Im "Königreich" wird es jetzt bitterkalt
Heizung abgeschalten im Schneeberger Wohngebiet Hohes Gebirge - Eigentümer hat angeblich kein Geld für Heizöl
Schneeberg. Die Lage für Sandra Schnizler wird immer verzweifelter. Seit Freitag läuft in ihren Räumen im Schneeberger Wohngebiet Hohes Gebirge die Heizung nicht mehr. Warmes Wasser hat sie ebenfalls nicht. Genauso wenig wie ihre Nachbarn. Denn die Tanks für die zentrale Heizungsanlage sind leer.
Mittlerweile ist die Temperatur in den Wohnungen auf unter zehn Grad gesunken. "Wir laufen hier den ganzen Tag in unseren Strickjacken herum", so Sandra Schnizler. "Tagsüber sind die Kinder zum Glück in der Kita. Aber was soll ich machen, wenn ich sie abends baden muss?"
Das Problem ist: Vermieter Frank König hat nach eigenen Angaben kein Geld, um neues Öl für sein Wohngebiet zu kaufen. Ende der vergangenen Woche hatte er ein Rundschreiben an die Mieter verteilt, in dem er die Arge, den Mieterbund und seine Bank für die Misere verantwortlich macht. Seitdem ist er auf Tauchstation gegangen. Ans Telefon geht er nicht mehr. "Wir versuchen ebenfalls seit einigen Tagen, Herrn König zu erreichen", sagte Jens Weigelt von der Sparkasse Muldental am Montag. Ohne Erfolg. Eigentlich war für die vergangene Woche ein Gespräch zwischen Kreditinstitut und Frank König vereinbart. Doch der Unternehmer ist in den Räumen der Sparkasse angeblich nicht aufgetaucht.
"Die Sparkasse ist sich ihrer Verantwortung für die Menschen im Wohngebiet durchaus bewusst", versichert Jens Weigelt. Königs Vorwurf, die Hausbank würde kein Interesse zeigen, Mittel für den Heizungsbetrieb frei zu geben, weist Weigelt zurück. "Aus unserer Sicht sind die Voraussetzungen für die Auslösung einer Heizölbestellung durchaus gegeben." Doch dies könne nur der Eigentümer tun - und das ist Frank König.
"Ich kann da nicht einfach einen Tankwagen hinschicken", sagte am Montag Schneebergs Bürgermeister Frieder Stimpel (CDU). "Da würde ich mich an fremdem Eigentum vergreifen." Seit einigen Tagen läuten auch im Rathaus der Bergstadt die Telefone Sturm. Doch viel tun könne er nicht. "Zwei Familien ziehen jetzt aus dem Hohen Gebirge in Räume unserer Wohnungsbaugesellschaft", so der Rathaus-Chef. Möglicherweise sei dies auch für weitere Mieter eine Option.
Seit König 2001 das Wohngebiet gekauft hat, tobt zwischen ihm und vielen seiner Mieter ein wahrer Kleinkrieg. Überhöhte Betriebskostenabrechnungen, abgeschaltete Straßenlaternen, Schikanen beim Auszug, wirre Nebenkostenabrechnungen - die Liste der Vorwürfe wurde im Laufe der Jahre immer länger. Sandra Schnizler wäre freilich froh, wenn sie nur solche Probleme hätte. "Mir hat man geraten, mich wegen der kalten Wohnung ans Jugendamt zu wenden", sagte die vierfache Mutter. "Aber ich habe eher Angst, dass sie mir die Kinder in der jetzigen Situation wegnehmen."


