Henry Walther inspiziert das neu installierte Blockheizkraftwerk der Lößnitzer Fernwärme. Am Mittwoch soll die Anlage in Betrieb gehen.
Foto: Lars Rosenkranz
Lößnitz setzt eigene Energien frei
Kommune will Blockheizkraftwerk am Mittwoch in Betrieb nehmen
Lössnitz. Ein Blockheizkraftwerk hat Lößnitz schon länger. Am Mittwoch wird die Stadt ein zweites in Betrieb nehmen. Die Kommune will damit auch ein Stück Unabhängigkeit von den Preisschwankungen auf dem Energiemarkt gewinnen. Die neue Anlage des kommunalen Eigenbetriebs "Fernwärmeversorgung der Stadt Lößnitz" soll Wärmeenergie von umgerechnet 510 Kilowatt sowie eine elektrischen Leistung von 360 Kilowatt erzeugen. Pro Jahr - so lautet der Plan - wird das Kraftwerk durchschnittlich 8000 Stunden in Betrieb sein.
Die mit Biomethan erzeugte Wärme wird ins Fernwärmenetz eingespeist und unter anderem zum Trocknen von Holzhackgut sowie Getreide verwendet. Für das Vorhaben sind Gesamtinvestitionskosten von rund 270.000 Euro geplant. Allein für den Bau des Blockheizkraftwerks sind 150.000 Euro vorgesehen. Weiterhin kostet der Kauf von zehn Abrollcontainern, die speziell für die Trocknung geeignet sind, rund 70.000Euro. Bereits im Wald wird das Holzhackschnitzelgut in die Container gefüllt und danach ins Lößnitzer Gewerbegebiet transportiert, um diese an eine warmlufterzeugende Trocknungsanlage anzuschließen.
Ziel ist es, auch in den Sommermonaten einen kontinuierlichen Wärmeabsatz zu sichern - und möglichst viel Strom ins Netz einzuspeisen. Dabei reichen Trocknungskapazität und Transportvolumen aus, um noch andere Interessenten ins Boot holen zu können. "Unser im Jahr 2003 in Betrieb genommenes Kraftwerk wurde bereits am 1. Januar auf Biomethan umgestellt, weil Ende vergangenen Jahres die Förderung über das Kraft-Wärme-Kopplungsstrom-Gesetz ausgelaufen ist", erklärt Henry Walter. Der Leiter der Fernwärmeversorgung rechnet bis 2014 trotz zunehmenden Leerstands von Wohnungen in der Lößnitzer Neustadt mit einer positiven Entwicklung für den Eigenbetrieb. Geplant sind im Wirtschaftsjahr 2011 rund 1,4 Millionen Euro €Erlöse aus der Fernwärme und rund 710.000 Euro aus dem Stromverkauf.
Doch die Stadt liebäugelt sogar mit sehr viel größeren Plänen. Ende dieses Jahres läuft der Konzessionsvertrag mit der Envia Mitteldeutsche Energie AG aus. Dieser räumt dem Energiekonzern aus Chemnitz die Erlaubnis ein, Strom und Gasleitungen auf dem Grund der Kommune zu verlegen. Lößnitz hat diese Leistungen neu ausgeschrieben. Vier Bewerber stehen nun in den Startlöchern. Aber möglicherweise gibt die Kommune allen einen Korb, kauft Envia die Leitungen ab und gründet ein eigenes Stadtwerk.
Doch die Entscheidung darüber wird seit Monaten vertagt. Der Stadtrat hatte bereits im Juni des vergangenen Jahres den Eigenbetrieb Fernwärmeversorgung beauftragt, die Wirtschaftlichkeitsprüfung des Vorhabens in die Wege zu leiten. Spätestens Anfang 2011 sollte Klarheit herrschen. Doch nach wie vor liegt noch kein eindeutiges Ergebnis vor - und es wird fleißig weitergeprüft.
Ergebnisse sollen dem Stadtrat am Mittwoch im nicht öffentlichen Teil seiner Sitzung vorgestellt werden. "Ich will nicht vorgreifen, doch das Beratungsunternehmen empfiehlt weitere Prüfungen, um offene Fragen zu klären und Rechtssicherheit zu erlangen", sagte Bürgermeister Gotthard Troll (parteilos) am Montag.


