Horst Melzer (links) leitet seit 18 Jahren die Feuerwehr im Marienberger Ortsteil Satzung. Sein Enkel, Stellvertreter und potenzieller Nachfolger Michael Rothe ist in seine Fußstapfen getreten.
Foto: Jan Görner
Mit 74 Jahren noch immer "fit wie ein Feuerwehrstiefel"
Horst Melzer ist einer der ältesten Feuerwehrleiter im Sachsenland
Satzung. Die Feuerwehr in Satzung und Horst Melzer sind buchstäblich miteinander verwachsen. 1957 Mitglied und 1993 Leiter geworden, fühlt sich der heute 74-Jährige immer noch "fit wie ein Feuerwehrstiefel". Dazu hat er die Feuerwehr im Marienberger Ortsteil im wahrsten Sinne des Wortes unter sich und auch sofort griffbereit, denn der Satzunger ist im Gerätehaus zuhause - in einer Wohnung über der Halle mit den Fahrzeugen und der Ausrüstung.
Das Verhältnis von Horst Melzer zum Feuer ist zweigeteilt. Einerseits möchte er es als Wärmequelle im Winter nicht missen. Obwohl das Gerätehaus eine zentrale Wärmeversorgung besitzt, füttert er während der kalten Jahreszeit - in Satzung kann diese gut sieben Monate dauern - eigenhändig zwei Öfen mit Holz. Andererseits verkennt Horst Melzer jene Gefahr nicht, die vom Feuer ausgeht. Deshalb sagt er: "Das Feuer ist nützlich, es kann aber auch sehr großen Schaden anrichten."
In den Jahren bei der Feuerwehr ist Horst Melzer dieser Gefährlichkeit immer wieder begegnet, zum Beispiel bei Großbränden in Satzung 1959 und 1961. Damals fackelten von einem Bauerngut erst das Wohnhaus und dann die Scheune ab. 1980 schlug ein Blitz in den damaligen Betriebsteil der Klingenthaler Harmonikawerke ein, in dem der Feuerwehrmann arbeitete. Die Folge des Blitzschlags waren ein großer Schaden und ein schmerzliches Erlebnis mehr. "Dort das Feuer zu bekämpfen, das hat besonders wehgetan", blickt er zurück. Ähnliche Erinnerungen sind mit einem Verkehrsunfall zwischen Satzung und Steinbach verbunden: "Eine Frau war mit dem Auto gegen den Baum gefahren. Sie wurde mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen." Beim Autofahrer Horst Melzer haben dieses und ähnliche Erlebnisse jedoch nur bedingt Spuren hinterlassen. "Meinen Fahrstil habe ich deshalb nicht geändert", gibt er unumwunden zu. "Damit bin ich all die Jahre ganz gut gefahren und ohne Unfall."
Inzwischen ist Feuer bei der Satzunger Feuerwehr etwas in den Hintergrund gerückt, andere Hilfeleistungen sind dafür umso mehr gefragt. "Wir werden zu Verkehrsunfällen gerufen und beseitigen Ölspuren", nennt Horst Melzer Beispiele. Auch andere Hilfeleistungen kommen infrage: "Ist eine Katze auf den Baum geklettert und kommt nicht wieder runter, dann muss die Feuerwehr ran. Wir sind im Ort für vieles zuständig."
Mit seinem Eintritt in die Feuerwehr begründete Horst Melzer eine Familientradition, die sich prächtig entwickelt. Vier Enkel und eine Urenkelin setzten das fort, was er demnächst in jüngere Hände legen möchte. "Zur Jahreshauptversammlung im nächsten Jahr trete ich als Leiter zurück, das habe ich mir vorgenommen", schaut der Satzunger schon mal ein Stück voraus. Von der geliebten Feuerwehr ganz lassen, das kann und will er auch nicht. In der Alters- und Ehrenabteilung will er sich dann um die Feldküche und den Schlauchwagen kümmern - ein Fahrzeug mit 2500 Meter Schlauch auf der Ladefläche, das vor allem die allgemeinen Probleme in der Erzgebirgsregion mit der Löschwasserversorgung lösen helfen soll. Und noch etwas wird bleiben: Heult die Sirene, schnellt bei Horst Melzer der Adrenalinspiegel in die Höhe.
Die Frage, ob in der Satzunger Feuerwehr der heilige Laurentius oder der heilige Florian als Schutzpatron anerkannt wird, erübrigt sich beim Blick auf die Vorderseite des Gerätehauses. Dort gibt es ein Wandrelief mit dem heiligen Florian. Horst Melzer gibt unumwunden zu: "Den Laurentius kenne ich gar nicht." Sein Enkel und Stellvertreter Michael Rothe lässt keine Zweifel aufkommen: "Wir vertrauen dem heiligen Florian. Er beschützt die Feuerwehrleute, damit sie nach einem Einsatz so gesund wieder einrücken wie sie ausgerückt sind."


