Radon verunsichert BadSchlemaer
In einer Wohnung hohe Dosen des radioaktiven Edelgases gemessen
Bad Schlema. Bad Schlema. Ist die BadSchlemaer Grubenstraße hochgradig mit dem radioaktiven Edelgas Radon verseucht? Oder betrifft das Problem nur eine einzige Wohnung? Diese Frage treibt zurzeit die Anwohner um. Der Hintergrund: Das Auer Amtsgericht hat die Gebäude- und Wohnungsverwaltung GmbH Schlema (GUW) dazu verurteilt, einer Frau drei Monatsmieten zurückzuzahlen, weil in deren Wohnung im Durchschnitt 1340 Becquerel gemessen wurden. Der Spitzenwert lag sogar bei 5100Becquerel. Einen gesetzlichen Grenzwert für Radongas gibt es zwar nicht, die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO und der Internationalen Strahlenschutzkommission liegen jedoch bei 100 beziehungsweise 600 Becquerel.
"Die gemessenen Werte liegen jenseits von Gut und Böse", sagt Frank Tippmann, der Anwalt der ehemaligen Mieterin. Er geht davon aus, dass noch andere Wohnungen in der Umgebung betroffen sind. Und hat deshalb schon mit einigen Anwohnern gesprochen. "Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass da noch einige Prozesse folgen werden", schätzt der Jurist ein. Einen hat er bereits angeschoben. Denn Tippmanns Meinung nach hat die GUW schon seit zehn Jahren von der Verseuchung gewusst. Dies sage zumindest ein Gutachter aus, den der Anwalt als Zeugen gewinnen konnte. Deshalb will er für seine Mandantin Miet-Rückforderungen stellen.
"Von einer großflächigen Verseuchung kann gar keine Rede sein", kontert BadSchlemas Bürgermeister Jens Müller (Freie Wähler). Er ist Aufsichtsratsvorsitzender der kommunalen Wohnungsgesellschaft. "Die Mieter der Nachbarwohnung sind ebenfalls vor Gericht gezogen. Doch diesen Prozess haben wir gewonnen." Denn ein Sachverständiger habe dort Werte festgestellt, die unter den Empfehlungen liegen. "Alle vorgenommenen Messungen der Radonkonzentration in der betreffenden Wohnung sind deutlich abhängig von dem Lüftungsverhalten der Mieter", ergänzt Müller. Die betroffene Wohnung werde aber selbstverständlich umfassend saniert. "Man darf bei diesem ganzen Thema auch nicht vergessen, dass die Radonkonzentration im Erzgebirge aus rein geologischen Gründen relativ hoch ist", ergänzt Müller.
Der Rathaus-Chef will nun die Bewohner der Grubenstraße zu einer Einwohnerversammlung einladen. Auch Experten aus Dresden sollen dann anwesend sein. Der exakte Termin steht zurzeit aber noch nicht fest.


