Ehe es nicht wärmer wird, kann auch die Erneuerung der Fassadendämmung und die Trockenlegung des Gebäudes nicht beginnen. Auch die Farbgestaltung des Bibliotheksgebäudes soll erneuert werden.
Foto: Andreas Tannert
Der Winter ist kein Bücherfreund
Sanierung der Stollberger Stadtbibliothek stockt wegen kalter Außentemperaturen - Anschaffung von Neuheiten strikt am Nutzerinteresse orientiert
Stollberg. Stollberg. Stollbergs Stadtbibliothek war bis Ende vorigen Jahres ihr eigenes Denkmal: Der letzte große Bibliotheksneubau der DDR, wie Leiterin Kathleen Roskosch sagt, zeigte sich in der äußeren Substanz so, wie er 1983 übergeben wurde. Derzeit wird das Gebäude saniert, nur wegen des kalten Wetters unterbrochen. Auch der seit Anfang der 1990er Jahre überholte Schriftzug "Stadt- und Kreisbibliothek" an der Fassade kommt weg.
Zwischen Treppe und Zeitschriftenregal bei der Ausleihtheke stehen seit Januar die neuen Fenster bereit. Einige konnten vor dem jüngsten Frosteinbruch eingebaut werden. Die anderen kommen an die Reihe, wenn es wärmer wird. Die Bibliothek schließt dafür nicht, es werden nur einzelne Regale nicht zugänglich sein. Auch die Trockenlegung des Gebäudes und die Fassadendämmung sind auf Frühlingstemperaturen angewiesen.
Einkauf nach Listen
Dass die Stadtbibliothek auf ihren Zweck hin entworfen und gebaut worden war, erweist sich als Segen bis heute. Platzsorgen wie in anderen Stadtbibliotheken kennen Kathleen Roskosch, ihre vier festen und fünf zeitweiligen Mitstreiter nicht. Der hintere Gebäudeteil dient als Magazin für etwa 15.000 Medien, die auf Nachfrage hervorgeholt werden können, zum Beispiel Schallplatten. Auch die Kinderabteilung im Unter- und der Freihandbereich im Obergeschoss machen einen geräumigen Eindruck.
Und in den Regalen ist noch Platz. Für den Einkauf neuer Bücher, Filme oder CD-Roms stehen Kathleen Roskosch rechnerisch etwa 1000 Euro im Monat zur Verfügung. 2300 Medien wurden 2009 angeschafft. Bei jährlich mehreren zehntausend Buch-Neuerscheinungen - von Musik und Filmen gar nicht zu reden - müssen sich die Stollberger auf fachliche Hilfe verlassen, wie sie zum Beispiel die Einkaufszentrale für Bibliotheken im württembergischen Reutlingen leistet. Bei der Belletristik (sogenannte "schöne Literatur", im Unterschied zum Sachbuch) ist die "Spiegel"-Bestsellerliste das Maß vieler Dinge. Die Titel dieser Liste gehören zur "Standing Order" der Stollberger Bibliothek, sie werden regelmäßig angeschafft. Auch die Bibliothekare spüren, wie sich der Buchmarkt verändert: Wenige, mit höchstem Werbeaufwand unterstützte Bestseller werden binnen kurzem in Größenordnungen nachgefragt - bis zum "nächsten großen Ding". Verkaufserfolge wie von Stephenie Meyer ("Twilight") oder Frank Schätzing ("Limit") nimmt Kathleen Roskosch doppelt herein.
Spielen ihre eigenen Vorlieben beim Einkauf eine Rolle? "Nein, auch wenn ich meine Favoriten habe. Die Bibliothek versteht sich als Dienstleister und nehmen eine öffentliche Aufgabe wahr." Wenn wirklich einmal ein Buch nicht erhältlich sei, könne es in der Regel rasch besorgt werden: aus dem Bestand von neunzig öffentlichen Bibliotheken in Sachsen, die im Sachsen-OPAC zusammengeschlossen sind. Und was liest die Bibliothekschefin privat? Spontan nennt sie Truman Capote, Khalil Gibran, Andreas Franz.
Beliebt bei Heimatforschern
Einen Akzent setzt die Stollberger Bibliothek dennoch: Für Heimatforscher gilt sie als verlässliche Anlaufstelle für Regionalliteratur. Kathleen Roskosch: "Meine Vorgänger behielten in den 1980er Jahren manches im Magazin, was nach offizieller Lesart hätte aussortiert werden sollen." Auch nach Ende der DDR gab es Listen zu entfernender Bücher, diesmal mit Empfehlungscharakter. Titel aus den Anfangsjahren der Einrichtung sind noch immer im Bestand, der etwa 75.000 Medien zählt. "Zu DDR-Zeiten verfügten die Bibliotheken über recht viel Geld, nur war das Angebot an Titeln viel schmaler", erklärt Frau Roskosch. Glücklicherweise gehen Stollbergs Bibliotheksnutzer überwiegend pfleglich mit den Büchern um, auch mit den älteren.


