historische Familiengrabstätte Die historischen Familiengrabstätten an der Nordseite des Georgenfriedhofs sind teilweise richtige Kunstwerke. Doch der Zahn der Zeit hat an allen kräftig genagt; einige sind akut einsturzgefährdet.

Foto: Lars Rosenkranz

Ein Ort zum Erinnern, Erholen und Bilden

Stadt Schwarzenberg beauftragt Garten- und Landschaftsplaner aus Chemnitz mit Maßnahmeplan zum Umgestalten des alten Georgenfriedhofs

Schwarzenberg. Schwarzenberg. "Diese Anlage hat großes historisches und botanisches Potenzial. Sie kann dem Ziel, ein Ort der Erinnerung, Erholung und Bildung zu sein, in einer Form gerecht werden, die es so in Schwarzenberg bisher nicht gibt." Gerd Tschersich schwärmt vom alten Georgenfriedhof an der Eibenstocker Straße. Das Chemnitzer Büro Rentsch & Tschersich, spezialisiert auf Landschafts- und Gartengestaltung, ist seit Montagabend von den Stadträten im Technischen Ausschuss beauftragt, einen Maßnahmeplan zu erarbeiten. Dessen Ziel: Der Georgenfriedhof soll zu einer innerstädtischen Parkanlage umgestaltet werden.

Bei Null müssen die Landschaftsarchitekten nicht beginnen. Nachdem 2003 bei Pflegearbeiten etliche Bäume radikal gestutzt worden waren, was einen großen öffentlichen Aufschrei ausgelöst hatte, erarbeitete das Chemnitzer Büro bereits ein Jahr später eine Gestaltungskonzeption für das seit 1989 nicht mehr für Bestattungen genutzte Areal. Kernaussagen: Öffentlicher Park mit erhaltener Grundstruktur, Denkmal- und Naturschutz bleiben gewahrt.

Tschersich: "Damals haben wir zunächst einmal den Bestand an Bäumen, Sträuchern und wertvoller Bodenvegetation erfasst. 2005 wurden dann sechs Zierkirschen gepflanzt. Damit ging eigentlich das teilweise Neugestalten schon los."

Seinerzeit gehörte der Friedhof aber noch der Kirche. Nach dem Ablauf gesetzlicher Fristen wurde er zum 1. Januar 2010 als Bestattungsplatz aufgehoben. Zeitgleich ging er im Zuge einer am 5. August 2009 abgeschlossenen Vereinbarung mit der Kirchgemeinde St. Georgen in das Eigentum der Stadt über.

Jene Vereinbarung ist ein Grundgerüst, an dem sich auch die Umgestaltung orientieren muss, die mit Denkmalschutz, Naturschutz und Kriegsgräberfürsorge abgestimmt wird. Auf dem Gelände gibt es zwei Kriegsgräberanlagen, die laut Gräbergesetz zu erhalten sind, mehrere denkmalgeschützte Grabanlagen sowie kulturhistorisch und ortsgeschichtlich bedeutsame Grabmale.

"Leider ist vieles baufällig und auch schon einiges abhanden gekommen", umreißt Oberbürgermeisterin Heidrun Hiemer (CDU) ein weites Problemfeld. Denn dem Eigentümer, jetzt also der Stadt, obliegt die Verkehrssicherung; sprich: Leuten, die über den aufgelassenen Friedhof spazieren, darf nichts passieren. Darum sieht auch Gerd Tschersich die Sicherung von einsturzgefährdeten Familiengrabstätten an der Mauer der Nordseite und von abgesenkten oder schon eingebrochenen Grabstellen und Grüften im übrigen Gelände als vordringliche Aufgabe an.

Das Geld ist knapp, Fördermittel sind nicht in Sicht. "Wir müssen das Ziel mit wenig Mitteln erreichen", betont Hiemer. Pflegepatenschaften mit dem Gymnasium und der Stadtschule, beide quasi Nachbarn, können dabei helfen. "Auch Privatleute, nicht nur aus Familien, die dort alte Grabstätten haben, sind zur Unterstützung bei den künftigen Aufgaben bereit", freut sich die Oberbürgermeisterin. "Jede weitere Hilfe ist der Stadt dort sehr willkommen!"

Dass am Wegesystem festgehalten wird, dürfte unumstritten sein, zumal sie kleine und große Rundgänge ermöglichen. Ob die verbliebenen Grabdenkmäler thematisch zusammengefasst werden sollten oder ob Besucher anhand eines erläuternden Planes durch die Anlage geführt werden, ist noch völlig offen. Die praktische Umsetzung des zu erarbeitenden Maßnahmeplanes, der von der Stadt abgesegnet werden muss, dürfte ohnehin noch einigen Diskussionsbedarf offenbaren. So erwägen die Planer zum Beispiel einen dritten Zugang zur Anlage, an deren oberem Ende gegenüber dem Parkplatz am Gymnasium. Das ist aus Verkehrssicherheitsgründen jedoch zumindest bedenklich: Die Eibenstocker Straße ist stark befahren, und zwischen der Friedhofsmauer, die dort durchbrochen werden müsste, und der Fahrbahn gibt es keinen Fußweg.

 
erschienen am 09.03.2010 ( Von Frank Nestler )
 
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