Pfaffrodas Bürgermeister Reiner Lippmann, Dörnthals Ortsvorsteher Dietmar Ihle und Bürgermeisterstellvertreter Bernd Kind (von rechts) schauten sich am Donnerstag die im Bau befindliche Gasabsperr- und Ausblasstation an, die mitten im Windpark am Saidenberg entsteht.
Foto: Kristian Hahn
Neuer Streit um den Bau der Erdgastrasse
Geschäftsführer schaltet Polizei ein und erstattet Anzeige - Vorwurf: Wingas hält sich nicht an den Planfeststellungsbeschluss
Pfaffroda. Pfaffroda. Kriminalbeamte der Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge haben am Donnerstag auf der Baustelle für die Erdgastrasse Opal im Windpark Dörnthal am Saidenberg ermittelt. Anlass dafür war eine Strafanzeige von Dirk Unger, Geschäftsführer der Windkraft Unger GmbH. "Auf der Baustelle im Betriebsgelände des Windparks erfolgen Arbeiten, die nicht mit den Betreibern des Windparks abgestimmt sind", sagt er. "Der Planfeststellungsbeschluss der Landesdirektion sieht diese Absprachen mit den einzelnen Betreibern der Windenergieanlagen aber vor."
Dirk Unger bemängelt zum Beispiel das Queren der Wege und Mittelspannungsleitungen, ohne das entsprechende Informationen geschweige denn die erforderlichen Abstimmungen erfolgt sind. So entstanden bereits Schäden, indem der Weg zu einer Windkraftanlage komplett aufgegraben und unterbrochen wurde. Parallelen dazu lassen sich auf Wegen der Gemeinde Pfaffroda finden.
Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass es für die Wingas-Baustelle im Windpark keinen Konflikt- und Havarieplan gibt. "Auf die Einhaltung der Arbeitsschutzbestimmungen und die Einhaltung der Vorgaben des Planfeststellungsbeschlusses hat am Dienstag auch ein Arbeitsschutz-Vertreter bei einer Besichtigung nachdrücklich hingewiesen", so Dirk Unger. Hinzu kommt, dass sich die Firma Wingas beim Trassenbau offensichtlich nicht an die Festlegungen im Planfeststellungsbeschluss hält. "Der Plan sieht unterirdische Gasanlagen vor, gebaut wird jedoch auch eine überirdische Ausblasstation", ergänzt er. "Für eine derartige Station fehlt die Prüfung auf ihre Umweltverträglichkeit."
Die entstehende Absperr- und Ausblasstation - errichtet wird sie für den Havariefall - brachte am Donnerstag auch Vertretern der Gemeinde wie Bürgermeister, Bürgermeister-Stellvertreter und Ortsvorsteher auf der Baustelle neue Erkenntnisse. "Eine derartige Station mitten im Windpark halten wir nicht für tragbar", so Bürgermeister Reiner Lippmann (CDU). "Die Windkraftanlagen sind mit so genannten Schleifringläufern ausgestattet und wegen der Funkenbildung das Ausblasen von Gas undenkbar."
Als gefährlich wird auch die Nähe der Station zur Wohnbebauung eingeschätzt, die nur 200 bis 300 Meter entfernt ist. Michael Weichert, wirtschaftspolitischer Sprecher der Landtagsfraktion der Bündnisgrünen, meint, dass der Planfeststellungsbeschluss der Landesdirektion Chemnitz infrage gestellt werden muss: "Solange alternative Trassenführungen überhaupt nicht geprüft werden, haben die Bagger der Wingas nichts auf dem Gelände des Windparks zu suchen."
Von der Pressestelle der Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge wurde auf Anfrage der Einsatz von Beamten auf dem Gelände des Windparks am Saidenberg bestätigt. Laut Sprecherin Heidi Hennig habe es sich jedoch nicht um den Sachverhalt einer Straftat, sondern um eine zivilrechtliche Angelegenheit gehandelt. Die Polizei prüfe nun, ob Voraussetzungen für einen Hausfriedensbruch vorliegen.
Die Pressestelle der Opal Nel Transport GmbH wusste zwar laut Sprecher Nicolas Neu, dass sich "einige Personen die Bauarbeiten angeschaut" haben, konnte einen Kontakt mit der Polizei jedoch nicht bestätigen. "Die Baugenehmigungen liegen vor, und an diese halten wir uns", sagte er auf Anfrage. "Die Arbeiten gehen wie geplant voran." Demnach wurden bis vergangene Woche die Rohrgräben frei gelegt. Als nächstes stehen die Vorbereitungen zur Kreuzung der Gasleitung mit den Kabeltrassen der Windkraftanlagen an.
Das Verlegen der Erdgas-Fernleitung Opal quer durch den Windpark am Saidenberg ist von Beginn an umstritten. Wingas darf zwar mit dem Planfeststellungsbeschluss der Landesdirektion Chemnitz im Rücken auf dem Betriebsgelände der Windkraft Unger GmbH bauen, aber laut Sächsisches Oberverwaltungsgericht auf eigenes Risiko. Dort ist weiterhin eine Klage anhängig, mit der Grundstückseigentümer einen anderen Trassenverlauf erreichen wollen.


