Zweite Kältewelle zieht durchs "Königreich"
Heizöl im Wohngebiet Hohes Gebirge ist erneut alle - Mieter sitzen seit Sonntag wieder im Kalten
Schneeberg.
Schneeberg. Die Mieter des Wohngebiets Hohes Gebirge in Schneeberg sitzen seit Sonntag wieder im Kalten. Die Heizung ist erneut ausgefallen, auch Warmwasser gibt es keines.
Offenbar sind die Öltanks der Anlage wieder leer. Wann frischer Brennstoff geliefert wird, blieb gestern offen. Vermieter Frank König hatte sein Mobiltelefon ausgeschaltet. Auf einer anderen Rufnummer legte er kurzerhand auf, als die "Freie Presse" ihn befragen wollte.
Bereits Ende Februar hatten die rund 70 Mietparteien im Hohen Gebirge tagelang ohne Heizung und Warmwasser auskommen müssen, weil dem Vermieter das Öl ausgegangen war. "So kann das nicht weitergehen", schimpfte am Montag Ina Krause, eine der Mieterinnen.
"Ich komme vor lauter Kälte aus dem Kranksein nicht mehr heraus." In ihrer Wohnung herrschten elf Grad Celsius. Um die Temperatur zu halten, schaltet sie den Backofen ein und lässt die Klappe offenstehen.
Ein paar Eingänge weiter haben Inge und Wolfgang Weller einen großen Ölradiator in ihrer Wohnstube aufgestellt. "Damit erreichen wir um die 20 Grad", sagte die Mieterin. "Aber in den anderen Zimmern ist es kalt." Auch der Abwasch oder die tägliche Körperhygiene wird für die Mieter zu einem Problem. Warmes Wasser müssen sie sich umständlich und teuer auf ihren Elektroherden bereiten.
Das Wohngebiet Hohes Gebirge besteht aus fünf DDR-Plattenbauten, von denen zwei mittlerweile komplett unbewohnt sind. Aus den anderen drei Häusern, die allesamt unsaniert sind, ziehen immer mehr Leute weg. Seit Tagen wurde nach Aussage von Mietern kein Müll abgeholt, die Wege sind nicht vom Schnee beräumt worden, weil die Gebäudeservicefirma anscheinend kein Geld bekommen hat. Gerüchte, Vermieter Frank König sei längst pleite, machen die Runde.
Dafür spricht, dass die Sparkasse Muldental offenbar die Verfügungsgewalt über Königs Konto hat. Nach dem ersten Heizöl-Engpass Ende Februar bewilligte die Sparkasse den Ankauf von 6000 Litern Öl. "Für die Heizung ist der Vermieter zuständig", sagte am Montag Sparkasse-Sprecher Jens Weigelt. "Von unserer Seite sehen wir derzeit keine Hinderungsgründe, dass die Heizung wieder in Betrieb genommen werden kann."
Wieso die Sparkasse dem Vermieter überhaupt Grünes Licht für den Heizölkauf geben muss, wollte er mit Hinweis auf das Bankgeheimnis nicht verraten. Frank König selbst hatte unlängst die Bank beschuldigt, sich quer zu stellen.
Klempnermeister Stefan Kaulfuß aus Schneeberg, der für die Wartung der Heizung zuständig ist, sagte am Montag, er wisse, dass Frank König Öl heranschaffen wolle. Allerdings arbeitet er derzeit nur auf Zuruf für den Vermieter - sein Wartungsvertrag wurde gelöst. Für seine jüngsten Arbeiten ist Kaulfuß ebenfalls noch nicht bezahlt worden. Er wartet auf Geld - von der Sparkasse.


