Freude bei Max Kneisel und seiner Familie: Kater Karl-Maunz ist zwar sehr verstört, aber wieder daheim.
Foto: Privat
Verschwundene Katzen geben Rätsel auf
Stollberger Tierheim registriert starke Zunahme an vermissten Tieren - Mitarbeiterin: Gehäuftes Verschwinden für diese Jahreszeit untypisch
Stollberg. Stollberg. Karl-Maunz ist wieder da und Familie Kneisel aus Thalheim überglücklich. Fünf Tage war ihr Maine-Coon-Mix-Kater verschwunden, suchte sie die Gegend ab, telefonierte herum und hängte Suchmeldungen aus. Noch nie sei das zweijährige Tier, das nach seiner Rückkehr völlig verstört wirke, so lange weggewesen, sagt Steffi Kneisel. Das wäre auch untypisch für einen kastrierten Kater.
Das Verschwinden von Karl-Maunz ist kein Einzel-, sein Wiederauftauchen dagegen wohl ein Glücksfall. Die Stollberger Tierheimmitarbeiterin Darja Jattke berichtet von einer aktuell außergewöhnlich hohen Zahl verschwundener Katzen. Die Besitzer kommen hilfesuchend ins Tierheim, aber dort werden sie zumeist nicht fündig. Der Lugauer Mario Schimming beispielsweise fragt seit Wochen regelmäßig dort nach und schaltet Vermisst-Anzeigen in der "Freien Presse" - bisher ohne Erfolg. In Meinersdorf verschwanden Anfang dieses Monats innerhalb von zwei bis drei Tagen gleich drei Katzen einer Familie. Von gut 20 Tieren weiß Jattke, die aktuell in Stollberg, Thalheim, Burkhardtsdorf, Oelsnitz und Lugau vermisst werden. Sie hält einen ganzen Stapel mit Suchmeldungen in der Hand, die ihr verzweifelte Katzenbesitzer dagelassen haben. Die Bandbreite reicht vom Rassetier bis zur Hauskatze.
Über den Grund herrscht Rätselraten. Die Jahreszeit sei für so ein vermehrtes Verschwinden von Katzen untypisch, sagt Jattke. Dass Katzen weggefangen werden, um an ihr Fell zu kommen, passiere eher im Herbst oder Winter, wenn das Fell dick ist. Und Katzenhasser würden meist nur in ihrem eigenen Umfeld aktiv.
Die Tierheimmitarbeiterin rät Betroffenen stets, bei der Polizei Anzeige zu erstatten. Allerdings sind dem Ratschlag bisher kaum Katzenbesitzer gefolgt. Im Mai und Juni wurden laut Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge im Revierbereich Stollberg gerade einmal zwei solcher Anzeigen erstattet. Beide Katzen verschwanden in Niederdorf.
Mario Schimming, der seine Cassy bereits seit Ende April vermisst, hat bei seiner Suche festgestellt, dass zwei Dinge vielen nicht bekannt sind: Dass Fundtiere meldepflichtig sind und dass nicht allein Halsbänder auf den Besitzer hinweisen können. Letzteres tun auch unter der Haut sitzende Chips, deren Daten jedoch allein Tierärzte oder Tierheime auslesen können. Schimming verweist auf den Verein Tasso, der sich unter anderem der Problematik Fundtiere verschrieben hat und auch bei der Suche hilft. Der Verein weist beispielsweise darauf hin, dass die Reihenfolge - nämlich erst Fundmeldung und dann Tierarzt- darüber entscheidet, ob man als Finder auf den Tierarztkosten sitzen bleibt oder ob man sich wegen Unterschlagung einer Fundsache strafbar macht. Zuständige Behörde sei zunächst das Fundbüro der jeweiligen Kommune, in der das Tier gefunden wurde. Alternativ könne das Tier auch im Tierheim abgegeben werden, dann übernehme dieses die Fundanzeige. www.tasso.net


