Hund gerettet Seit elf Tagen wird die Yorkshire-Terrier-Dame Börnchen (rechts) in der Tierauffangstation betreut. Seit Freitagabend wird nun auch der fast verhungerte Rüde (im roten Leibchen) aufgepäppelt. Er wird Börni genannt und von Christine Grzelka (r.) und Evelyn Hackbeil versorgt.

Foto: Torsten Schilling

Erneut hilflosen Hund im Bornwald gerettet

Fast verhungerter Terrier Börni wird in der Tierauffangstation betreut - Tierschutzverein erstattet Anzeige gegen unbekannt bei der Polizei

Zschopau. Zschopau. Zum zweiten Mal in wenigen Tagen ist im Bornwald, erneut in Nähe des Schwarzen Teichs, ein fast verhungerter, kranker Yorkshire-Terrier gefunden worden.

Christine Grzelka, Vorsitzende des Tierschutzvereins Zschopau, hat am Montag Anzeige im Polizeirevier wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gegen unbekannt erstattet. Im Zschopauer Revier könne man sich an einen solchen Fall nicht erinnern. Im Erzgebirge sei es selten, dass Tiere so ausgesetzt werden, sagte gestern Polizeisprecherin Heidi Hennig.

"Ich bin regelrecht erschüttert", meinte Christine Grzelka. Denn eine Woche zuvor hatte bereits ein Jogger eine Yorkshire-Terrier-Dame, die dem Tode nahe war, im Bornwald gefunden. In der Zwischenzeit hat sich Börnchen, wie das erste Tier nach dem Fundort genannt wurde, etwas erholt.

Der zweite Hund, ein fast verhungerter Rüde, habe in einer Kuhle aus Laub und Dreck gelegen und konnte sich kaum bewegen, schildert Gudrun Endler. Sie hatte am Freitagnachmittag den Findling entdeckt. Die Börnichenerin war mit ihrem eigenen Hund und einer Bekannten im Bornwald gewesen. Über Handy habe sie gleich ihren Mann gerufen, der den Hund mit dem Auto zum Tierarzt brachte.

"Als Tierliebhaber hatten wir den Bericht über den ersten Terrier-Fund in der ,Freien Presse' gelesen. Als meine Frau mich dann aus dem Wald anrief und sagte, dass auch sie einen Terrier gefunden habe, dachte ich erst, sie scherze", schilderte Wolfgang Endler.

Auch Dora Rudolf, eine Nachbarin der Endlers, fand kaum Worte: "Wie kann man nur Hunde bei einer solchen Kälte aussetzen. Mit Tränen in den Augen habe ich den Bericht über Börnchen gelesen. Dass es nun noch so einen Fall gibt, macht mich fassungslos."

Wie Börnchen habe auch der Rüde einen kupierten Schwanz, berichtete Christine Grzelka. Eine solche Amputation einer Rute ist in Deutschland bei Hunden seit 1998 verboten. Bei beiden Terriern sei auch das Maul regelrecht verfault gewesen. Deshalb mussten der Hundedame in den vergangenen Tagen fast alle Zähne gezogen werden.

Börnchen und Börni, so wird der Rüde in der Tierauffangstation gerufen, hätten heftig aufeinander reagiert. Es werde davon ausgegangen, dass sie sich kennen. Da beide weder Halsband noch einen Chip bei sich trugen und auch nicht tätowiert waren, kann Christine Grezelka über ihre Herkunft nur Vermutungen anstellen: "Ich denke, sie gehören zusammen. Sie wurden für eine illegale Zucht missbraucht und dann einfach ausgesetzt. Auch die Krankheit von Börnchen deutet daraufhin, dass sie als Gebärmaschine herhalten musste."

Als "Freie Presse" bereits vor einer Woche von Börnchens Schicksal berichtete, habe bei Christine Grzelka ununterbrochen das Telefon geklingelt: "Zschopauer Bürger brachten Hundefutter in die Auffangstation, eine Rotlichtlampe wurde abgeben, ein Schaffell und warme Decken."

Gefreut habe sie sich, dass eine Familie sogar die Tierarztkosten übernehmen möchte. In einem an Börnchen adressierten Brief wird dem Findling ein gutes Zuhause gewünscht. Doch die ehrenamtlichen Mitarbeiter müssen die Besucher um Verständnis bitten, dass beide Findlinge derzeit nicht gezeigt werden können. "Die Hunde sollen erst zur Ruhe kommen und sich kräftigen. Wenn Börnchen nur eine Männerstimme hört, zittert sie und reagiert ganz panisch."

Einige Zschopauer hätten Interesse bekundet, Börnchen ein neues Zuhause zu bieten. "Im Moment ist die Hundedame noch gar nicht in der Verfassung dazu. Ein neuer Besitzer muss auch damit zurechtkommen, dass der Hundedame aufgrund ihrer Krankheiten kein langes Leben mehr beschert ist. Aber es wäre Börnchen zu wünschen, dass sie noch ein paar unbeschwerte Wochen verleben darf", unterstreicht Christine Grzelka.

 
erschienen am 08.03.2010 ( Von Gudrun Müller )
 
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