Jungenarbeit - erarbeitet, gefordert, aber gestrichen

Dreijähriges Modellprojekt vor Einführung in die Praxis "auf Halde gelegt"

Aue-Schwarzenberg. Aue-Schwarzenberg. Es ist aus, bevor es richtig begonnen hat: Eigentlich sollte Michael Helbig bereits ab 1. März seine Arbeit beim Kreisverband der Volkssolidarität (VS) beginnen. Doch kurz vor der Unterschrift auf dem Arbeitsvertrag wurden die Kürzungspläne der Jugendpauschale durch den Freistaat bekannt. Damit wird nun nichts aus der geplanten Fortsetzung des Jungenprojekts - und der diplomierte Sozialpädagoge muss weiter Bewerbungen schreiben.

Für den 35-Jährigen ist das nicht nur persönlich eine große Enttäuschung. Der gebürtige Vogtländer, selbst Vater von zwei Jungen im Alter von sieben und elf Jahren, ist ins Erzgebirge gezogen und wollte hier tätig sein, hier mit seiner Familie leben. Er wollte in seinem Beruf als Sozialpädagoge arbeiten, betraut mit einem Projekt, das ihn nicht nur reizt, sondern das zugleich Modellcharakter trägt.

Drei Jahre lang haben Volkssolidarität und Arbeiterwohlfahrt an diesem Projekt getüftelt. "Jungenarbeit" - dahinter verbirgt sich die Herausforderung, bei der Erziehung und Bildung von Kindern geschlechterspezifische Unterschiede zu beachten. "Jungen sind anders. Sie haben andere Probleme mit sich selbst, brauchen beim Heranwachsen auch männliche Bezugspersonen. Sie sind auf der Suche nach ihrer männlichen Identität und geraten nicht selten bei ausschließlichem Umgang mit Frauen in Konflikte", weiß Michael Helbig, der nun die vorliegenden Ergebnisse des Modellprojekts in die Praxis übertragen sollte.

"Der Landkreis hat uns die Finanzierung einer halben Stelle zugesichert. Doch nun will der Freistaat die Mittel für die Jugendarbeit extrem kürzen", so Béla Ullmann. Der Geschäftsführer des Kreisverbands der VS muss - wenn die Kürzungen kommen wie momentan avisiert - 35.000 Euro einsparen. "Die halbe Stelle sind gut 20.000 Euro", sagt er und bedauert sehr, die theoretisch erarbeiteten Pläne nun nicht auch gezielt und fachgerecht in die Praxis umsetzen zu können.

Noch unbegreiflicher wird das Ganze, wenn man bedenkt, dass Bundesfamilienministerin Kristina Schröder erst vorige Woche in einem Interview genau diese Gleichstellungspolitik für Jungen in den Kindereinrichtungen gefordert hat - und dafür ein eigenes Jungen-Referat im Ministerium einrichten will.

 
erschienen am 10.03.2010 ( Von Beate Kindt-Matuschek )
 
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