Großer Sachverstand und erkennbare Strenge, verbunden mit freundlichem Umgangston: Professor Peter Ivic. "Ich habe versucht, meinen Studenten Grundlegendes auf ihren Lebensweg mitzugeben", sagt er.
Foto: Lars Rosenkranz
Weltbürger mit Wiener Schmäh
Professor Peter Ivic ist feierlich in den Ruhestand verabschiedet worden
Breitenbrunn. Breitenbrunn. Sprache, Gestus, Kleidung - Professor Peter Ivic ist unverwechselbar. Doch nicht nur seines stets korrekten Äußeren wegen. Der Mann mit der zum Markenzeichen gewordenen Fliege, mit der ausgesuchten Höflichkeit selbst bei größtem Stress, mit Wiener Schmäh und Dialekt, die manchmal helfen, Türen zu öffnen, wirkliche und imaginäre, dieser Mann ist seit wenigen Tagen im Ruhestand. Kaum zu glauben für die, die ihn kennen.
Nach 14 Jahren und sechs Monaten endete sein aktiver Dienst an der Staatlichen Studienakademie Breitenbrunn. 1996 hatte Ivic als Dozent an jener zwei Jahre zuvor gegründeten Bildungseinrichtung begonnen. Wie kein zweiter formte er den Studiengang Tourismuswirtschaft, den er bis Ende September 2010 leitete. Zudem wirkte er vom 1. Juli 2009 bis Ende März 2011 auch als stellvertretender Direktor in Breitenbrunn.
Dass die Akademie attraktive, innovative Studienangebote offeriert, die Studierende und Praxispartner aus ganz Deutschland interessieren und internationalen Ansprüchen genügen, daran hat Ivic großen Anteil. Auch daran, dass die Akademie frühzeitig auf den sich abzeichnenden demografischen Wandel reagierte. Der Erfolg des Konzepts lässt sich an den Bewerberzahlen ablesen, die trotz sinkender Abiturientenzahlen nahezu konstant blieben.
Zur Verabschiedung in großem Rahmen attestierte Laudator Klaus Platzdasch, als geschäftsführender Gesellschafter der Saxonia Touristik International GmbH Leipzig langjähriger Praxispartner, dem Professor "ein atemberaubendes Pensum" an Aufgaben und Verantwortung. "Er brachte seinen Studiengang ganz nach vorn. Den exzellenten Ruf der Akademie in Breitenbrunn hat er maßgeblich mit erarbeitet."
Peter Ivic, am 11. Februar 1946 in Saalfelden (Österreich) geboren, ist ein Weltbürger. Nicht nur, weil das Erzgebirge die 14. (!) Station auf seinem international geprägten beruflichen Lebensweg war. Sein persönlicher Werdegang hielt große Herausforderungen parat, schmerzhafte Erfahrungen indessen ebenso. Zunächst staatenlos, aber mit kroatischen Wurzeln und verschütteten familiären Verbindungen zum einstigen Kaiserhof in Wien, war Ivic von 1953 bis 1956 Österreicher, danach bis 1994 Jugoslawe. Seither ist er Deutscher. Dem Abitur in Novi Sad folgte ein Studium in Belgrad, das er 1973 als Diplom-Ökonom abschloss. Der Anfang der 1990er-Jahre militärisch eskalierende Konflikt in Jugoslawien brachte ihm nicht nur Angst um Familie, Hab und Gut - ebenso das Aus der beruflichen Existenz in leitender Stellung beim Spezialreiseveranstalter Yugotours. Der musste Insolvenz anmelden.
Früher unter anderem journalistisch und als Dolmetscher tätig, wirkte Ivic ab 1992 als Redakteur, Berater, Dozent sowie Beauftragter von Reiseveranstaltern, bis er sich bei der Berufsakademie Sachsen bewarb. Mit Erfolg. Seinen Erfahrungsschatz brachte er in Seminare und Vorlesungen ein, in das Profilieren der Lehre, ins Betreuen Dutzender Diplomanden. Sie gingen ihren Weg in der Tourismusbranche, deutschlandweit, einige darüber hinaus.
Und jetzt? Wie das so ist mit dem Ruhestand. Zwar hat Peter Ivic mehr Zeit für seine Familie, für Frau Doris und Sohn Philipp, für private Reisen, für Hobbys, vielleicht auch für das Schreiben eines Buchs über sein Leben. Doch der Akademie bleibt er als Rentner weiter verbunden. Beratend, helfend, wie auch immer. Seine weltweit bekannte E-Mail-Adresse dort funktioniert nach wie vor.

