Kleiner Diebstahl stößt auf großes Interesse
Vor dem Auer Amtsgericht musste sich ein 22-jähriger Schneeberger verantworten
Aue/Schneeberg. Er kam, sah und musste unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren. Frank König, Eigentümer des Schneeberger Wohngebiets Hohes Gebirge, war am Dienstag vor dem Auer Amtsgericht als Zeuge gegen Sascha T. geladen. Dieser soll aus der weitgehend leer stehenden Plattenbausiedlung drei alte Felgen gestohlen haben. Außerdem ist er wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis angeklagt.
Doch die Aussage von König wurde gar nicht benötigt. Dabei hätte ihn Sascha T. sogar höchstpersönlich befragen können. Der junge Mann im schwarzen Pullover mit deutschem Kreuz und Totenkopf hatte auf einen Anwalt verzichtet und verteidigte sich selbst. Doch als Richter Lutz Herrmann ihm das Angebot unterbreitete, zuckte der 22-Jährige nur mit den Schultern.
Ein Urteil konnte Lutz Herrmann am Dienstag nicht verkünden, denn eine wichtige Zeugin kam nicht. Deshalb wird das Verfahren am 6.März fortgesetzt. Dann geht es aber nur noch um Fahren ohne Fahrerlaubnis. "Die Staatsanwaltschaft hat mitgeteilt, dass aus ihrer Sicht kein öffentliches Interesse an den drei Felgen besteht", so der Richter. Immerhin sei nicht einmal bekannt, wer der Eigentümer ist.
Eigentlich hatte König dem Angeklagten am Deinstag noch eine saftige Rechnung präsentieren wollen. Schadensersatz in Höhe von 25.000Euro sollte dieser wegen des Diebstahls zahlen. Doch König war einem Irrtum aufgesessen. Er ging davon aus, dass wegen gestohlener Elektrokabel, Heizkörper und weiterer Gegenstände im Wert von mehreren Hunderttausend Euro verhandelt wird. Fünf Schneeberger sind deshalb ins Visier von Polizei und Staatsanwaltschaft geraten. Doch diese Ermittlungen laufen noch. Als König den Fehler erkannte, zog er den Antrag auf Schadensersatz zurück. Kleiner Trost: König war nicht der Einzige, der sich mehr von dem Termin versprochen hatte. Das Fernsehteam des MDR kam sicherlich auch nicht wegen der drei Felgen.
Möglicherweise wird Sascha T. übrigens zumindest ein Teil der königlichen Rechnung präsentiert. Der 22-Jährige ist einer der fünf Schneeberger, gegen die wegen des großen Raubzugs ermittelt wird. Im Jahr 2011 wurde er außerdem wegen Diebstahls zu einer Bewährungsstrafe von zwei Monaten verurteilt. Und am 14.März steht er erneut vor Gericht. Wie der Richter mitteilte, wirft ihm die Staatsanwaltschaft Bundmetalldiebstahl an einer Brücke in Bad Schlema vor.


