Oberhalb des Durchlasses der Breitscheidstraße wird ein Tunnel in die Wand getrieben. Dort wechselt der Weg die Seite.
Foto: Andreas Tannert
Fußgängersteg auf halber Höhe der Mauer
Stählerne Überführung am Oelsnitzer Viadukt verkürzt ab Herbst den Weg Richtung Friedhofstraße - Wanddurchbruch auf bergmännische Art
Oelsnitz. Oelsnitz. Die massive Oelsnitzer Eisenüberführung, die den Namen "Viadukt" nur aus historischen Gründen trägt, wird zum Jahresende aus Richtung Roter Schule etwas interessanter wirken als bisher. Ein Fußgängerübergang soll etwa sechs Meter unterhalb der Krone bis in Höhe Rudolf-Breitscheid-Straße und dann durch den Viadukt hindurch zur anderen Seite geführt werden. Der Neubau verkürzt den Weg zwischen Oberer Haupt- und Friedhofstraße. Der Bau ist vom 17. Mai bis 26. November geplant.
Der Viadukt kann eine ästhetische Aufwertung gut vertragen. Der neue Weg, in Stahlbauweise ausgeführt, wird der Mauer auf der Zentrumsseite mehr Struktur verleihen. 744.000 Euro kostet der Bau. Davon kommen 75 Prozent aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre), sagte der Oelsnitzer Beigeordnete Jens Barnickel. Die Tag-der-Sachsen-Stadt erhält damit quasi eine Europa-Brücke.
Der Aufstiegsturm auf Seiten der Oberen Hauptstraße entsteht dort, wo heute der kleine Parkplatz liegt. Die Spindel der Wendeltreppe reicht 10,50 Meter hoch, mit Turmhaube misst das Bauwerk 14 Meter. Der Gitterroststeg führt dann etwa sechs Meter unterhalb der Krone entlang, erläutert Bauamtsleiter Thomas Trültzsch. Das ist, auf die Gesamthöhe des Viadukts gesehen, oberhalb der Mitte. Drei Aussichtspunkte bieten Blicke auf die Innenstadt. Genau über dem Hegebach liegt eine Ausweichstelle.
Nach etwa 45 Metern endet der Gitterroststeg über dem Durchlass der Rudolf-Breitscheid-Straße. Der Weg biegt in einen Tunnel ab, der durch den Viadukt führt, und wechselt auf die Rückseite. Dort bindet er in Richtung Friedhofstraße an. Der Tunnel, etwa fünf Meter lang, wird im bergmännischen Vortrieb errichtet: Abschnittsweise muss der Durchlass mit Spritzbeton gesichert werden, bevor es weitergeht. Der hohe Innendruck im Viadukt rührt vor allem vom Eigengewicht des Bauwerks her, sagt Trültzsch. Die Züge, die in rascher Fahrt darüber hinwegfegen, fallen weniger ins Gewicht. Der Tunnel ist mit drei Metern Breite und 2,50 Meter Höhe in Bogenform geplant.
Den Hersteller der Stahlkonstruktion ermittelt die Stadt als Bauherr demnächst im öffentlichen Ausschreibungsverfahren. Die Sub- mission erfolgt voraussichtlich nach Ostern. Der Stahlbau muss vorgefertigt, an den Viadukt geliefert und dort montiert werden. Das Gesamtgewicht des Stahlbauwerks haben die Planer, die Ingenieurgesellschaft Schulze und Rank aus Chemnitz, mit 36 Tonnen berechnet. Jens Barnickel rechnet damit, dass die Stahlkonstruktion erst nach dem "Tag der Sachsen" emporwachsen wird. Eventuell könnten am ersten Wochenende im September das Gerüst und die Fundamente stehen. Am Viadukt selbst werden Neugierige zunächst den Tunnelbau über der Breitscheidstraße beobachten können. Etwa 112 Kubikmeter Abraum sollen beim Tunnelbau bewegt werden.
Die Planungen für die Fußgängerbrücke in Oelsnitz hatten laut Barnickel vor drei Jahren begonnen. Die Zusammenarbeit mit der Regio Infraservice GmbH als Pächter der Citybahnstrecke bezeichnete der Beigeordnete als reibungslos.


