Auf solche Starthilfen waren am Montag nach der klirrend kalten Nacht viele angewiesen, weil die Autobatterien schlapp gemacht hatten.
Foto: Lars Rosenkranz
Sibirische Kälte lässt Abschleppdienste schwitzen
Zweistellige Minusgrade haben Erzgebirge seit Tagen im eisigen Griff
Aue-Schwarzenberg. Die Batterie macht nicht mehr mit, der Diesel geliert: Viele Autofahrer waren am Montagmorgen der Verzweiflung nahe. Die schon seit einigen Tagen anhaltende sibirische Kälte setzt Technik matt. Und bringt andererseits Leute, die beruflich mit den Frost-Auswirkungen zu tun haben, ins Schwitzen.
Wie Mitarbeiter von Autowerkstätten und Abschleppdiensten. Das bestätigt Raphael Scholz, Werkstattmeister im Schwarzenberger Autohaus Richter. "Das Telefon klingelt fast ununterbrochen. Klar, viele Autos stehen ja auch bei dieser extremen Kälte draußen. Vor allem ältere Batterien können da Probleme machen." So bilden der Austausch von Akkus sowie das Auftauen und Fitmachen von "eingefrorenen" Dieselfahrzeugen derzeit Schwerpunkte in den Werkstätten. "Wir haben dafür extra Platz gemacht", so Scholz. "Nach dem Auftauen geben wir dem Diesel Additive zu. Die verhindern, dass Paraffine ausflocken, und erhöhen die Tauglichkeit des Kraftstoffs bei 20 und mehr Minusgraden."
Auch bei der Erzgebirgsbahn gibt es "kältebedingt ein paar Probleme, kleinere Störungen an Sicherungsanlagen", sagt Lutz Mehlhorn. Der Unternehmenssprecher verweist jedoch darauf, dass es trotz der nachts um die 25 Grad minus bisher weder zu witterungsbedingten Zugausfällen noch zu nennenswerten Verspätungen gekommen sei. Auf der Strecke zwischen Zwickau und Johanngeorgenstadt führte am Montag bei Bad Schlema eine Weichenstörung zu leichten Verspätungen. In Aue gab es an der Schrankenanlage Clara-Zetkin-Straße einen Drahtbruch; ein Schrankenbaum wurde deshalb vorübergehend manuell bedient.
Fast 40 frostgeschädigte Wasserzähler sind am Wochenende durch Mitarbeiter der Wasserwerke Westerzgebirge gewechselt worden. "Besonders betroffen waren Gebäude in Schwarzenberg, aber auch in Schönheide, Stützengrün und Johanngeorgenstadt", berichtet Geschäftsführer Frank Kippig. "Wir haben uns daher entschlossen, unseren Bereitschaftsdienst für solche Notfälle personell sofort um knapp ein Drittel aufzustocken." Kippig weist zum wiederholten Mal auf die Hauptursachen der Schäden hin: offene Kellerfenster, nicht ordnungsgemäß abgedeckte Zählerschächte und nicht vollständig geschlossene Türen.
"Wir hatten einen Fall, wo ein Mann sein Garagentor zwei Stunden offen ließ, weil der Fußboden trocknen sollte. Die zwei Stunden bei 20 Grad minus hat der Zähler in der Garage nicht überlebt. Ich appelliere an alle Hauseigentümer, alles genau zu kontrollieren und die besonders gefährdeten Wasseruhren und Leitungen, auch in Nebengelassen und Kellern, bestmöglich gegen Frost zu sichern, etwa durch Einpacken in Glaswolle." Die massive Gefahr von Rohrbrüchen sieht Kippig derzeit nicht, "erst bei Tauwetter, wenn stärkere Bodenbewegungen auftreten".


