Blinde und Sehbehinderte gehen wieder eigene Wege
Betroffene im Altlandkreis wollen sich neu aufstellen
Aue-Schwarzenberg. Ein Großteil der Blinden und Sehbehinderten aus der Region Aue-Schwarzenberg will nicht mehr unter dem großen Dach der Kreisorganisation Erzgebirge des sächsischen Verbands organisiert sein. Vielmehr streben die Betroffenen wieder eigene und regionale Wege an. "Wir setzen auf die Ortsnähe, wollen im Altkreis Ansprechpartner für alle Menschen mit Augenproblemen sein", sagt der 64-jährige Joachim Karg.
Verein hält Beiträge stabil
Der Lößnitzer ist Vorsitzender des Vereins Blinder und Sehbehinderter Aue-Schwarzenberg, den acht Mitglieder im Mai 2010 gegründet haben und der aktuell 36 Mitstreiter zählt. "Wir waren unzufrieden. Etwa bei der Zusammenarbeit mit dem Landesverband. Uns brachte die Fusion mit den Kreisorganisationen Zschopau, Marienberg und Annaberg nichts - außer längere Fahrstrecken und mehr Verwaltungsaufwand", sagt Schatzmeisterin Gabi Weck. Der Verein will weiter mit dem sächsischen Verband arbeiten. "Uns verbindet ein Ziel. Wir stellen auch verschiedene Veranstaltungen gemeinsam auf die Beine", so Weck.
Trotzdem gibt's Probleme. So seien die Mitgliedsbeiträge im Landesverband in die Höhe geschnellt und steigen 2012 erneut. "Das können sich immer weniger Blinde und Sehbehinderte leisten." Betroffene will der hiesige Verein auffangen und seine Beitragshöhe stabil halten.
Karg: "Wir gehören keinem Landes- und Bundesverband an, müssen also kein Geld abführen und verwenden es somit für die Arbeit in der Region", sagt er und betont: "Bei uns können auch Menschen ohne Sehbehinderung eintreten. Dadurch hoffen wir auf eine wachsende Akzeptanz." Seit Juli läuft ein Projekt mit dem Museum für bergmännische Volkskunst in Schneeberg, um dieses für blinde und sehbehinderte Besucher besser zugänglich zu machen. Zudem wurde ein Stammtisch ins Leben gerufen, der jeden dritten Mittwoch im Monat im Auer "Hutzen-Haisel" stattfindet. Dann werden aktuelle Themen - wie geänderte Gesetze und Verordnungen - besprochen sowie Hilfsmittel für den Alltag vorgestellt.
Regelmäßige Sprechstunden
"Wer uns kennenlernen will, ist herzlich eingeladen", sagt Karg. Persönliche Beratung bietet die Sprechstunde an jedem dritten Donnerstag im Bürgerhaus Aue. Im Verein bestehen fünf Regionalgruppen: Schneeberg/Bad Schlema, Lößnitz, Aue und Umgebung, Schönheide/Eibenstock sowie Schwarzenberg. Dort gibt es Hilfe bei Einkäufen und Arztterminen. Viel Wert legt man auf Geselligkeit. Etwa beim Kegeln, Wandern, Konzertbesuchen, Tages- und Wochenendfahrten. Beispiele: der Fußmarsch "Vom Winde verweht" am 24. Februar und eine Ausfahrt in den Leipziger Zoo am 16. Juni.
Enger will der Verein mit Schulen, Vereinen und Freizeitinstitutionen zusammenarbeiten. "Wir wollen vor allem junge Leute mit dem Leben eines blinden oder sehbehinderten Menschen vertraut machen", sagt Weck, die gerade eine neue Internetseite für den Verein aufbaut.
Service
Der nächste Stammtisch der Blinden und Sehbehinderten aus Aue-Schwarzenberg findet am Mittwoch von 13 bis 15 Uhr im Auer "Hutzen-Haisel" statt.


