Stadt schickt junge Eltern zum Einkaufen
Neue Erdenbürger in Grünhain-Beierfeld mit Gutscheinheft begrüßt - Beschluss gilt rückwirkend zum 1. Januar 2010
Grünhain-Beierfeld. Grünhain-Beierfeld. Nachwuchs ist willkommen. In der Erzgebirgsregion ganz besonders. Und deshalb will nun auch die Stadt Grünhain-Beierfeld die neuen Erdenbürger ihres Ortes künftig mit einem Geschenk willkommen heißen. Junge Eltern in Grünhain-Beierfeld erhalten nach der Geburt ihres Kindes ein Gutscheinheft aus den Händen des Bürgermeisters.
"In diesem Heft sind neben den Glückwünschen diverse Einkaufsgutscheine, an deren Finanzierung sich die Stadt mit 70 Euro pro Kind beteiligt. Der Gesamtwert der Coupons liegt jedoch bei insgesamt 155 Euro, denn unser Baby-Willkommensgruß ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen Kommune und örtlichen Gewerbetreibenden", erläuterte Bürgermeister Joachim Rudler (CDU) im Stadtrat. Dieser hat am Montagabend einstimmig das Projekt für die Neuankömmlinge im Ort beschlossen - und zwar rückwirkend zum 1. Januar 2010. Heißt: Auch all jenen Wonneproppen, die in den ersten Wochen dieses Jahres zur Welt kamen und deren Wiege in Grünhain, Beierfeld oder Waschleithe steht, wird das Gutscheinheft noch ausgereicht.
"Es war jedoch gar nicht so einfach, die Partner für das Projekt zu finden", berichtet Rudler, dessen Mitarbeiter in der Stadtverwaltung sich schon längere Zeit mit der Sache befasst haben. Momentan sind es insgesamt 14 Geschäftsleute oder Gewerbetreibende, die das Begrüßungsgeschenk für die Babys unterstützen. Denn: Der jeweilige Geschäftsinhaber legt immer etwas dazu. Der Anteil der Stadt beläuft sich also pro Geschäft auf fünf Euro, und die meisten Inhaber legen nochmals fünf Euro drauf, manche sogar zehn Euro. Für die jungen Eltern heißt das: Coupons ausschneiden und einkaufen gehen! Den Rest, sprich das Abrechnungsprozedere, klären Geschäftsinhaber und Stadt miteinander.
In der Stadt Grünhain-Beierfeld werden durchschnittlich im Jahr zwischen 40 und 50 Kinder geboren. Die von der Stadt pro Kind gezahlten 70 Euro ergeben also eine Gesamtausgabe von gut 3500 Euro, die künftig im Haushalt der Stadt berücksichtigt werden muss. Nach einem Jahr wolle man die Resonanz auf die Aktion mit den Eltern und den Geschäftsleuten auswerten, haben die Stadträte ins Auge gefasst.
"Kinder sind unbezahlbar. Deshalb soll und kann dies auch nur als eine nette Geste an die Eltern zu verstehen sein", sagt Rudler. Im gleichen Atemzug äußert der Stadtchef heftige Kritik an den Kürzungen der Jugendpauschale im Freistaat. Für den Awo-Jugendclub "Phönix" in Grünhain bedeuten diese Kürzungen fast 11.000 Euro weniger - Geld, welches auch die Stadt nicht einfach so zuschustern könne. Mit dieser klaren Aussage des Bürgermeisters platzt aber zugleich die von Clubchefin Cindy Menzel still gehegte Hoffnung auf Hilfe durch die Kommune. "Dann wird es den Jugendklub in Grünhain wohl künftig so nicht geben", kündigte Rudler am Montag an.


