Mitglieder des Dorfvereins Seifersdorf stellten auf dem Wiesenweg zwei neue Bänke auf. Genau dort führte auch die Tour vorbei.
Foto: A. Tannert
Tour lenkt Blicke an den Wegesrand
16. Erlebniswanderung der "Freien Presse" Stollberg und des Kulturbetriebes des Landkreises macht auf Flora, Fauna und Tierwelt aufmerksam
Leukersdorf. Leukersdorf. Hohe Wanderschuhe, wasserdichte Gamaschen, wetterfeste Jacken und sogar Gummistiefel - die knapp 70 Teilnehmer an der 16. Erlebniswanderung der "Freien Presse" Stollberg und des Kulturbetriebs des Landkreises hatten sich die alte Wanderweisheit, dass es kein unpassendes Wetter gibt, zu Herzen genommen und waren trotz starken Regens in der Nacht und pfützenreicher Wege am Samstag erschienen. Sie sollten dafür belohnt werden: Ihnen blieb nicht nur weiterer Regen erspart, sie erlebten auch eine Tour, die ihrem Motto "Naturkundliche Wanderung" voll gerecht wurde.
Dafür sorgte unter anderem die Schnitzgemeinschaft Leukersdorf, bei der es sich zwar mit sechs Mitgliedern um einen sehr kleinen Verein handelt, aber der dafür seit jeher auch auf den Gebieten des Naturschutzes, der Mineralogie, der Heimatkunde und in Person seines Vorsitzenden, Claus Leichsenring, der Ornithologie tätig ist. Leichsenring war es auch, der die Wandergruppe auf Tiere, Steine und Pflanzen am Wegesrand aufmerksam machte sowie heimatkundliche Hintergründe erklärte. Fachkundig unterstützt wurde er dabei von Reinhard Emmrich. Der 80-Jährige war zuletzt in der Unteren Naturschutzbehörde des Altkreises Stollberg tätig und dort maßgeblich an der Unterschutzstellung des Steegengebietes und im Zuge der Autobahnverbreiterung an der Erhaltung der Orchideenwiese im Seifersdorfer Wiesengrund beteiligt. Die Rettung dieser Orchideenwiese, in der mittlerweile ab Mitte Mai wieder mehr als 1000 Knabenkraut-Pflanzen blühen, kann sich wiederum die Schnitzgemeinschaft auf ihre Fahnen schreiben. Deren Mitglieder mähten die Wiese nämlich bis in die 1990er-Jahre und sorgten damit für die Vermehrung der geschützten Pflanzen.
Neben den beiden fachkundigen Wanderleitern sorgten auch die Tiere des Waldes selbst dafür, dass es viel Natur zu sehen gab: Sowohl Reh als auch Erdkröte und fuchsrote Rötelmaus gaben sich unter den Augen der Wanderer am Wegesrand ein Stelldichein.
Auf dem Wiesenweg Richtung Steegenwald wurde die Wandererschar von einem Traktor mit Hänger überholt, der zwei Bänke geladen hatte. Kurz darauf kam die Gruppe auch an der Stelle vorbei, wo Mitglieder des Seifersdorfer Dorfvereins die Sitzgelegenheiten aufstellten. Gefertigt aus massivem Holz und mit Füßen aus Beton versehen, sollen sie nach den Worten des stellvertretenden Vereinschefs Wolfgang Winkler Ausflügler nach Möglichkeit länger erfreuen als die Vorgänger-Sitzgruppe, die mit der Zeit dem Vandalismus zum Opfer gefallen war.
Bevor die Wanderer am Ziel eine kleine von Helmut Schlesier zusammengestellte Mineralien-Sammlung bestaunen und sich von den Schnitzerfrauen kulinarisch verwöhnen lassen konnten, stand noch ein Besuch in der Leukersdorfer Kirche an. Eckhard Rehnert ließ hier in einem kurzen Vortrag die Kirchenbau- und jüngere Sanierungsgeschichte Revue passieren.


