Talsperre Carlsfeld Für die Bagger gibt es derzeit bei der Talsperre Carlsfeld noch viel zu tun. Bis Jahresende soll ein Rückhaltebecken entstehen. Dazu gehört auch ein Bruchstein-Gerinne für die"Umleitung" der Wilzsch.

Foto: Eberhard Mädler

Bei dunklem Wasser: "Schotten dicht!"

Rückhaltebecken für Talsperre Carlsfeld nimmt Form an - Stahlspundwand für zukünftigen Schüttdamm steht bereits

Carlsfeld. Carlsfeld. Die Arbeiten innerhalb der Großbaustelle für die Talsperre Carlsfeld kommen gut voran. Am Hauptzufluss des höchstgelegenen deutschen Trinkwasserstausees, der Wilzsch, verbindet bereits eine stählerne Spundwand beide Ufer einer Landzunge inmitten der Westerzgebirgswälder. "Wie geplant soll das so entstehende seltene Rückhaltebecken an der Stauwurzel einer Talsperre bis Jahresende komplett fertig sein", zieht Thomas Meisel, zuständiger Betriebsteilleiter der Landestalsperrenverwaltung Sachsen, eine positive Zwischenbilanz.

Notwendig sei das Vorhaben durch die zunehmende gelb-braune Färbung des Wassers geworden. Jenes wenig appetitliche Farbgemisch entstehe durch die natürliche Zersetzung des Waldbodens. Meisel erklärt: "Mit dem Beginn starker Niederschläge sowie der Schneeschmelze werden aus dem dunklen Moor des Großen Kranichsees mit der Wilzsch geballt Huminstoffe ausgeschwemmt, die jedoch allesamt organischen Ursprungs sind."

Aus der Talsperre Carlsfeld, die ab 1926 die idyllische Gebirgstreusiedlung Weiterswiese überflutete, beziehen 33.000 Eibenstocker, Johanngeorgenstädter, Schönheider und Rodewischer ihr kostbares Nass. "Da gerade für den Endverbraucher der optische Eindruck auch zählt und Verordnungen in Deutschland klares Trinkwasser vorschreiben, mussten wir handeln", begründet der Fachmann.

In die drei Milliarden Liter Wasser fassende Talsperre gelangt die Wilzsch zukünftig vom Waldrand am Sachsenberger Weg durch ein eigens angelegtes Bruchsteingerinne. Thomas Meisel: "Dessen Zulauf wird automatisch versperrt, sobald dunkles Wasser im Anmarsch ist." Dies wiederum geschieht per Sensorenmessung, die in einem speziellen Wehr eingebaut wird. "Macht das die Schotten dicht, kann sich die künstlich abgetrennte Bucht mit bis zu 44 Millionen Litern Wasser füllen", illustriert Meisel. Denn auf bis zu 200 Metern Länge und 30 Metern Breite wird sich im Herbst ein Schüttdamm erheben, dessen Kern die derzeit entstehende Stahlwand bildet.

Auf deren halber Länge schluckt dann ein Einlaufbauwerk das gefärbte Wasser aus dem Rückhaltebecken und leitet es durch eine 1000-Meter-Leitung ab. Die Glasfaserrohre mit 30 Zentimetern Durchmesser wurden bereits von Spezialtauchern bis zu sieben Meter tief am Boden der Talsperre verlegt. Somit gelangt das gefärbte Wasser durch die 1929 fertig gestellte große Staumauer wieder in die abfließende Wilzsch und nicht ins unmittelbar benachbarte Wasserwerk. "Ein Herausfiltern der Färbung wäre auf Dauer technisch und finanziell weitaus aufwändiger", bekräftigt Meisel. Deshalb seien die 2,5 Millionen Euro, die der Freistaat für das im Mai begonnene Vorhaben investiert, gut angelegtes Geld. Und die eigens für den Laster-Verkehr zur Großbaustelle um 30 Zentimeter erhöhten und sandgeschlämmten Waldstraßen werden neben Waldarbeitern dauerhaft auch die Rad- und Skifahrer erfreuen.

 
erschienen am 28.07.2010 ( Von Eberhard Mädler )
 
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