Das Modell des Kulturhauses steht im Rathaus Borstendorf.
Foto: Fabian Mattern
Jubiläumsfeier soll Borstendorfer Kreiskulturhaus beleben
Haus wird nächstes Jahr 50 Jahre alt
Borstendorf. An ein Wunder glaubt die Borstendorfer Bürgermeisterin Christel Rothamel (parteilos) längst nicht mehr. So ein Wunder wäre, dass von irgendwoher ein Investor kommt und das leer stehende ehemalige Kulturhaus wiederbelebt.
Trotzdem hat sie im Foyer des Rathauses ein Modell aufgestellt und daneben die Aufforderung an die Einwohner, ein Holzkästchen mit Vorschlägen zur Zukunft des Hauses zu füttern. Anlass ist der 50. Geburtstag des Gebäudes im Frühjahr 2013. Rothamel will das Jubiläum nutzen, um auf den früheren Musentempel aufmerksam zu machen und ein Gefühl für die Meinungen der Bürger zum Schicksal des Hauses zu bekommen.
"Denn das ist eine schwierige Entscheidung, die kann und will ich nicht allein treffen", erläuterte Christel Rothamel dem Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung. Sie möchte von den Borstendorfern wissen, ob nur die Abrissbirne für das Haus bleibt. Auch aus anderen Orten könnten sich Bürger beteiligen, denn das Gebäude war früher das Kreiskulturhaus des Kreises Flöha.
Es sei kein Briefkasten nach dem Motto "Wünsch dir was", stellt sie klar. "Als Gemeinde können wir das Gebäude nicht betreiben und schon gar nicht sanieren. Das ist nicht machbar", erklärt die Bürgermeisterin. Das wäre, wenn überhaupt, höchstens im Verband oder mithilfe des Landkreises zu stemmen. Mögliche Varianten für eine Nutzung, die von Bauingenieurstudenten als Diplomarbeit erarbeitet worden sind, hat die Ortschefin in der Schublade.
Darin wird als Alternative ein Abriss des Vorderhauses vorgeschlagen sowie die Nutzung des Saals vorwiegend für Sport oder als zweite Möglichkeit der Abriss des Saals und die Nutzung des vorderen Gebäudes als Vereinshaus. Die Bausubstanz sei gar nicht schlecht, meint Rothamel. "Es gab keinen Vandalismus, Dach und Fenster sind noch dicht. Vieles funktioniert noch", schildert sie. Der Urzustand könne mit wenig Aufwand hergestellt werden, aber das reiche heute eben längst nicht mehr. Neue Fenster und eine energetische Sanierung seien etwa notwendig.
Christel Rothamel hat eine persönliche Bindung zum Gebäude, von 1986 bis zur Wende war sie dort HO-Gaststättenleiterin. Ihr fallen auf Anhieb viele Künstler ein, die regelmäßig im Kreiskulturhaus gastierten: Monika Hauff, Klaus-Dieter Henkler, Gunter Emmerlich. Fast jeden Sonntag zum Frühschoppen sei Günti Krause mit von der Partie gewesen. Doch noch wichtiger ist es ihr zu erwähnen, dass etliche Borstendorfer das Haus im Nationalen Aufbauwerk der DDR mit errichtet haben. "Wenn man selbst Kraft und Schweiß investiert hat, hängt man dran", sagt die Bürgermeisterin. Zudem seien mit dem Kulturhaus auch viele Kulturgruppen entstanden.
Sie könnte sich zum Jubiläum im April ein großes Benefizkonzert vorstellen. Mit dem Chor aus dem Ort und vielleicht sogar mit Künstlern, die früher zu Gast waren. Eine fröhliche Veranstaltung werde das wohl nicht. "Eher eine mit Trauermusik und Trauerflor" - ihre Worte klingen nicht sarkastisch, eher traurig.

