Zirkus Christa und Otto Weisheit feiern, wo sie ein Leben lang gearbeitet haben: In der Manege ihres Zirkusunternehmens, das von Donnerstag bis Montag in Schwarzenberg gastiert. Zur Goldenen Hochzeit am Mittwoch ließen sie sich von Pfarrer Lothar Wenzel aus Schönheide segnen. Es war eine Vorstellung der besonderen Art.

Foto: Lars Rosenkranz

Goldene Hochzeit in der Manege

Christa und Otto Weisheit feierten ihren 50. Hochzeitstag im Zirkuszelt

Schwarzenberg/Schönheide. Schwarzenberg/Schönheide. Eine Manege voller Tiere und Artisten kennt man. Doch eine Manege, in der ein riesiges Kuchenbuffet und zwölf lange Kaffeetafeln stehen, bietet dem Besucher ein eher ungewöhnliches Bild. Noch ungewöhnlicher wird das Ganze, wenn vorn - unmittelbar vorm Manegenvorhang - ein Pfarrer steht, und hinter ihm ein Tisch mit Kerzen und dem Kreuz.

Am Mittwoch gab es in Schwarzenberg eine Goldene Hochzeit im Zirkus "Las Vegas", der ab Donnerstag unter seinem aktuellen Namen "Circus Afrika" im Erzgebirge gastiert. Christa und Otto Weisheit - sie eine langjährige Kunstreiterin und Seiltänzerin und er ein renommierter Hochseilartist - sind die Begründer des traditionsreichen Zirkusunternehmens. Gemeinsam mit ihren sieben Kindern, 27 Enkeln und acht Urenkeln sowie etlichen Freunden und Bekannten haben sie am Mittwoch das halbe Jahrhundert eines bewegten, gemeinsamen Lebensweges gefeiert.

Eine riesige Familie

Die Manege ist das "Wohnzimmer" dieser Zirkusgroßfamilie. Und wird gefeiert, dann findet das dort statt. Pfarrer Lothar Wenzel aus Schönheide zieht den Talar über und zündet die Kerze an. Doch immer wieder kommen neue Gäste und Gratulanten ins Zelt. Dabei begrüßt jeder jeden mit Umarmung und Küsschen. Die Wiedersehensfreude ist groß. Viele adrett gestylte junge Damen mit hochgesteckten Haaren verbreiten das glamouröse Ambiente graziler Artistinnen, wenngleich sie privat in Jeans und eng anliegenden Tops sich kaum von anderen Jugendlichen unterscheiden. Ihr Gang ist grazil und betont aufrecht, doch sie kichern und tuscheln und tippen auf dem Handy wie jeder andere Teenager.

Es braucht lange Zeit, ehe Pfarrer Wenzel den geeigneten Moment findet, um die nötige Ruhe für den festlichen Akt der Segnung zu finden. Er ist innerlich aufgeregt, sucht mit Fingerspitzengefühl nach den richtigen Worten, um das Jubelpaar aus dem "fahrenden Volk" und dessen Lebensleistung entsprechend zu würdigen. Es gelingt ihm. Wohl überlegt spricht er vom Zusammenhalt der Familie, die in einem Zirkusunternehmen wirklich lebenswichtig sein kann. Dieses "sich-auf-den-anderen-verlassen-können" ist unterm Dach eines Zirkuszeltes besonders wichtig. "Ihr seid besser dran als viele andere ältere Menschen", spricht er dem Jubelpaar zu. "Denn ihr seid weiterhin mittendrin und immer dabei", lautet die Begründung. Und dass dies tatsächlich so ist, bestätigt Sohn Hardy Weisheit, der heute als Juniorchef des Zirkusunternehmens fungiert. "Meine Eltern reisen immer mit uns mit. Mein Vater hat bis zu seinem 65. Lebensjahr im Finale jeder Vorstellung die Hymne der Zirkuskünstler ,Oh mein Papa' auf der Trompete gespielt, und meine Mutter ist mit ihren 71 Jahren noch heute die weltbeste Trainerin für den Nachwuchs. Sie ist ein Multitalent, sie kann einfach alles", gerät der 44-Jährige schnell ins Schwärmen. Seine 22-jährige Tochter Ashley sollte für die nächste Überraschung sorgen.

Eine neue Liebe

50 gemeinsame Jahre. Immer zusammen. Dieses selbst bestimmte Miteinander ringt Pfarrer Wenzel höchste Anerkennung ab. Und er durfte am Mittwoch den Bogen schlagen und ein neues Glück verkünden. Denn unmittelbar nach dem Abschlussgebet steckten sich Ashley Weisheit, die Enkelin des Jubelpaars, und Marcel Frank die Verlobungsringe an. Der Kuss des jungen Paares löste Jubel und Beifall in der Großfamilie aus. Dazu betrat ein Trompeter der Kapelle das Zelt und spielte ein Ständchen, das durch rhythmisches Klatschen sämtlicher Gäste zur raumfüllenden Musik wurde. Natürlich haben sich die beiden jungen Artisten im Zirkus kennen gelernt. Doch noch arbeiten sie in unterschiedlichen Zelten. Ashley ist wie ihre Großmutter Seiltänzerin und Hochseilartistin. Ihr 27-jähriger Freund und Verlobter ist Handstandakrobat und Tierdresseur.

Ein schwerer Weg

Schwere Zeiten liegen hinten den fahrenden Spielleuten. Das Ja-Wort gaben sich Christa und Otto Weisheit, der übrigens tatsächlich aus der berühmten Dynastie der Weisheits stammt, im ehemaligen Auffanglager in Osthofen in Rheinland-Pfalz. "Erst viele Jahre später, als unser vierter Sohn Hagen getauft wurde, haben wir uns in der Kirche noch den Segen für unsere Ehe geben lassen", erzählt die Jubelbraut. Es waren turbulente und dennoch wunderbare fünf Jahrzehnte, die die beiden Lebenskünstler miteinander verbracht haben. Mehrfach haben sie neu angefangen - und sind dabei beinahe im Wochentakt umgezogen. Sie sind nicht sesshaft, aber treu und können sich ein Leben an einem festen Ort kaum vorstellen.

An das Erzgebirge haben sie gute und schlechte Erinnerungen, wobei die guten weiterhin überwiegen. Nie vergessen werden sie nämlich ihr Gastspiel im Jahr 2008 in Schönheide, als ihnen - damals als Zirkus "Las Vegas" - von drei Jugendlichen das Zelt angezündet wurde. Doch die daraufhin einsetzende Hilfsbereitschaft und Zuwendung der Erzgebirger hat sie längst versöhnt, und Freundschaften sind entstanden, wie die zu Pfarrer Wenzel.

Gefeiert wurde am Abend mit gut 200 Gästen im Neustädter Hof.

 
erschienen am 04.05.2011 ( Von Beate Kindt-Matuschek )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
2
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  • 05.05.2011
    13:32 Uhr

    gelöschter Nutzer: Die allermeisten sogenannten "Negativmeldungen", die man vor zwei Jahren in Süddeutschland lesen konnte, entsprachen nicht der Wahrheit! Es wurde damals von einer bestimmten Seite in schlimmster Art und Weise gegen diesen Circus gehetzt und Unwahrheiten verbreitet.

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  • 05.05.2011
    07:26 Uhr

    ts09112: Eine Goldene Hochzeit zu feiern, ist immer ein sehr positives Erlebnis. Wenn dies an einem etwas außergewöhnlichem Ort, in einem Zirkuszelt geschieht, sicher auch etwas, worüber die Medien berichten; ABER dies unkritisch zu tun, ist oberflächlich.
    Denn dieser Zirkus gehört nicht gerade zu den Glanzlichtern der Branche. Unter seinen älteren "Alias"-Namen (z.B. Jambo Afrika) pflastern Negativmeldung aus ganz Deutschland seinen Weg. Interessenten sollten einfach mal "googeln". Stichwörter wären neben "Jambo Afrika" u.a. "Franken-Entertainment", "Varieté-Theater Afrika" oder "Afrikas Big Circus".
    Thomas Scherzberg

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