Was er bei der Mastenkontrolle feststellt, hier am Abzweig der 10-kV-Leitung nach Jägerhaus, hält Alexander Gottschalk sofort auf dem Laptop fest.
Foto: Lars Rosenkranz
Ständig auf Draht, damit jeder Abnehmer Strom hat
Unterwegs mit Alexander Gottschalk, einem Monteur der Envia Netzservice GmbH
Schwarzenberg. Schwarzenberg. Der Waldweg ist vereist. Doch der Kleintransporter beweist seine Wintertauglichkeit. Der Fahrer auch. Alexander Gottschalk ist vorsichtig, hat aber keine Mühe, seine Route einzuhalten. Er parkt den Diesel am Wegrand, setzt den Helm auf: "Das ist Vorschrift!" Dann schnappt er seinen kleinen Computer, stapft durch den Schnee zu einem stählernen Mast. "Nummer 37", erklärt er. "Steht seit 1968."
Seit dem frühen Morgen ist der Netzmonteur der Envia Netzservice GmbH auf Tour, diesmal zu turnusgemäßen Kontrollen. "Wir haben seit einiger Zeit die Dienstautos mit zu Hause. So müssen wir früh nicht erst in den Betrieb, können gleich anfangen, Aufträge abzuarbeiten." Diese laufen über einen Dispatcher in Freiberg und sind im "Bordcomputer" abrufbar. Dessen Inhalt wird stets auf dem Laufenden gehalten; zu Geplantem kommt Ungeplantes. "Störungen in der Stromversorgung sind immer eilig", so der Monteur. Auf dem Display am Armaturenbrett ist auch ein Navigationssystem abrufbar. Zwar kennen sich Gottschalk und seine Kollegen in der Region längst so aus wie versierte Taxifahrer. Aber man weiß ja nie.
Leitungen stets unter Kontrolle
Nun mustert der 32-Jährige den Mast, Teil einer 10-kV-Leitung zwischen Schwarzenberg und Bockau, genau am Abzweig der Verbindung nach Jägerhaus. Leitungen, Kurzschlussanzeiger und Vogelschutz, Gitter und Fundament begutachtet der Fachmann mit prüfendem Blick. Auch ob die Trasse frei ist, sieht sich der Elterleiner an, der 1998 als Lehrling bei der damaligen Energieversorgung Südsachsen AG begonnen hat. "Alles okay", fasst er knapp zusammen. Die Kontrollergebnisse trägt er gleich in den Laptop ein.
So wissen dank Datennetz auch andere sofort Bescheid. Jens Krug etwa, Leiter des Anlagenmanagements Mittel- und Niederspannung am Envia-Standort Schwarzenberg. "38 Mitarbeiter betreuen unseren großen Zuständigkeitsbereich", sagt er. "Zehn Leute sind ständig zu Kontroll-, Service-, Wartungs- und Reparaturarbeiten unterwegs." Derzeit liegen auf Krugs Schreibtisch auch uralte Akten: Ein Jubiläum wie das 100-jährige Bestehen eines Energieversorgungsbetriebs in Schwarzenberg will solide vorbereitet sein. "Dazu sind wir auch mit der Stadtverwaltung im Gespräch, denn natürlich wollen wir die Öffentlichkeit einbeziehen", erzählt Krug.
Meister: Bisher alles gemeistert
Doch bei allem Interesse für die Historie: Schwerpunkt bleibt die aktuelle Energieversorgung. Die gilt es für alle Abnehmer stabil zu gewährleisten. Bei Bedarf, wie bei Störungsmeldungen, heißt es umgehend zu reagieren und Fachkräfte in die Spur zu schicken. Auch unter Zeitdruck richtig zu entscheiden, dabei hilft langjährige Erfahrung. Leander Häckel hat welche. Der Meister Betriebsservice am Standort Schwarzenberg ist ein alter Hase, schon seit mehr als 30 Jahren bei der Energieversorgung. "Bisher haben wir eigentlich noch alles gemeistert", erklärt der Oberwiesenthaler zurückhaltend. Das gravierendste Ereignis in seiner beruflichen Laufbahn liegt noch gar nicht so lange zurück: "Im Oktober 2008 hat es im Umspannwerk Schönheide gebrannt. Schuld war eine Verkettung unglücklicher Umstände." Rund 5500 Haushalte im Westerzgebirge und Ostvogtland blieben einige Stunden ohne Strom.
An die Aufräum- und Reparaturarbeiten kann sich auch Alexander Gottschalk noch gut erinnern. "Natürlich ist so ein Brand ein Ausnahmefall. Unsere tägliche Arbeit ist ja nicht spektakulär. Mir macht sie trotzdem Freude, weil ich viel auf Achse bin und mit den unterschiedlichsten Leuten ins Gespräch komme. Im Hinterkopf muss man aber immer haben, dass Strom gefährlich werden kann. Falsche Routine ist in unserem Job deshalb nicht gefragt."
Wieder im Auto, legt er Laptop und Helm auf den Beifahrersitz. Display an, Aufträge abfragen. "Da gibt es in Lauter ein Problem mit einem Hausanschluss. Ich muss hin und nachgucken. Vielleicht kann ich es gleich selbst in Ordnung bringen."
Zahlen & Fakten
Die Envia Netzservice GmbH (NSG), hundertprozentige Tochter der Envia Mitteldeutsche Energie AG, ist als Dienstleister für Bau, Betrieb, Wartung und Instandhaltung des Stromnetzes der Envia Verteilnetz GmbH zuständig.
Darüber hinaus bietet die NSG für andere Kunden Dienstleistungen an, so Netzführung und Netzdokumentation, Straßen- und Außenbeleuchtung, Schaltdienst, Inspektion und Entstördienst sowie Dienstleistungen rund um Netzvertrieb und Zählerwesen.
Zu den NSG-Standorten in der Netzregion Süd-Sachsen gehört Schwarzenberg. Der Komplex an der B 101 mit Servicecenter in der Straße der Einheit 42 kombiniert einen Alt- und einen Neubau. In diesem Jahr kann die Energieversorgung an diesem Standort auf eine 100-jährige Geschichte zurückblicken: 1910 wurde das Elektrizitätswerk Obererzgebirg mit Sitz in Schwarzenberg gegründet.
Zum Versorgungsbereich, der die Altkreise Aue-Schwarzenberg und Annaberg umfasst, gehören 18 Umspannwerke, 1150 Kundenstationen, 38.000 Hausanschlüsse. Zudem erledigt Envia die Betriebsführung für die Stadtwerke Aue.
Von Schwarzenberg aus werden im Mittelspannungsnetz 630 Masten, 900 km Kabel und 55,5 km Freileitung, im Niederspannungsnetz 16.800 Masten, 1421 km Kabel und 813 km Freileitung betreut.


