Wanda Fundakowski verschlug es auf der Flucht von Weißrussland ins Erzgebirge.
Foto: Claudia Dohle
85-Jährige verbindet Frieden mit glücklicher Kindheit
Gedanken zum Antikriegstag, der am Mittwoch bundesweit begangen wird - "Freie Presse" befragt Zeitzeugin, Soldat und Zivildienstleistenden
Flöha.
Flöha. Ein Bekenntnis für den Frieden und gegen den Krieg - diese Absicht liegt dem Weltfriedenstag (auch Antikriegstag) zu Grunde, der am Mittwoch bundesweit begangen wird.
"Freie Presse" lässt an diesem Gedenktag, für den es eigentlich drei Termine (1. Januar, 1. September und 21. September) gibt, eine Zeitzeugin, einen jungen Soldaten und einen Zivildienstleistenden zu Wort kommen.
Die Zeitzeugin. Wanda Fundakowski verbindet Frieden mit Heimat, mit einer glücklichen Kindheit - und die hatte die 85-jährige Grünbergerin nicht. In einem polnischen Dorf geboren, war sie noch ein Baby, als ihre Eltern mit ihr nach Weißrussland zogen. "Als der Krieg ausbrach, mussten wir wie viele andere Deutsche praktisch über Nacht weg.
Verpflegung für 14 Tage und einmal Wechselwäsche sollten wir mitnehmen", erinnert sich Wanda Fundakowski noch genau an das Schneegestöber rund um den Pferdewagen, an überfüllte Güterzüge, eiskalte Nächte auf der blanken Erde, an Hunger und an die Angst vor Bombenangriffen.
Über ein Flüchtlingslager in Litzmannstadt gelangte die siebenköpfige Familie im Frühjahr 1940 nach Neustädtel bei Schneeberg. "Dort starben zwei meiner Geschwister. Mein Bruder war erst ein paar Monate alt, meine Schwester dreieinhalb Jahre. Das war das Schlimmste für mich im Krieg."
Oberleutnant Stefan K. war mit den Marienberger Panzergrenadieren auf Friedenseinsatz.
Foto: Dube
Der Soldat. Wie wichtig es ist, dass sich Soldaten für den Frieden einsetzen - diese Erfahrung hat Oberleutnant Stefan K. bei seinem ersten Einsatz vor einigen Monaten in Afghanistan gemacht.
"Dort ist mir bewusst geworden, was es wirklich heißt, in demokratischen Verhältnissen leben zu können. Wir tragen mit unserer Anwesenheit dazu bei, dass die Kinder in geordneten Verhältnissen aufwachsen und zur Schule gehen können", sagt der 28-Jährige.
Bei seinem Dienst, für den er bei den Marienberger Panzergrenadieren bestens vorbereitet worden sei, habe er an die Menschen in diesem Land gedacht und nicht ständig an die Gefahr für das eigene Leben.
Die Familie steht hinter dem jungen Soldaten, der im kommenden Jahr ein zweites Mal im Krisengebiet eingesetzt werden soll. Dieses Wissen gebe ihm Sicherheit, versichert er. So könne er als Soldat dafür geradestehen, dass alle Menschen die gleichen Rechte auf ein friedliches Leben haben.
Sebastian Männel arbeitet bis Januar 2011 als Zivi beim Bauhof Niederwiesa.
Foto: Claudia Dohle
Der Zivildienstleistende. Sebastian Männel kennt die Vorurteile gegenüber Zivildienstleistenden. Den Vorwurf, ein Weichei zu sein, habe er schon von Bekannten gehört - meist und von denen, die selbst keinen Wehrdienst leisteten.
"Aber ich bin mit meiner Arbeit beim Bauhof zufrieden", sagt der 22-Jährige Lichtenwalder. Dass er sich dafür und nicht für den Bund entschied, liege daran, dass er dabei sei, sich eine Existenz aufzubauen.
"Ich hatte eben meine Lehre als Kfz-Mechatroniker erfolgreich beendet, da kam die Einberufung. Ich war vier Wochen beim Bund in Thüringen, denn das versteht man dort unter wohnortnaher Stationierung." Sebastian kennt einige junge Männer, die in Afghanistan waren. "Sie waren dort unten des Geldes wegen. Verkraftet hat die schrecklichen Erlebnisse keiner von ihnen."


