Foto: Tilo Steiner (Grafik)

Schloss Hoheneck hat ein erstes Konzept

Erstmals haben sich Besitzer, Opferverein und Stadt auf eine gemeinsame Nutzungsvariante verständigt

Stollberg. Gut Ding will Weile haben, sagt der Volksmund. Wenn dies stimmt, dann wird die Zukunft für das Ex-Frauengefängnis Hohen-eck sehr gut. Denn zu lange konnten öffentliche Hand, Opferverbände und der Besitzer der Immobilie keinen Draht zueinander finden. Doch das ist nun anders. Ein erstes Konzept für die berühmteste leer stehende Immobilie der Region liegt vor. "Alle Beteiligten halten es für umsetzbar. Aber es ist nur ein Beginn, auch noch nicht finanziell untersetzt", so Prokurist Jens Franz im Auftrag des saarländischen Schloss-Eigentümers Bernhard Freiberger.

Der Südflügel: Gedenkstätte

Nach seiner Aussage - und der anderer Entscheider - soll nicht mehr das gesamte Schlossareal eine Gedenkstätte sein. Dafür ist der Südflügel mit den Wasserzellen, die einst Bundespräsident Christian Wulff besuchte, vorgesehen. Regelmäßige Führungen sind geplant - aber auch eine Einbettung in ein museales Rahmenkonzept, welches die gesamte Historie des Schlosses für Interessierte zeigt. Der Kern dessen, so sind sich alle einig, soll aber die Zeit als DDR-Frauengefängnis sein. Der Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen soll zudem Räume im Eingangshaus erhalten, welches in den Hof führt.

Der Westflügel: Übernachtung

Im Westflügel ist eine Europäische Begegnungsstätte eine Variante, mit der sich alle einverstanden erklären könnten, so Franz. Mit Seminarräumen, mit Filmvorführungen - passend zum Ort. Auf zwei Etagen sollen aber auch Übernachtungen möglich sein - nicht als Nobelhotel, sondern in schlichterem Ambiente. Franz spricht von "gehobenem Jugendherbergscharakter".

Der Nordflügel: Freizeittreff

Im Nordflügel will sich die Stadt engagieren, mit einer Art Freizeittreff. "Nicht nur stilles Gedenken, sondern auch Leben", sagt Stollbergs Oberbürgermeister Marcel Schmidt. Mit Gastronomie, Sportangeboten und ähnlichem - der Würde des Ortes angemessen. "Punkkonzerte oder Festivitäten sind ausgeschlossen", sagt Schmidt. Zudem könne der Nordflügel Heimstätte eines Archivs für Geschichtsaufarbeitung sein, etwa für Akten zum Frauengefängnis, ergänzt Franz.

Laut dem Schlossverwalter sind diese ersten Ideen gemeinsam entstanden. Jeder könne sich wiederfinden, so Franz. Die Stadt hätte eine eigene Nutzung für Hoheneck, der Frauenkreis eine Gedenkstätte, der Besitzer Einnahmen durch Vermietungen im Nord- und Westflügel.

Im Bezug auf das Finanzielle gibt es zumindest erste Signale - etwa seitens des Bundes für ein mögliches finanzielles Engagement. Dies sieht zumindest Marco Wanderwitz so, der CDU-Bundestagsabgeordnete aus der Region. So habe Staatsminister Bernd Neumann, zuständig für Kultur und Medien der Bundesregierung, eine finanzielle Förderung signalisiert. "Das hat eine neue Qualität. Bislang spielte Hoheneck keine Rolle", so Wanderwitz. Natürlich werde Berlin eine Gedenkstätte nicht dauerhaft mit Geld unterstützen. "Aber eine Anschubfinanzierung im Rahmen einer Projektförderung ist denkbar, hat mir Herr Neumann signalisiert", so Wanderwitz. Voraussetzung sei jedoch, das Land Sachsen beteilige sich mit 50 Prozent, schreibt Neumann in einem Brief an Wanderwitz. "Beim Besuch des Bundespräsidenten auf Hoheneck hat Fachministerin Sabine Freifrau von Schorlemer zumindest nicht Nein gesagt", so Wanderwitz.

"Freie Presse" fragte am Dienstag im Ministerium für Wissenschaft und Kunst nach. "Generell begrüßen wir jede bürgerschaftliche Initiative im Freistaat Sachsen, die sich der Aufarbeitung und Erinnerung des DDR-Unrechts widmet", so Sprecherin Annett Hofmann. "Wenn es um die Möglichkeiten staatlicher Förderung geht, ist allerdings zu bedenken: Sachsen trägt bereits eine schwere Last in Bezug auf die Haftstättengeschichte der DDR." Bautzen und Torgau als museal erschlossene Gedenkstätten an ehemaligen Haftorten würden angesichts ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung seit 1996 auch vom Bund mitgefördert. Die Kräfte für die Pflege der Erinnerungskultur zu bündeln habe zur Folge, dass nicht alle ehemaligen Haftanstalten zu musealen Gedenkstätten entwickelt werden konnten. Ziel sei es, bestehende Einrichtungen in ihrer Existenz zu sichern und der Kreativität im Umgang mit der jüngeren Vergangenheit Raum geben. Hofmann: "Eine fünfzigprozentige Beteiligung an einer Gedenkstätte Hoheneck durch den Freistaat bedürfte eines entsprechenden Aufwuchses im Haushalt der Gedenkstättenstiftung. Die Diskussion über die Förderungswürdigkeit und die tatsächlich vorhandenen Ressourcen in Sachsen muss zuerst in den Stiftungsgremien geführt werden." Dafür müsse ein wissenschaftlich begründetes Gedenkstättenkonzept vorgelegt werden.

 
erschienen am 06.09.2011 ( Von Jan Oechsner )
 
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