom Fortschritt des Pilotprojekts überzeugt. Im EU-Programm "ReSource" suchen ehemalige Reviere gemeinsam nach Lösungen, Bergbau-Folgen in Chancen umzuwandeln.

"Das wird alles noch unterirdisch verlegt", wiegelt Rudolf Daenecke von der Arbeitsgruppe Geothermie und Grubenwassernutzung Bad Schlema ab, wenn die Experten den Versuchsaufbau zu genau in Augenschein nehmen. Mit Freude hingegen beantwortet er die Fragenflut: Nur 90 Meter tief musste gebohrt werden. Per Video wurden die Löcher kontrolliert. Die neue Heizung komme mit 240 Kilowatt aus, während die beiden jetzigen Heizkessel mit jeweils 400 Kilowatt laufen.

Einziger Wermutstropfen: Wenngleich das Wasser der Grube Schlema-Alberoda im Schnitt wohlige 25 Grad Celsius beträgt, ergaben ausgerechnet die Messungen unter der Schillerschule nur etwa elf Grad. "Das war natürlich ernüchternd", räumt Müller ein. Eine eindeutige Erklärung sei noch nicht gefunden worden. "Wahrscheinlich liegt es am Oberflächenzulauf." Ein Grad sei die Temperatur nach den ersten zwei Tagen Pumpen schon gestiegen, sagt Daenecke. Langfristig seien vielleicht noch mehr drin. Aber selbst wenn nicht - "damit kommen wir trotzdem aus", ist der Bürgermeister zuversichtlich. Allerdings erhöhe jedes Grad weniger die Betriebskosten. Damit sich das Vorhaben trotzdem lohnt, wird bereits darüber nachgedacht, die Energieversorgung auf andere Gebäude, etwa die Kirche, auszuweiten. Auch die Dachdeckerschule im Ort habe bereits Interesse signalisiert.

Für die Gemeinde rechnet sich die Investition in jedem Fall, ist Müller überzeugt. 2,6 Millionen Euro sind für das Vorhaben insgesamt eingeplant, von denen 90 Prozent durch Bund und Freistaat gefördert werden. Im Zuge der Sanierung wird die Schiller-Grundschule wie auch die private Mittelschule Westerzgebirge im selben Komplex auch komplett gedämmt, damit die Wärme nicht wieder entweichen kann.

Anfängliche Bedenken, das Wasser könnte zu kontaminiert für die Leitungen sein, hätten sich zerstreut. Das bestätigt auch Andreas Kunze vom Sächsischen Umweltministerium. Das Grubenwasser weise nur einen mittleren Gehalt an Radon auf, der um ein Vielfaches unter dem des Bad Schlemaer Quellwassers liege, welches als Heilwasser genutzt wird. "Außerdem kommt mit dem Grubenwasser ja niemand in Berührung", betont Müller. Am Montag soll der Dauerpumpversuch abgeschaltet werden. "Damit sind die bergmännischen Arbeiten abgeschlossen", erklärt das Gemeindeoberhaupt, sodass die Feinplanung starten könne. 2013 soll die energetische Sanierung komplett abgeschlossen sein. Seite 2: Bericht

 
erschienen am 05.02.2010 ( Von Susann Oertel )
 
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