Gornauer Gemeinderäte sehen keine Alternative zu Dom-Verkauf
Die Betreiber der Diskothek in Gornau rufen mit Postwurfsendungen zur Demo auf
Gornau. Nach dem Aufruf zur Demonstration gegen den Verkauf der Gornauer Diskothek Dom wächst der Druck auf den Gemeinderat. Die Betreiber des 1989 als Jugendklub eröffneten Hauses werfen der Kommune in dem Zusammenhang vor, zu wenig für junge Leute im Ort zu tun. Bevor der Rat am Montag über den Verkauf des Objektes für 105.000 Euro an den Meistbietenden - einen von vier Bewerbern einer öffentlichen Ausschreibung - abstimmt, wollen die Mitstreiter um Dom-Geschäftsführer Hendrik Drechsel Jugendliche mobilisieren, auf die Straße zu gehen. Dazu verteilten sie in dieser Woche Postwurfsendungen.
Inzwischen haben Vertreter des Gemeinderates in einem Gespräch mit der "Freien Presse" ihre Position bekräftigt. Bürgermeisterin Johanna Vogler (CDU) stellte dabei klar, dass die Einrichtung kommerziell genutzt werde und nicht mit der Jugendarbeit in der Gemeinde verwechselt werden dürfe. Das in kommunalem Eigentum befindliche Gebäude könne aus finanziellen Gründen nicht weiter betrieben werden, da es mittlerweile einen Sanierungsstau von 300.000 Euro gebe. Aus diesem Grund habe sich der Rat für den Verkauf entschieden.
Ausgabe nicht gerechtfertigt
Hans-Siegfried Keil (CDU) zufolge gibt es dazu keine wirkliche Alternative: "Ich möchte nicht wissen, welchen Aufschrei es angesichts anderer dringender Aufgaben im Ort gäbe, wenn wir beschließen würden, ein Gebäude für 200.000 oder 300.000 Euro zu sanieren, in dem alle zwei Wochen eine Disko stattfindet." Denn mehr Veranstaltungen sind mitten im Wohngebiet nicht drin, um die Belastung der Anwohner im Rahmen zu halten. Schon seit Jahren vollführt die Gemeinde eine Gratwanderung im Interessenkonflikt zwischen den sich in ihrer Ruhe gestört fühlenden Anwohnern und den Dom-Betreibern.
Pacht auf 600 Euro begrenzt
Hans-Siegfried Keil ist sich mit seinen Kollegen Wolfgang Bauer (CDU) und Thomas Winkler (BFWG) einig, dass sich der Rat die Sache nicht leicht macht. In den vergangenen Jahren habe man sich bemüht, einen Weg zu finden, dass es mit der Diskothek weitergeht. Den Vorwurf der Dom-Mannschaft, dass die Gemeinde nie investiert habe, weisen sie zurück. Instandhaltungsarbeiten wie die Dachreparatur hätten die Gemeinde jedes Jahr Geld gekostet. Zugleich sei man dem Pächter der Einrichtung entgegengekommen, habe wegen der beschränkten Nutzung die Pacht auf monatlich 600 Euro begrenzt. Andererseits reichten diese Einnahmen nicht aus, um die dringend nötigen Sanierungsarbeiten zu bezahlen.
Dass sich Gornau von dem Objekt trennen will, ist dem Betreiber nach den Worten von Bürgermeisterin Vogler schon länger bekannt. Im August 2011 sei Bert Göthel die Immobilie zum Kauf angeboten worden, im folgenden Monat habe er schriftlich abgelehnt. Daraufhin ließ die Kommune ein Gutachten anfertigen, das einen Verkehrswert von 55.000 Euro ergab. Bei einem Gespräch im April dieses Jahres sei Göthel darüber und über die beabsichtigte Ausschreibung informiert worden. Ebenso habe er zugesichert bekommen, die Silvesterveranstaltung im Haus durchführen zu können, falls es zum Verkauf kommt.
Als unrichtig weist Vogler die Aussage zurück, dass der Jugendtreff an der Dorfstraße geschlossen wurde. "Die Einrichtung kann nur bestehen, wenn sich die Jugendlichen selbst einbringen, die Unterstützung der Sozialarbeiter annehmen und sich an das Jugendschutzgesetz und die Hausordnung halten. Einige nutzten aber das Vertrauen des Vorstandes im Vorjahr aus. Das führte dazu, dass der Vorstand seine Arbeit niederlegte und den betreffenden Jugendlichen Hausverbot erteilt wurde", erklärte Vogler. Zurzeit werde ein neuer Vorstand gebildet.

