Markierungen an Waldbäumen Die diagonalen grünen Striche zeigen den Fahrgasseneingang an. Grün sind laut Revierförster Clauß die Fahrgassen markiert. Bei den orangen Markierungen handelt es sich um Orientierungspfeile für die ausführende Firma.

Foto: Viola Heidrich

Fünf Förster - zwei Meinungen

Die geplante Durchforstung eines Teils des Auerbacher Gemeindewaldes stößt wegen ihrer Intensität auf die Kritik sachkundiger Einwohner

Auerbach/E. Auerbach/E. Der Gemeindewald bietet Gesprächs- und Zündstoff in Auerbach. Revierförster Gunter Clauß hat im "Zipfel" auf rund sechs Hektar Bäume markiert, die im Zuge einer Durchforstungsmaßnahme fallen sollen. Spaziergänger aus Auerbach hielten die rotgepunkteten Bäume zunächst für jene, die stehen bleiben - weil es so viele sind. Zu viele, sagt Leila Reuter. Die Auerbacherin ist Diplomforstingenieurin, bewirtschaftet als Revierförster einen Kirchenwald. Die geplante Eingriffsstärke in den Gemeindewald erscheint ihr "etwas zu heftig".

Mit ihrer Meinung steht sie nicht allein - Rückenwind bekommt Leila Reuter von Dankward Bochmann (ihr Vater, ebenfalls Diplomforstingenieur, der nach eigenen Worten "fast 45 Jahre dem Wald gedient" hat) und Ehemann Steffen Reuter, der den Auerbacher Wald im Auftrag der Treuhand bis vor 15 Jahren betreute und damals "von vorn bis hinten durchforstet" hat.

Seitdem ist im Auerbacher Wald nicht viel passiert - darin sind sich die drei Auerbacher mit Revierförster Gunter Clauß und Bernd Ranft, im Forstbezirk Chemnitz des Staatsbetriebes Sachsenforst zuständig für den Privat- und Körperschaftswald, einig. Ansonsten hat es Gemeinderat Dieter Herold (Linke) zur jüngsten Ratssitzung auf den Punkt gebracht: "Fünf Förster. Zwei Meinungen."

Denn Ranft und Clauß halten die geplanten Eingriffe für vertretbar und auch notwendig. Bernd Ranft bezeichnete die Pflege als überfällig, man liege in dem Bereich unter den Vorgaben, das bedeute auch, dass das Ertragspotenzial nicht voll ausgenutzt wurde und intensiviert werden muss. Unbedingt ins Auge zu fassen seien auch Maßnahmen der Verjüngung, sagte er. Es sei im Falle von Schäden immer besser, wenn schon ein junger Bestand da ist.

Das hatte auch Leila Reuter bekräftigt. Gerade weil in dem Bereich keine Naturverjüngung existiere, sei das Risiko, dass etwas passiere, einfach zu groß, sagt sie. Alle 30 Meter seien Gassen eingezeichnet, "wo alles fällt". Leila Reuter: "Die Bäume halten sich gegenseitig, was bei so starker Durchforstung nicht mehr möglich ist."

Auch Dankward Bochmann kritisiert die geplanten Schneisen, die "alles mitnehmen, auch beste Bäume, Zuwachsträger, Starkbäume." Ein Drittel würde auch reichen, er könne den Eingriff so nicht nachvollziehen. "Wenn der böhmische Wind kommt, fällt alles um."

Revierförster Clauß erklärte die Schneisen mit der vorgesehenen vollmechanischen Durchforstung. Um Harvester - spezielle Holzernte-Maschinen - einsetzen zu können, seien Fahrgassen vorgesehen. "Das Holz muss ja rausgeholt werden." Wenn dieses Modell nicht gewollt sei, könne man sich darüber unterhalten. Clauß verweist aber darauf, dass, wenn man eine grundlegend andere Variante diskutiert, auch andere Kosten zu Buche schlagen. Er gab zu, eine hohe Stückzahl an Bäumen angezeichnet zu haben, aber es seien trotzdem noch nicht einmal alle Kronenbrüche dabei.

Rote Baummarkierungen Im Auerbacher Gemeindewald, speziell hier im sogenannten Zipfel, stehen Durchforstungsmaßnahmen an. Die Bäume, die fallen sollen, sind mit roten Punkten markiert.

Foto: Viola Heidrich

"Ich werde meine Meinung nicht ändern", sagte Clauß am Dienstag. Sachsenforst habe seine Kennzeichnung kontrolliert, seiner Meinung nach ist sie sachgerecht ausgeführt. Aber: "Die Gemeinde als Eigentümer muss letztlich entscheiden, was wie und warum passiert." Das betont auch Ranft: Der mit der Gemeinde abgestimmte Wirtschaftsplan sei kein Dogma, sondern Richtschnur. Allerdings sei es sinnvoll, die Maßnahmen räumlich zu konzentrieren, weil die Pflege hier in den letzten 15 Jahren versäumt wurde. Leila Reuter: "Genau darum würde ich nicht so straff reingehen." Laut Waldgesetz haben Belange der Körperschaft Vorrang, sagt die Forstingenieurin. Das heiße, die Gemeinde könne Änderungen bewirken.

Doch genau hier steckt das Problem: Dem Rat fehlt die Sachkenntnis, wie einige Mitglieder unumwunden zugeben. Man müsse den Aussagen der Fachleute vertrauen - die in diesem Fall aber auseinandergehen. Aber die Räte wollen gerade deshalb umfassend informiert und in die Entscheidungen einbezogen werden. Ranft: "Unser Hauptaugenmerk liegt darauf, dass etwas gemacht wird. Über das ,Wie' kann man reden." Darum soll nächste Woche eine gemeinsame Begehung stattfinden. Dann erwartet Clauß, dass die Kritiker ihre Argumente mit konkreten Bestandsdaten untermauern, denn - so sein Vorwurf - bisher basierten die Vorwürfe nur auf einem optischen Eindruck.

 
erschienen am 02.03.2010 ( Von Viola Heidrich )
 
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