Thomas Weinert (l.) und Uwe Gläser von der Bausanierungsfirma Eckstein aus Crottendorf an einer Hausecke der Schwarzenberger Tourist-Information. Das Gebäude erhält jetzt nachträglich ein Fundament.
Foto: Lars Rosenkranz
Böses Erwachen: Altes Haus ohne Fundament
Fassadensanierung an Schwarzenberger Tourist-Info weitet sich aus - Stadträte bewilligen mehrheitlich Zusatzausgaben von etwa 30.000 Euro
Schwarzenberg. Schwarzenberg. Es sollte "nur" eine Fassadensanierung werden, verbunden mit dem Trockenlegen des Hauses. Doch als die Arbeiter der Sanierungsfirma das Gebäude Oberes Tor 5 in der Schwarzenberger Altstadt im Fußwegbereich frei legten, gab es eine böse Überraschung: Die Gründung ist nur 20 Zentimeter tief, von einem Fundament keine Spur! Das Haus, das die Tourist-Info beherbergt, steht quasi auf "Sand".
Da schien Gefahr im Verzug, obwohl die Außenmauern aus Bruchsteinen unten bis zu 80 Zentimeter stark sind. Das Bauamt wurde sofort aktiv, zog einen Statiker hinzu. Fazit: Um die Standsicherheit dauerhaft zu gewährleisten, besteht akuter Handlungsbedarf. Jetzt wird das Gebäude - sozusagen nachträglich - mit einem Fundament über die gesamte Wandstärke und in einer Tiefe von 80 Zentimetern unterfangen. Zudem werden 20 Stahlanker eingebracht, um eine kraftschlüssige Verbindung der Außenwände mit den Innenwänden und Zwischendecken herzustellen. Das alles wird nicht nur den Bauzeitraum verlängern, sondern auch die Kosten erhöhen.
Der erste Auftrag war für knapp 42.500 Euro vergeben worden. Jetzt rechnet man im Rathaus laut Angebot der Baufirma und Kostenermittlung des Planungsbüros mit Nachtragsleistungen im Umfang von etwa 30.000 Euro. Das Geld wurde im Stadtrat zwar bewilligt, muss aber vorfinanziert werden, da die Fördermittel für solche Vorhaben 2010 bereits gebunden sind und neue Mittel erst 2012 zur Verfügung stehen.
Im Stadtrat sorgte das Ganze für mehr als nur Kopfschütteln. Immerhin acht der 25 anwesenden Bürgervertreter stimmten dem Nachtrag nicht zu, sondern enthielten sich. Oberbürgermeisterin Heidrun Hiemer (CDU) stellt sich vor die Planer: "Sie konnten nicht damit rechnen, dass praktisch keine Gründung vorhanden ist, zumal das Haus ja zum Teil einen Keller mit Tonnengewölbe hat." Volkmar Erdmann (Linksfraktion) sieht das anders. "Bereits der Ursprungsauftrag schloss das Trockenlegen ein. Da muss es doch die entsprechenden Vorarbeiten geben! Außerdem wurde das Haus in städtischem Auftrag schon 'mal Anfang der 1990er-Jahre saniert. Was ist denn damals eigentlich gemacht worden, wo sind diese Planungen?" Hiemer sagte zu, dem nachzugehen.
Errichtet wurde das Haus nach dem Stadtbrand von 1824 auf den Resten eines Vorgängerbaus. Die Firma Stiehler baute 1901/02 in das Wohnhaus einen Spirituosen- und Weinladen ein. In DDR-Zeiten ähnlich genutzt, ist das nun städtische Haus seit 1992 Sitz der Tourist-Info.


