Katzenfreunde werden bissig
Dilemma um Samtpfötchen geht weiter - Tierhalter reichen Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Amtstierarzt ein
Schwarzenberg/Aue. Schwarzenberg/Aue. Jetzt werden sie richtig bissig, die Katzenfreunde aus dem Raum Aue-Schwarzenberg. Denn: Sie fühlen sich im Stich gelassen von den Behörden, die sich eigentlich und von Amts wegen um die Belange des Tierschutzes kümmern müssten. "Doch es geschieht nichts, da unternimmt keiner etwas. Im Gegenteil. Jetzt scheint es so, als soll das ganze unsägliche Tun des Herrn N. aus Aue noch legitimiert werden", klagt Romy Horn aus Schwarzenberg.
Tierhalter aus der Region laufen seit Wochen Sturm, weil Katzen verschwinden - und zwar spurlos. Ihre Recherchen und Beobachtungen ergaben, dass es da einen Herrn in Aue gibt, der sehr viele Katzen in seinem Haus hält. "35 in zwei winzigen Zimmern haben die Beamten gezählt", berichtet die Schwarzenbergerin von einer Polizeikontrolle in dem bewussten Haus, das mittlerweile "das Katzenhaus" genannt wird.
Der Eigentümer wiegelt ab: Er würde nichts Unrechtsmäßiges tun, kümmere sich nur um herrenlosen Katzen, würde ihnen ein Heim bieten, sie aufnehmen und füttern.
Das Eigentümliche an der Sache ist: Stehen Tierhalter, die ihre Samtpfote vermissen, bei ihm auf der Matte und begehren Einlass, wird dies den meisten verwehrt. Doch in einigen dieser Fälle tauchen wenige Tage später die vermissten Lieblinge bei ihnen wieder auf. Mitunter wie durch ein Wunder: Beispielsweise saß dieser Tage eine angeblich ausgebüxte Katze (trotz strömenden Regens) mit trockenem Fell auf dem Abtreter vor der Wohnungstür ihres Besitzers. "Das ist doch mehr als seltsam? Katzen können ja nicht fliegen", sagen die Tierliebhaber um Romy Horn.
"Man sollte bedenken, dass die Katzen, die weg sind, allesamt Freigänger waren und nun vielleicht eingesperrt sind. Das ist keine artgerechte Tierhaltung. Und selbst wenn man ein herrenloses Tier aufgreift und in Obhut nimmt, muss man dies umgehend im Ordnungsamt anzeigen", haben sich die Betroffenen kundig gemacht. Sie haben sich nun unter dem Namen "Die Katzenbefreier" zu einer Initiative zusammengeschlossen.
"Wir müssen den Katzen unsere Stimme geben, denn die können sich ja nicht wehren", sind sich die Akteure einig. Also zogen sie los, um beim zuständigen Amtstierarzt Dr. Thomas Leonhardt Hilfe zu suchen. Doch mit dem Ergebnis des Gesprächs waren die Tierfreunde alles andere als zufrieden. "Hilfe braucht man von dort nicht erwarten. Im Gegenteil. Bei unserem letzten Vorsprechen hat er sinngemäß gesagt: Die Situation habe sich geändert, besagter Herr habe nun einen Antrag gestellt eine tierheimähnliche Einrichtung zu betreiben. Und dass dies laut Paragraf 11 des Tierschutzgesetzes möglich sei", berichtet Romy Horn. Doch genau das wollen die Tierfreunde verhindern. Dafür haben sie eine Petition verfasst und sammeln Unterschriften. Das Landratsamt bestätigte am Mittwoch, dass besagter Antrag tatsächlich vorliegt und derzeit geprüft werde.
"Gegen den Amtstierarzt werden wir eine Dienstaufsichtsbeschwerde einreichen. Denn wir haben das Gefühl, er versucht nun, das Dilemma zu legalisieren", so die Tierfreunde. "Das müssen wir unbedingt verhindern", sagen sie. Auch das Fernsehen (MDR) haben sie bereits eingeschaltet. Doch das Kamerateam durfte nicht mit ins Landratsamt. Der Beitrag laufe noch diese Woche im Sachsenspiegel ab 19 Uhr.


