Roy Neubert, Mitarbeiter einer Firma aus Ansprung bei Zöblitz, auf seinem Gebirgsharvester im Wald zwischen Wilischthal und Zschopau.
Foto: Thomas Fritzsch
Wald gleicht derzeit einer Großbaustelle
Sachsenforst schafft dank Straßensanierung auch Ordnung im Wald
Zschopau. Auf eine solche Gelegenheit habe der Forstbezirk Marienberg lange gewartet, sagt Thomas Köhler, verantwortlich für Presse und Öffentlichkeitsarbeit. Und meint damit die mit der Sanierung der Straße einhergehende Vollsperrung. Denn die sei vonnöten, damit auch im Wald gearbeitet werden könne. Der Grund dafür sei vor allem die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer.
Denn die bewaldete Hanglage neben der Straße stellt eine Gefahr dar. So könnten etwa lose Äste auf die Straße fallen und diese blockieren oder vorbeifahrende Autos beschädigen. Die Straße habe jedoch eine wichtige Funktion. Denn die Route, die von Zschopau nach Scharfenstein und dann weiter nach Großolbersdorf und Richtung B 174 und B 101 führt, ist die wichtigste Umleitungsstrecke eben für jene Bundesstraße 174, "etwa wenn am Hohndorfer Berg im Winter Stau ist".
Deshalb gebe es zweimal jährlich zusammen mit der Straßenmeisterei Gornau eine Begehung des Waldstückes, um vor allem den Hang aus Sicht der Straße in Augenschein zu nehmen. "Die Verkehrssicherheit ist sehr wichtig", betont Köhler. Doch bisher sei eine Entfernung von Bäumen aus dem Waldgebiet aus Gründen der Verkehrssicherheit nicht möglich gewesen. Denn um richtig im Wald arbeiten zu können, "ist eine Vollsperrung nötig, das ging bisher nicht, auch wegen der Schülerbeförderung".
Deshalb begannen sofort mit Beginn der Bauarbeiten auf der Straße im Juli auch die Arbeiten im Forst. Sie sollen Ende dieser Woche parallel zum Straßenbau abgeschlossen werden. Die Hanglage stelle die Forstarbeiter dabei vor besondere Herausforderungen, legt Köhler dar. So müsse in dem Areal das Seilkrahnsystem Gebirgsharvester zum Einsatz kommen. Schon dessen Aufbau sei sehr aufwändig und dauere lange. Nach dem Fällen würden die Bäume durch den Wald auf den zwischen Scharfenstein und Zschopau verlaufenden Wanderweg gezogen. "Die Bäume liegen dann erst einmal auf dem Weg", berichtet Köhler.
Das hat kürzlich den Zorn einer Scharfensteiner Wanderin entfacht, die dort unterwegs nach Zschopau war. Der Forst habe dort gewütet, berichtete sie "Freie Presse". Thomas Köhler verweist jedoch auf die Absperrschilder am Weg, die Wanderer derzeit von dessen Nutzung abhalten sollen: "Es ist nicht schön, dass die Schilder nicht beachtet werden. Dieser etwas stärkere Eingriff dort ist aber notwendig, weil wir eben nur selten Gelegenheit dazu haben."
Während bei den Arbeiten im unteren Bereich des Hanges die Verkehrssicherheit im Vordergrund steht, sind es im oberen Bereich forstwirtschaftliche Gründe. "Es werden Bäume gefällt, damit andere mehr Platz zum Wachsen haben", legt Thomas Köhler dar. Zusätzlich werde das Waldareal auch von Totholz beräumt. Während das Holz der gefällten Bäume verkauft wird, verbleibt das Totholz im Wald. "Es wird quer in den Hang eingebaut und soll so abrutschendes Holz stoppen", erklärt der Pressesprecher die Arbeiten. Zudem würde auch der Aussichtspunkt Zschimmer-Höhe von Bäumen freigeräumt.
Revierleiter Stephan Möckel berichtet über seine Arbeit: "Wir haben alle gefährlichen Bäume, die ungefähr in der doppelten Reichweite zur Straße standen, entfernt. Die Bäume wurden gefällt, anschließend die Trasse hochgezogen und aufgearbeitet. Das Totholz wurde umgesägt und in den Hang eingebaut. Das war auch notwendig, weil dieses Gebiet ein Flora-Fauna-Habitat-Gebiet ist. In einem solchen Areal müssen Tothölzer in der Fläche verbleiben. Wir schätzen, dass in den drei Bereichen, in denen wir gearbeitet haben, ungefähr 500 Festmeter Holz geerntet wurden."
Aus dem Holz sei sehr viel Stammholz für Sägewerke gewonnen worden. Zudem entstanden viele Langholzabschnitte, und eine große Menge Industrieschichtholz wurde mit aufgearbeitet, darunter Kiefer, Fichte und Birke. "Dieses Holz wird gehäckselt und dient als Grundlage für Laminatfußböden. Den Schlagabraum, etwa Baumkronen und Äste, der am Wanderweg liegt, lassen wir zunächst einmal liegen. Er wird aber noch dieses Jahr zerhackt. Da kommt ein Großraumhacker zum Einsatz, der das Restholz zerhäckselt", erläutert der Revierförster.
Er erzählt von sehr vielen Problemen mit Fußgängern: "Sie laufen trotz Absperrung einfach durch, gefährden sich selbst akut und behindern vor allem die Arbeiten. Die Holzfäller können nicht sehen, wer hier durchgeistert." Einige seien sehr unvernünftig, monierten die Behinderungen und hätten sich gleich weitergewandt. Er bitte um Vernunft. Es dauere noch ein bisschen, bis alles wieder in Ordnung gebracht ist: "Ich denke, in einer Woche können die Leute hier wieder wandern." (mit ritz)


