"Wir arbeiten an der Leistungsgrenze"

Freiwillige Feuerwehren im Altkreis Stollberg machen bei Podiumsdiskussion auf brenzlige Situation aufmerksam

Burkhardtsdorf. Burkhardtsdorf. Das Ehrenamt und mit ihm die Freiwillige Feuerwehr befinden sich im Wandel. Wie Probleme zu bewältigen sind und wie sich die Entwicklung des Feuerwehrwesens im ländlichen Raum gestalten soll, darüber diskutierten die Wehren des Altkreises Stollberg erstmals auf einer Podiumsveranstaltung mit Politikern in der Zwönitztalhalle in Burkhardtsdorf.

Organisiert hatte die Zusammenkunft André Kühn, Leiter im Regionalbereich Stollberg vom Kreisfeuerwehrverband Erzgebirge. Für ihn bestehen Probleme insbesondere bei der Ausbildung von Spezialisten und Führungskräften. An der Landesfeuerwehrschule bei Hoyerswerda gibt es nicht genug Kurs-Plätze. 127 hätten die Stollberger dieses Jahr benötigt, 33 werden realisiert. "Der Zustand ist erschreckend", sagt Kühn. Und verschärft sich noch, da zur Zeit zwei Lehrkräfte fehlen. "Wir sind frohen Mutes, dass sie innerhalb eines halben Jahres wieder besetzt werden", gab Landesbranddirektor Jens Großer Auskunft.

Für die Feuerwehrmänner zu lang. Denn: "Es fehlen bei den Tageseinsätzen Spezialisten", sagt Leiter Kühn. Die sinkenden Zahlen der Einsatzkräfte machen den Wehren zu schaffen. 240 Leute schulen die Stollberger jährlich selbst: Atemschutz, Funk- und Maschinistenausbildung können sie im Feuerwehrtechnischen Zentrum (FTZ) in Pfaffenhain stemmen. Fast jedes Wochenende ist ausgebucht. "Wir arbeiten an der Leistungsgrenze", so Kühn. Mit Sorge verfolgen die Feuerwehrleute zudem die Pläne des Kreises für ein FTZ für das gesamte Erzgebirge. Landrat Frank Vogel versicherte: "Es wird die bisherigen auch weiterhin geben."

Einige Lösungsansätze wurden angedeutet, festlegen lassen wollte sich von den geladenen Gästen keiner. Kühn war indes zufrieden. "Es ist viel erreicht, wenn diskutiert wird." Für nächstes Jahr plant er die Fortsetzung.

Zahlen und Fakten

Einsätze: Zu 2088 Einsätzen rückten die 183 Freiwilligen Feuerwehren im Erzgebirge 2009 aus, 380 davon waren Brände.

Kräfte: Immer weniger Blauröcke stehen für Einsätze im Altkreis Stollberg zur Verfügung: 2003 waren es laut Statistik 930, 2006 noch 871, vergangenes Jahr 855. Weit weniger könnten aber tatsächlich ausrücken, wenn es brenzlig wird. Ein Grund: die oft auswärtigen Arbeitsplätze.

Ausbildung: Der Bedarf für Kurse an der Landesfeuerwehrschule liegt im Kreis bei 604 Plätzen. Verfügbar sind 162.

Frauen: 48 Frauen sind in den Stollberger Wehren vertreten. Das entspricht einer Quote von 5,6 Prozent. 2006 waren es noch 55 weibliche Blauröcke.

Jugend: 319 junge Leute sind in den Wehren im Raum Stollberg, 78 davon sind Mädchen.

Geld: 2,2 Millionen Euro investierten die Feuerwehren im Altlandkreis 2009 für acht neue Löschfahrzeuge und den Umbau von drei Gerätehäusern. Für 2010 sind 2,1 Millionen Euro bewilligt. Unter anderem für vier Fahrzeuge und den Neubau eines Gerätehauses.

 
erschienen am 18.03.2010 ( Von Nicole Jähn )
 
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