Sonja Matson, Archäologin vom Landesamt für Archäologie Dresden, hat nahe der Burg Hoheneck eine Mauer mit Ecke (auf dem Foto rechts unten) freigelegt. "Das ist eine echte Überraschung", so die Expertin.
Foto: Andreas Tannert
Archäologin findet auf Hoheneck ein Stück geheimnisvolle Mauer
Mauerwerk ist derzeit weder datierbar, noch ist sein Zweck ersichtlich
Stollberg. Die Mauerecke ist aus Tonschiefer, sie misst bislang in der Länge etwa vier Meter. In der Breite etwa einen Meter. Der rechte Winkel kann nur von Menschenhand geschaffen worden sein.
Doch wann diese Menschen lebten, und warum sie diese Mauer einst erbauten - etwa als Haus oder Schutzwall? - dahinter steht derzeit noch ein Fragezeichen. "Ich kann das momentan noch nicht beantworten, dazu muss ich weitergraben", sagt Sonja Matson den derzeitigen Stand.
Die Expertin stammt aus Alaska, ist aus privaten Gründen nach Sachsen gekommen und überwacht nun schon seit Wochen den Tiefbauabriss alter Gebäude rund ums Schloss Hoheneck im Auftrag des Landesamtes für Archäologie in Dresden.
Matson hat bereits an anderer Stelle, wo einst die Garagen und das alte Verwaltungsgebäude standen, in der Erde alte Mauerfundamente entdeckt. "Doch diese Bauten stammen aus dem 17. Jahrhundert und waren auch in alten Plänen verzeichnet. Ich habe deren Lage dokumentiert, dann konnten die Steine abgetragen werden", sagt Matson.
Diese Teile der zuerst gefundenen Mauer wurden bereits abgetragen. Sie stammen offenkundig aus dem 17. Jahrhundert.Foto: S. Matson
Foto: Sonja Matson
Bei den jetzigen Mauerresten ist das offenkundig etwas rätselhafter - schon wegen der Lage. Die Mauer steht nicht parallel zur Schlossanlage und der jetzigen Ziegelmauer, ist auch viel weiter vom Schloss weg. "Zudem habe ich bislang keine Keramik gefunden, um die Anlage datieren zu können. In meinem alten Plan aus dem 18. Jahrhundert ist an der Stelle auch kein Bauwerk zu finden", so Matson. Es könne sein, dass die Karten ungenau sind - oder dass die Mauer älter ist. Vielleicht sogar aus dem Mittelalter, also bis zum 15. Jahrhundert? Matson zuckt mit den Schultern.
Auf die Mauerreste ist die Expertin zufällig gestoßen. Denn die Bagger haben an dieser Stelle vier alte Öltanks gefunden, die offenbar vor Jahrzehnten in die Erde verlegt wurden. Die Arbeiten mussten deshalb gestoppt werden, da derzeit geprüft wird, ob die Tanks einfach entsorgt werden können oder nicht.
Also bleibt noch Zeit für die Archäologin, die Mauer weiter gründlich zu untersuchen.

