Fluglehrer und Kfz-Meister Gunar Barthel aus Grünhain beim Arbeiten an einem doppelsitzigen Motorflugtrike. In Jahnsdorf bei den Großflugtagen zeigte er Kunststücke mit einem Motorgleitschirm.
Foto: Andreas Tannert
Geschädigter sitzt noch immer auf den Kosten
Akte zu Folgen des Polizeihubschrauber-Unfalls bei Jahnsdorfer Großflugtagen liegt auf dem Tisch der Staatsanwaltschaft
Jahnsdorf/Grünhain. Jahnsdorf/Grünhain. Der Mann mit der Latzhose steht neben seinem Wohnmobil, schaut sich die Markise an, dann die Solar- und die Satellitenanlage auf dem Dach. Gunar Barthel schüttelt den Kopf und schimpft: "Ich sitze auf einem Schaden von rund 17.000 Euro und der Freistaat Sachsen denkt offenbar gar nicht daran, den zu begleichen. Dabei hat doch ein Polizeihubschrauber alles verursacht."
Der Unfall geschah beim Großflugtag am 9. Mai auf dem Verkehrslandeplatz in Jahnsdorf. Tausende Menschen schauten sich die Flugzeuge an, bewunderten die Kunststücke der Piloten. Auch die von Gunar Barthel. Der 35-Jährige ist zweifacher Weltmeister und zweifacher Europameister im Motorschirmfliegen. "Ich war mit meinem Team seit Donnerstag da", erinnert er sich. "Mir wurde vom Veranstalter ein Platz zugewiesen, von dem aus wir dann gestartet sind." Immer wieder geht Barthel, der unter anderem dem Scheich von Dubai als Fluglehrer dient, mit seinem Motorgleitschirm in die Luft, drehte seine Runden.
Barthel: "Am Sonntagnachmittag machte ich mich dann für einen weiteren Flug bereit. Da hörte ich dieses Geräusch." Das Geräusch eines Polizeihubschraubers, der in Jahnsdorf zum Tanken landen wollte. Offenbar hielt der Pilot sich aber nicht an die vorgesehene Flugschneise. "Der Hubschrauber kam in etwa zwei Metern Höhe knapp an uns vorbei. Ein Unding", schimpft Barthel, der mehrere Fluglizenzen besitzt, schon auf vielen Flugplätzen in der ganzen Welt gelandet ist. "So etwas wie in Jahnsdorf, habe ich aber noch nicht erlebt. Es hätte eine Katastrophe geben können."
Eine Katastrophe, die Barthel im letzten Moment verhinderte. Gedankenschnell rollte er seinen zum Start ausgebreiteten Gleitschirm zusammen. Der Weltmeister: "Sonst hätte ihn der Sog des Rotors nach oben gerissen. Er hätte sich im Hubschrauber verheddern, ihn zum Absturz bringen können."
So wirbelte der vom Hubschrauber verursachte Wind über den Platz, fegte unter die Markise von Barthels Wohnmobil (Typ Hymer, 125.000 Euro teuer) und riss sie ab. Gunar Barthel: "Sie war auf etwa fünf Meter Länge ausgefahren, wurde nach oben gerissen und auf das Dach geschmettert, wo die Solaranlage und der Satellitenspiegel zu Bruch gingen. Außerdem wurden zwei meiner Bekannten durch die Trümmer verletzt. Als ich die Polizisten nach der Landung auf ihren Fehler ansprach, wurden die auch noch frech, sagten, sie dürften fliegen, wie sie wollten."
Der Grünhainer fuhr heim, ließ sich den Schaden von einem Dekra-Gutachter bestätigen und reichte alles bei der Versicherung ein. "Ich nahm an, dass der Freistaat mit seiner Haftpflicht schnell für den Schaden in Höhe von 17.000 Euro aufkommt. So wie jeder normale Bürger, der einen Unfall verursacht hat."
Weit gefehlt. Barthel sitzt bis heute auf den Kosten, musste inzwischen mehrere Flugveranstaltungen absagen, weil sein Wohnmobil nicht einsetzbar war. Und der Freistaat drückt sich um eine Zahlung herum. Barthel schaltete einen Anwalt ein und klagte gegen den Freistaat.
Jürgen Scherf, Sprecher der zuständigen Landespolizeidirektion Zentrale Dienste: "Das Verfahren zur Schadensregulierung ist noch nicht abgeschlossen. Wir stehen mit dem Anwalt der Kläger in Verbindung." Immerhin liegt die Akte auf dem Tisch der Staatsanwaltschaft Chemnitz. Oberstaatsanwalt Bernd Vogel: "Weil es Verletzte gab, wird wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt. Im Moment haben die Anwälte Akteneinsicht beantragt. Ich denke, eine Entscheidung wird es im August geben."
Gunar Barthel hofft, dass er nicht so lange auf sein Geld warten muss. Er steigt in sein silbernes Wohnmobil, schimpft: "Es kann doch nicht sein, dass Polizisten mehr Rechte haben als ein normaler Bürger dieses Staates."


