Lutz Mahnke, Direktor der Ratsschulbibliothek in Zwickau, hat am Samstag im Museum Schloss Schwarzenberg über mittelalterliche Torturen und Kerkerhaft referiert. Der Vortrag ergänzte thematische die aktuellen Sonderschau, die Folter-Werkzeuge zeigt und bereits nach einer Woche hohe Besucherzahlen registriert.
Foto: Nils Bergauer
Experte spannt Zuhörer ungern auf die Folter
Streckbank, Pranger, Daumenschrauben als Strafen im Mittelalter - Lutz Mahnke zeichnet düsteres Bild über dunkle Vergangenheit
Schwarzenberg. Schwarzenberg. Lutz Mahnke spannt seine Zuhörer ungern auf die Folter. Zumindest nicht, wenn er über systematisch angewandte Qualen und Torturen spricht - was er jedoch von Berufs wegen öfter tun muss. Verstehen wir uns recht: Er muss diese natürlich nicht quälen, aber er darf darüber sprechen. Zum Beispiel vor Schulklassen. Und das wiederum macht Mahnke mit Leidenschaft und ziemlich direkt.
Als Direktor der Zwickauer Ratsschulbibliothek, die im Mittelalter als Bücherei der Lateinschule und somit als ein "Hort des Wissens und der Wissenschaften" gegründet wurde (und heute ein enormes Archiv zur mittelbaren wie zur unmittelbaren Geschichte der Muldestadt umfasst), kennt er sich mit der Geschichte des Strafvollzugs in grauer Vorzeit recht gut aus. Das liegt vor allem daran, dass die Stadt Zwickau im Mittelalter das Recht der "Halsgerichtsbarkeit" besaß und mithin Delinquenten in schweren Fällen mittels Henker vom Leben zu Tode befördern lassen konnte. Um die Gerichtsbarkeit der Stadt Schwarzenberg war es einst weniger blutig bestellt - nach Mahnkes Einschätzung gab es hier bestenfalls die Verurteilung zu so genannten "Ehrenstrafen". Blut floss damals "nur", wenn etwa einem Dieb das Ohr oder einem Lügner bei Meineid der Schwurfinger abgeschnitten wurde.
Das Mittelalter mit all seinen verrufenen Folterkellern und Kerkerknechten - am Samstag konnte Mahnke jede Zeiten düstrer Machtausübung und blutiger Justiz wach werden lassen. Er sprach vor einem großen und interessiert lauschendem Hörerkreis in der Schlossstube des Schwarzenberger Museums, dass derzeit mit einer Sonderschau über Folterwerkzeuge das Interesse vieler Besucher weckt.
Streckbank, Pranger, ein Vorläufer der Guillotine, ein dornenbesetzter Stuhl zur "Unterstützung" hochnotpeinlicher Verhöre, Schandmasken, Keuschheitsgürtel, Brustkrallen, eine Eisenspitze zum Pfählen, ein Rad - diese Aufführung jener Vorrichtungen zur Erzeugung maximaler Schmerzen ließe sich noch weiter Fortsetzen.
Weil Schwarzenberg auch Erfüllungsort niedriger Gerichtsbarkeit war, passt das Sammelsurium der Tortur-Instrumente im Turm gut zu Mahnkes Geschichten, mit denen er seinem Publikum die "Peinliche Halsgerichtsordnung" von Kaiser Karl V. ebenso erläuterte wie Eike von Repgows "Sachsenspiegel", dem ersten deutschen Rechtsbuch überhaupt. Zudem machte er den Unterschied zwischen "Ehrenstrafen" und Halsgerichtsbarkeit deutlich. Einem Lästerer konnte damals die Zunge herausgerissen werden, Mörder und Brandstifter aber köpfte, hängte oder räderte man. Diese drakonischen Strafen hatte allerdings ein ordentlich bestallter Henker auszuführen, der - Heiterkeit am Rande - seinen Beruf stets nur in absolut nüchternem Zustand ausüben durfte - damit er ordentlich zielen konnte und ein zum Tode durch Enthaupten Verurteilter auch wirklich durch "Kopf abschlagen" starb - und nicht etwa durch einen versehentlich zugefügten Schädelbruch.
Mahnkes Besucher, von den Schilderungen abgestoßen und fasziniert zugleich, nutzen außerdem die Gelegenheit, sich die Ausstellung zum Thema anzusehen.
Diese ist noch bis 19. September, täglich außer Montag, 10 bis 17 Uhr zu sehen.


