Elfriede Hönicke besitzt noch diese Fotos von den Figuren, die ihr Mann für die Pyramide in Neuwelt geschnitzt hat.
Foto: Lars Rosenkranz
Alte Fotos ermöglichen Nachbau der Pyramidenfiguren
Trauriger Anlass bringt Schnitzer auf Idee
Schwarzenberg/Lauter. Die meisten Leute freuen sich, wenn sich in der Vorweihnachtszeit im Erzgebirge die Pyramiden drehen. Speziell die großen Ortspyramiden erweisen sich stets als Hingucker für Einheimische und Touristen.
Doch immer wieder kommt es vor, dass einige Unholde das Schöne nicht ersehen können und mutwillig zerstören, was andere in mühevoller Arbeit aufgebaut haben. Ob und wie die Täter irgendwann einmal bestraft werden, ist die juristische Seite der Strafverfolgung. Die Polizei ermittelt dazu wegen Sachbeschädigung. Die andere Seite ist aber die Frage der Wiederbeschaffung oder Wiederherstellung solcher Kulturschätze, zu denen die Schnitzarbeiten allemal zählen.
Von der Pyramide in Neuwelt sind in der vergangenen Woche vier Figuren abgeschlagen und gestohlen worden. Zum Glück hat die Witwe des Schnitzers Heinz Hönicke alte Fotos aufbewahrt, die jede Figur einzeln zeigen. Aufgenommen wurden die Bilder im Jahr 1985 von Fotograf Harald Wunderlich. "Die Bilder haben schon einmal geholfen, eine Figur nachzuarbeiten", erinnert sich Elfriede Hönicke. "Wie gut also, dass ich sie aufgehoben habe", freut sich die 83-Jährige, die solche blinde Zerstörungswut nicht nachvollziehen kann. Sie weiß noch, wie sehr sich ihr Mann über jede Figur, die er fertig hatte, gefreut hat. Damals war der gelernte Maler bereits Invalide und hatte binnen eines Jahres die komplette Bestückung von zwölf Figuren für die Pyramide gefertigt.
Für die Schwarzenberger Schnitzer unter Leitung von Helmut Uhlig ist es Ehrensache, dass sie helfen werden und versuchen wollen, die Figuren anhand der Bilder nachzuarbeiten. Im Zuge dessen regt Helmut Uhlig jedoch auch an, dass jede Gemeinde oder jeder Verein, der für so eine Großpyramide verantwortlich zeichnet, eine detaillierte Fotodokumentation erstellen sollte. "Da denkt immer niemand dran. Sicher, weil wir eben anders ticken, und niemand von uns auf die Idee käme, so etwas kaputt zu machen. Aber es gibt eben immer wieder Spinner und Vandalen, denen jeglicher Respekt vor der Arbeit anderer fehlt. Aber auch damit müssen wir wohl leben lernen", zieht der Schnitzerchef resignierend seine Schlüsse.
In Lauter ist die große Ortspyramide in diesem Jahr einem Brand zum Opfer gefallen. "Wir hätten zwar Bilder gehabt, um die Pyramide nach alter Vorlage wieder aufzubauen. Aber wir haben in der Stadt eine Umfrage unter den Bürgern angeschoben, in deren Ergebnis sich die meisten für die Neugestaltung einer Pyramide ausgesprochen haben", sagt Hauptamtsleiterin Brigitte Maciejewski. Doch die Anregung der Schwarzenberger Schnitzer sei gut und richtig. Das werde man bei der Neugestaltung der Pyramide von Anfang an beherzigen, heißt es. Und auch Bürgermeister Ralf Fischer findet diese Anregung toll und will sie gern an die Vereine weitergeben, die sich um die Großpyramiden in und um Breitenbrunn drehen.
"Einfach vor dem Schaden klug sein, lautet also auch hierbei die Devise", meint Helmut Uhlig.


