Zettelumfrage erregt Unverständnis
Händler bitten Kunden um Meinung - Stadt Marienberg sieht vertrauensvolle Zusammenarbeit infrage gestellt
Marienberg. Marienberg. Mit einer Kundenumfrage sorgen derzeit Gewerbetreibende in Marienberg für Verstimmung bei der Stadtverwaltung. Die Aktion habe "zu Verwunderung und Unverständnis geführt", informiert Oberbürgermeister Thomas Wittig (Mandat CDU) auf Anfrage.
Bei diversen Händlern und Gastronomieeinrichtungen in der Marienberger Innenstadt liegen die A5-Zettel aus. "Für eine ständige Verbesserung der Marienberger Innenstadt ist uns Ihre Meinung wichtig!", ist darauf zu lesen. Mit den Noten 1 bis 6 können das "Angebot der Ladengeschäfte/Nahversorgung", die "Einrichtung der Ladengeschäfte/Schaufenster", "Gastronomie/kulturelle Angebote" sowie "Parkplätze für Kunden/Kurzzeitparkplätze" bewertet werden. Für eigene Vorschläge, Gedanken und Ideen ist Platz auf der Rückseite. Wer für die Aktion verantwortlich zeichnet, war auf den anfangs ausgelegten Zetteln nicht vermerkt. "Wir machen nun in den einzelnen Geschäften die Stempel drauf", sagte Wolfgang Blasius am Donnerstag. Der einstige Stadtrat und Inhaber eines Bürofachhandels ist einer der Initiatoren. "Mit dieser Kundenumfrage wollen wir vor allem herausfinden, was wir in unseren Geschäften verbessern können", sagt er. In anderen Städten sei so etwas üblich.
Allerdings kann der Kunde auch seine Meinung zum Parken auf dem Marktplatz ankreuzen - "Ja", "Nein" oder "Eingeschränkt nur bei Wochenmarkt und Veranstaltungen". Thomas Wittig fügt dazu an: Erst kürzlich hätten sich Markt- und Innenstadthändler sowie die Stadtverwaltung bei einem Gespräch darauf verständigt, ein neues Parkregime für die Innenstadt zu erstellen. Es sei vereinbart worden, im Frühjahr damit zu beginnen und dies im Herbst gemeinsam auszuwerten. "Deshalb ist es sehr bedauerlich, dass durch anonyme Aktivitäten Verunsicherungen entstehen und eine bisher vertrauensvolle Zusammenarbeit infrage gestellt wird", so Wittig. Viele Kunden hätten sich beschwert, dass ihnen nach der Umgestaltung des Marktes darauf keine Parkplätze mehr zur Verfügung stehen, begründet Wolfgang Blasius: "Wir wollen das mit der Stadt auswerten." Die Ergebnisse sollen den Stadträten auch als Entscheidungshilfe dienen. Bis zum 30. April können die ausgefüllten Vordrucke in den Geschäften wieder abgegeben werden.
"Für mich war die Aktion neu, als die Stadt uns darauf ansprach. Wir stehen nicht dahinter", betont Heidrun Enders vom Vorstand des Gewerbevereins Marienberg. Ebenso wie die Stadtverwaltung hat sie datenschutzrechtliche Bedenken zu einem Anschriftsfeld, das auf dem Zettel ausgefüllt werden kann. "Das ist freiwillig. Adressdaten werden - wie vermerkt - nicht für Werbezwecke genutzt und auch nicht an Dritte weitergeben", erwidert Wolfgang Blasius. Die Anschrift soll verhindern, dass ein Kunde mehrere Zettel ausfüllt.


