Oswald (3. v. l.) und Rosa Körner (in der Tür) vor ihrer Fleischerei. Der Laden firmierte damals als Aufschnitt-Geschäft. Innen zieren farbig gemusterte Fliesen aus der Gründerzeit noch heute Decke und Wände.Privat
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Alte Fleischerei wartet auf neuen Pächter
Geschäft in der Schwarzenberger Neustadt nach mehr als 100 Jahren geschlossen
Schwarzenberg. Schwarzenberg. Die Geschichte der Fleischerei in der Schwarzenberg Neustadt sollte nach 102 Jahren nicht zu Ende sein. Das hofft Ralf Wagner, Nachfahre der Firmengründer, die einst aus dem Vogtland nach Schwarzenberg kamen. Der letzte Pächter hat jetzt betriebsbedingt geschlossen, wie ein kleines Schild an der Ladentür besagt.
Ralf Wagner selbst hat es schon vor vielen Jahren nach Frankfurt (Oder) verschlagen, und Fleischer ist er auch nicht. Nach dem Tod seines Vaters im Vorjahr hat er sich aber intensiver als bis dahin geschehen mit der Familien- und mit der Hausgeschichte beschäftigt.
1908 kauften Fleischermeister Oswald Körner und seine Frau Rosa aus Brunndöbra das zum Teil nach ihren Vorstellungen vom Schwarzenberger Baumeister Adler errichtete Mietshaus mit Fleischerei, Schlachthaus und Nebengebäude an der Weidauerstraße 10 in Schwarzenberg. Selbst die Wirren des 1. und 2. Weltkriegs überstand das Geschäft ohne große Blessuren.
Besonders Tochter Walli überbrückte mit handwerklichem Fleischerei-Geschick auch die Zeit, als ihr Vater 1916 zum Militär eingezogen wurde und im Dritten Reich wegen "Volksverhetzung" mehr als anderthalb Jahre eingesperrt war: im KZ Sachsenburg bei Frankenberg und im Gefängnis Leipzig-Meusdorf. 1951 wurde das Geschäft an den Wismut-Handel und Nachfolgeorganisationen verpachtet. Im August 1990 übernahm der frühere HO-Verkaufsstellenleiter Joachim Naundorff mit seiner Frau Christa als nun selbstständiger Unternehmer die Fleischerei. 38 Jahre lang, bis 1999, hatte der Naundorff-Fleischer einen guten Ruf über die Neustadt hinaus. Auch das Fleischereifachgeschäft Steffen Päßler aus Rittersgrün, das dann den Laden übernahm, überzeugte bis zur Filialaufgabe mit ausgezeichneter Qualität.
Die Zeichen der Zeit scheinen für traditionelles Handwerk schlecht zu stehen. Große Ketten beherrschen mehr und mehr den Markt. Doch die jetzigen Verpächter, Nachkommen des Körner-Fleischers, hoffen für den traditionsreichen Laden trotzdem auf einen neuen Pächter, der die Anwohner und die Kunden aus der ganzen Region mit hochwertigen Produkten versorgt.
Blick in die Historie
An Fleischermeistern herrschte in früheren Jahren in Schwarzenberg kein Mangel. Als Beispiel die Zeit vor 80 Jahren. Das 1925 erarbeitete Adressbuch für den Bezirk der Amtshauptmannschaft Schwarzenberg weist allein für diese Stadt 13 Fleischereien aus - neben der von Oswald Körner die von Emil Arnold, Johannes Drechsler, Max Döhler, Hermann Friedrich, Ludwig Günther, Hermann Lein, Arno Lein, Paula Schmidt, Friedrich Voigtel, Julius Reichel, Bruno Hoy und Oswald Berger. Mit Sicherheit gab es weitere Fleischer, so jene, die angestellt waren und zum Teil auch bei ihrem Meister wohnten. Dazu kamen noch mehrere Gaststätten mit angeschlossener Fleischerei.


