In der Großen Mittweida lässt es sich wieder herrlich plantschen. Dies bewiesen der Geschäftsführer der Landestalsperrenverwaltung, Hans-Ulrich Sieber, Oberbürgermeisterin Heidrun Hiemer, Landtagsabgeordneter Alexander Krauß und der sächsische Umweltminister Frank Kupfer.
Foto: Marcel Weidlich
Kleinod am Fluss kommt groß raus
Renaturierung der Großen Mittweida in Schwarzenberg wird prämiert - Projekt lässt 29 Mitbewerber hinter sich
Schwarzenberg.
Schwarzenberg. Die Schwarzenberger wissen es schon längst: Die Renaturierung der Großen Mittweida im Ortsteil Wildenau war ein großer Zugewinn an Lebensqualität. Jetzt wissen dies auch Fachleute aus ganz Deutschland. Am Mittwoch wurde das Projekt von der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) mit dem Gewässerentwicklungspreis ausgezeichnet.
Die Prämierung wird nur alle drei Jahre vergeben. 2007 ging sie nach München für die Renaturierung der Isar. "In Schwarzenberg ist es gelungen, die Bedürfnisse von Mensch, Natur und Wirtschaft miteinander zu verbinden", begründete DWA-Präsident Otto Schaaf das Votum für die Perle des Erzgebirges. Insgesamt gab es 30 Bewerbungen aus ganz Deutschland.
Der Gewässerabschnitt der Großen Mittweida wurde von September 2006 bis Mai 2008 für 3,8Millionen Euro komplett umgekrempelt. Alte Fabrikgebäude mussten der Abrissbirne weichen. Auf 900Metern wurde der Fluss aus seinem engen Korsett befreit. Jetzt darf er ordentlich breit laufen. Wenn es sein muss, sogar sehr breit. Dies war der Ausgangspunkt des ganzen Projekts. Denn bei der Flut des Jahres 2002 entpuppte sich dieser Abschnitt als Nadelöhr, an dem sich das Wasser aufstaute. Statt die Mauern an dieser Stelle höher zu ziehen, wurde eine Überflutungsfläche geschaffen.
Diese kommt auch der Bevölkerung zu Gute. Angler können heute dort Äschen und 40 Zentimeter große Bachforellen an Land ziehen. Kinder hatten das Gewässer ebenfalls schnell in ihr Herz geschlossen und plantschen dort nach Herzenslust. Zwischendurch können sie auch den Spielplatz benutzen, der zusätzlich angelegt wurde. Die Erwachsenen flanieren gern an der Uferpromenade entlang. Wenn sie dies regelmäßig tun, können sie mitverfolgen, wie die Natur dieses Areal in Besitz nimmt und nach und nach umgestaltet.
Dies geschieht allerdings in Zusammenarbeit mit dem Menschen. "Wir haben hier Erlen und Weiden gepflanzt", berichtete Ingenieur Andreas Stowasser, Fachmann für Landschaftsarchitektur und naturnahen Wasserbau aus Radebeul. "Die Weiden schneiden wir regelmäßig zurück, damit sich vor allem die Erlen gut entwickeln." Sind aus den Erlen erst einmal große Bäumen geworden, halten sie die Weiden selbstständig in Schach. "Das verringert mittelfristig den Aufwand für die Pflege", begründet dies Andreas Stowasser. In rund zehn Jahren, so seine Schätzung, könnten die Erlen dafür groß genug geworden sein.
Die Große Mittweida ist seit Mittwoch das bekannteste Beispiel für eine gelungene Renaturierung im Erzgebirge. Der einzige Fall ist es jedoch nicht. An der Hakenkrümme in Aue wurde das Schwarzwasser für ebenfalls rund 3,8Millionen Euro auch in ein Naherholungsgebiet verwandelt. Im Raum Schneeberg und Bad Schlema gelang dies in Zusammenarbeit mit der Wismut GmbH an Schlemabach, Silberbach und Hanggraben. Die Kosten dafür liegen bei mehr als 5Millionen Euro.


