Gerd Habenicht Gerd Habenicht ist neuer SPD-Chef im Erzgebirge.

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"Wieder lernen, den Leuten mehr zuzuhören"

Gerd Habenicht ist am Samstag zum Vorsitzenden der Sozialdemokraten im Erzgebirgskreis gewählt worden

Burkhardtsgrün. Bärenstein/Burkhardtsgrün. Gerd Habenicht ist neuer Vorsitzender des SDP-Kreisverbands Erzgebirge. Der 65-jährige Burkhardtsgrüner war am Samstag beim Kreisparteitag in Bärenstein mit 80,8 Prozent der Delegiertenstimmen gewählt worden. Er tritt damit die Nachfolge von Gisela Schwarz (60) aus Warmbad an, die sich aus allen Parteiämtern zurückgezogen hat. Zu Habenichts Stellvertretern wurden Karl-Heinz Becher aus Zwönitz und Marie-Luise Apostel aus Neukirchen bestimmt. Mit Gerd Habenicht sprach Andreas Tröger.

Freie Presse: Glückwunsch zum Spitzenamt für die SPD im Erzgebirge, Herr Habenicht. Aber zu beneiden sind Sie um ihre Aufgabe nicht wirklich. Die Sozialdemokraten spielen doch in hiesigen Breiten in der Kommunalpolitik seit Jahren lediglich Nebenrollen ...

Gerd Habenicht: Das ist die schlechte Botschaft. Aber mittlerweile offenbart sich darin auch Gutes. Nämlich das Wissen um die Ursachen für unsere vorübergehende Erfolglosigkeit. Wir haben die Menschen bei den vor allem in der Ära Schröder vollzogenen riesigen gesellschaftlichen Veränderungen nicht genügend mitgenommen, sie nicht gut genug aufgeklärt. Also: Jetzt geht es darum, Vertrauen wieder auf- und auszubauen. Auch die SPD im Erzgebirge muss den Leuten mehr Gehör schenken, mit ihnen reden. Schließlich erfahren wir nur so, welche Probleme sie haben und wie wir diese lösen können.

Freie Presse: Wie groß ist denn Ihre Hoffnung, ausgerechnet in einem CDU-Stammgebiet wie dem Erzgebirge das Vertrauen der Menschen zu gewinnen?

Habenicht: Ziemlich groß. Sehen Sie sich doch die durchschnittliche Beteiligung an vergangenen Wahlen in der Region an - zwischen 40 und 50 Prozent. Das heißt: Alle anderen haben kein Interesse an Politik. Das bedeutet für mich, dass die großen Parteien generell an Vertrauen verloren haben. Das müssen wir ändern.

Freie Presse: Sie sehen dafür bereits Ansatzpunkte?

Habenicht: Natürlich. Wir müssen uns wieder unserer Stärken besinnen: Politik für die Arbeitnehmerschaft gemeinsam mit den Gewerkschaften. Das bedeutet: aktive Beschäftigungspolitik mit vernünftiger Entlohnung, gute Bildung und Ausbildung. Das sind unsere Bausteine für die Zukunft, sie sichern im Erzgebirge Arbeitsplätze. Und auch Wirtschaftsstandorte. Dazu gehört die Breitbandversorgung fürs Internet. Da hat der Landkreis bisher viel zu wenig getan, manchen Firmen Marktchancen verbaut.

Freie Presse: Der Kreisverband Erzgebirge Ihrer Partei hat gerade mal 345 Mitglieder mit einem Altersdurchschnitt von 50 Jahren in 18 Ortsvereinen. Das ist nicht gerade die geballte Politmacht, mit der man solche Ziele erfolgversprechend angehen kann.

Habenicht: Das weiß ich. Aber das ist doch kein Grund, die Flinte schon vor dem Angriff ins Korn zu schmeißen. Immerhin sind wir Erzgebirger ja der viertstärkste Verband in Sachsen. Klar müssen wir den demografischen Wandel beachten, sonst sind wir hierzulande bald in einem großen Altersheim. Wir müssen den Leuten also Alternativen bieten, um in ihrer Heimat bleiben zu können. Uns fehlen vor allem die 40-Jährigen. Froh sind wir darüber, dass wir seit der Bundestagswahl im vergangenen Jahr bereits sechs neue Mitglieder zwischen 20 und 25 Jahren bei uns aufnehmen konnten.

Freie Presse: Sie sprachen von vernünftiger Entlohnung. Das wäre wohl für junge Leute ein Anreiz zum Hierbleiben. Am Samstag hat sich der Kreisverbands-Parteitag ja einstimmig für einen 8-Euro-Mindestlohn ausgesprochen. Aber hiesige Wirtschaftsverbände nennen den Niedriglohn doch oft einen Standortvorteil für das Erzgebirge ...

Habenicht: Vorteil? Wer hat den wirklich? Es kann doch nicht sein, dass sich Arbeitnehmer zusätzlich Geld von der Arbeitsagentur holen müssen, damit es zum Leben reicht.

 
erschienen am 07.03.2010
 
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